Kundgebung des islamischen Dschihad in Palästina 2017. Foto Safa / Twitter
Kundgebung des islamischen Dschihad in Palästina 2017. Foto Safa / Twitter
Lesezeit: 7 Minuten

Der Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) ist nach der Hamas die zweitgrösste Terrororganisation im Gazastreifen. Ebenso wie die Hamas erkennt auch der PIJ Israels Existenzberechtigung nicht an und glaubt, dass Gewalt und Terrorismus der einzige Weg sind, um „ganz Palästina zu befreien, vom Mittelmeer bis zum Fluss Jordan“.

 

von Bassam Tawil

Ebenso wie die Hamas hat auch der PIJ in den vergangenen drei Jahrzehnten Tausende Terroranschläge, darunter auch Selbstmordattentate, gegen Israel verübt.

In jüngerer Zeit wollte der PIJ uns erneut an seine gefährliche und vergiftete Ideologie erinnern. Diese Erinnerung kam in Form eines neuen „politischen Dokuments“, welches die vom Iran unterstützte Terrororganisation im Gazastreifen veröffentlichte.

Dieses Dokument enthält wichtige Informationen über die Strategie der Gruppe zur Vernichtung Israels und gibt einen Einblick in die Rolle des Islam im israelisch-arabischen Konflikt.

Mancher würde argumentieren, es gebe nichts Neues in dem PIJ-Dokument. Allerdings ist der PIJ nicht irgendeine palästinensische „Widerstands“-Organisation, wie uns einige Nahost-Experten glauben machen wollen. Sie ist vielmehr eine der gefährlichsten palästinensischen Terrororganisationen. Ihr erklärtes Ziel ist die Eliminierung Israels und die Ermordung so vieler Juden wie nur irgend möglich.

Sollte die Hamas jemals im Gazastreifen entmachtet werden, wird höchstwahrscheinlich der PIJ die Macht über die Küstenenklave, in der fast zwei Millionen Palästinenser leben, übernehmen.

Journalisten aus dem Westen ignorieren die Macht und die Bedrohung durch den PIJ häufig. Insbesondere, weil die Vertreter der Terrororganisation den ausländischen Medien nur selten Interviews geben.

Der bewaffnete Kampf ist die wichtigste Methode und Strategie in unserem Kampf

Ausserdem ist es für westliche Journalisten wesentlich einfacher, den kurzen Weg von Jerusalem nach Ramallah zu nehmen, um einen offiziellen Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde zu interviewen, der im flüssigen Englisch des jeweiligen Reporters Lügen über den Wunsch der Palästinenser nach Frieden und Zusammenleben mit Israel verbreitet.

Westliche Journalisten präsentieren ihren Lesern und Zuschauern allerdings nur sehr selten, wenn überhaupt, das, was die Terroristen ihren eigenen Leuten predigen.

Genau das ist auch der Grund, warum es so wichtig ist, die internationalen Medien und globalen Entscheidungsträger auf die zentralen Punkte des PIJ-Dokuments aufmerksam zu machen. Der PIJ ist einer der wichtigsten Akteure auf dem palästinensischen Schauplatz und es ist sehr gefährlich, seine politische und militärische Macht zu ignorieren.

Nachfolgend ein Auszug aus dem Vorwort des Dokuments der Terrororganisation:

„Palästina ist seit den Anfängen der Geschichte die Heimat des palästinensischen Volkes. Palästina ist ein integraler Bestandteil des arabischen und islamischen Vaterlands und es wurde von den zionistischen Juden mit der Unterstützung und der Förderung der westlichen Kolonialmächte widerrechtlich in Besitz genommen.“

Den Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Dokuments erklärte der PIJ wie folgt:

„Um eine klare Vision und die Einheit unserer Ziele abseits des intellektuellen Chaos, das die palästinensische Landschaft dominiert, aufrecht zu erhalten, sah der Palästinensische Islamische Dschihad die Notwendigkeit, dieses Dokument aufzusetzen, um die geistige Grundlage und die Leitmerkmale seines Dschihad und seiner Politik zu erklären und zu bekräftigen.“

Im Klartext: der PIJ befürchtet vom Radar der Welt verschwunden zu sein. Er hat Angst, dass seine Ideologie und seine Pläne zur Zerstörung Israels inmitten der von „intellektuellem Chaos“ gebeutelten palästinensischen Arena verloren gehen könnten.

Indem er seine ultimative Mission definiert, stellt der PIJ in seinem neuen Schriftstück fest:

„Unsere alleroberste Priorität und unser Hauptziel ist es, die Pflicht des Dschihad und des Widerstands auszuüben, um Palästina zu befreien. Wir sind eine nationale islamische Befreiungsbewegung und Teil des Dschihad des palästinensischen Volkes und der Muslime gegen Eindringlinge und Kolonialisten. Wir betrachten uns als einen Teil der allgemeinen islamischen Entwicklung in der ganzen Welt, die den Islam als Quelle unserer Macht und unseres Stolzes ansieht.“

Über welche „islamische Entwicklung“ die palästinensische Terrororganisation spricht, ist unklar. Bezieht sie sich damit auf die Terrororganisation des Islamischen Staates, ISIS, die in den vergangenen Jahren Zehntausende unschuldiger Zivilisten, meist Moslems, abschlachtete? Oder meint der PIJ damit die Al-Qaida, die mörderische Terrororganisation, die von Osama bin Laden gegründet wurde?

Sicher ist allerdings, dass der PIJ sich damit nicht auf die Organisation der Muslimbruderschaft bezieht. Warum? Weil der PIJ glaubt, dass die Ideologie und die politischen Bestrebungen der Muslimbruderschaft im Vergleich zu ihrer eigenen völkermörderischen Agenda zu „moderat“ sind. Ironischerweise sieht der PIJ die Muslimbruderschaft als zu „pragmatisch“ an, vor allem weil Letztere keinen weltweiten Dschihad gegen Juden und Ungläubige betreibt.

In dem PIJ-Schriftstück, welches die westlichen Medien so bereitwillig ignorieren, heisst es:

„Palästina ist ein arabisches, islamisches Land, in dem die Araber und Muslime naturgegebene religiöse und historische Rechte besitzen. Es ist verboten, es aufzugeben oder unter irgendeinem Vorwand zu gefährden.“

Die Juden, so unterstreicht das Dokument, „haben kein Recht im Land Palästina“. Weiter heisst es, gibt die Tatsache, dass einige Araber und Muslime Israel anerkannt haben, den Juden keinerlei Recht auf das Land.

„Das Recht des palästinensischen Volkes auf sein gesamtes Gebiet und Vaterland, Palästina, ist ein umfassendes Recht, das nicht fragmentiert werden darf. Dies beinhaltet unser Recht, das Land zu besitzen, unser Recht, Widerstand zu leisten und es zu befreien und unser Recht, wieder in es zurückzukehren und dort zu leben. Niemandem steht es zu, den Palästinensern das Recht auf Rückkehr in ihr Heimatland zu versagen. Dies ist ein nicht verhandelbares Thema.“

Das PIJ-Dokument betrachtet Israel als ein zionistisches Kolonialprojekt, das den Arabern und Muslimen durch die Westmächte aufoktroyiert wurde. Es ist aufschlussreich, dass dies genau die Worte sind, die der weltliche Friedenspartner und Liebling des Westens, der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, erst kürzlich in einer Rede benutzte, die er anlässlich einer Konferenz des Zentralrats der Palästinensischen Befreiungsorganisation in Ramallah hielt:

„Die Europäer wollten die Juden hierher bringen, um ihre Interessen in der Region zu vertreten. Sie baten Holland, das die grösste Flotte der Welt besitzt, die Juden zu transportieren. Israel ist ein Kolonialprojekt, das nichts mit den Juden zu tun hat.“

Abbas und der PIJ haben weitere gemeinsame Ansichten. In ihrem Schriftstück stellt die palästinensische Terrororganisation fest:

„Das zionistische Gebilde ist eine funktionale kolonialistische Einheit und ein Instrument des [westlichen] Projekts, die Kontrolle und Herrschaft über Palästina zu gewinnen. Die Quelle für die Macht dieses Gebildes liegt bei den westlichen Parteien, insbesondere den USA.“

Das PIJ-Dokument definiert den Konflikt mit Israel als einen „existentiellen Konflikt und keinen Grenzkonflikt“. Bei der palästinensischen Sache, so heisst es weiter,

„geht es nicht um die 1967 besetzten palästinensischen Gebiete oder Teile von diesen. Vielmehr geht es um die Frage der Besatzung des gesamten Landes Palästina, vom Fluss bis zum Meer. Dies ist die zentrale Angelegenheit aller Araber und Muslime und nicht nur die der Palästinenser.“

In seinem Dokument erläutert der PIJ seinen Plan, dieses Ziel durch „Dschihad und Widerstand gegen den zionistischen Feind [zu erreichen], mit allen Mitteln und Wegen, vor allen Dingen aber durch den bewaffneten Kampf.“ Der bewaffnete Kampf, so der Text weiter, ist die „vorrangige Methode und Strategie in unserem Kampf.“

Für alle, die es noch nicht wissen: der „bewaffnete Kampf“ ist ein Euphemismus für alle Formen des Terrorismus, einschliesslich Raketenangriffe und Selbstmordattentate. Der „bewaffnete Kampf“ bedeutet ausserdem, dass ein palästinensischer Terrorist das Haus einer jüdischen Familie stürmen und Frauen und Kinder bei der Vorbereitung des Abendessens ermorden darf.

Wir lehnen jede Form der Normalisierung mit dem israelischen Feind durch Araber oder Muslime ab

Das PIJ-Dokument, das unter den Anhängern der Gruppierung im Westjordanland und dem Gazastreifen verbreitet wurde, rühmt ausserdem Selbstmordattentate gegen Israel, indem es sie als „edelste Akte der Selbstverteidigung“ bezeichnet.

Weiterhin warnt das Schriftstück Araber und Muslime davor, die Existenzberechtigung Israels anzuerkennen oder Verbindungen, welcher Art auch immer, zu Israel zu knüpfen. „Wir lehnen jede Form der Normalisierung mit dem israelischen Feind durch Araber oder Muslime ab“, betont der Text.


Der Sprecher der palästinensischen Sicherheitskräfte, General Adnan Dumairi, sagte, dass er keine Feindseligkeiten gegenüber den Kämpfern der Hamas, des Islamischen Dschihad und der anderen in Gaza operierenden „Militärflügel“ habe. „Sie sind unsere Blutsbrüder. Wir sind Brüder, die die gleiche Geschichte, die gleichen Waffen haben. Brüder in allem“, sagte er. Das Interview mit Dumairi wurde am 11. November 2017 im TV-Sender Maan der Palästinensischen Autonomiebehörde ausgestrahlt.

Zum Abschluss offenbart das Dokument den Plan der palästinensischen Terrororganisation für „wahren Frieden“ im Nahen Osten. Dieser „wahre Frieden“ kann laut der dschihadistischen Gruppierung erreicht werden, indem Israel eliminiert wird nachdem „Palästina befreit wurde, vom Fluss bis zum Meer, und nachdem die ursprünglichen Eigentümer des Landes in ihre Häuser zurückgekehrt sind.“

Dieser völkermörderische „Friedens“-Plan scheint auch von anderen palästinensischen Terrororganisationen geteilt zu werden, wie z. B. der Hamas, der Volksfront zur Befreiung Palästinas, der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas und sogar bestimmter Teile von Abbas‘ herrschender Fatah-Fraktion.

Der Frieden, den sie anstreben, ist ein Frieden, der die totale Vernichtung Israels und die Vertreibung aller Juden aus dem Nahen Osten zur Folge haben würde. Wie die Bemerkungen Abbas‘ und des PIJ zeigen, betrachten die Palästinenser Israel nur als einen Fremdkörper, der den Arabern und Muslimen von den Leuten aus dem Westen aufgezwungen wurde und nicht etwa als Menschen, die seit über 3.000 Jahren auf diesem Grund und Boden leben.

Das PIJ-Dokument, das als „National-Charta“ der Organisation dient, ist ein bedeutsamer Text. Jedes einzelne Wort in dem Schriftstück reflektiert die wahren Gefühle auf den arabischen und islamischen Strassen, insbesondere, was die Anerkennung der Rechte und der Geschichte der Juden anbetrifft.

Dies ist ein Text, der aktuell in den Trainingslagern des Islamischen Dschihad sowie in Schulen und Moscheen gelehrt wird. Es ist ein Dokument, das dazu beitragen wird, eine weitere Generation Palästinenser mit der Glorifizierung von Terrorismus und Antisemitismus heranzuziehen.

Es ist ein Dokument, das verdient auf die Schreibtische aller Menschen im Westen zu gelangen, die uns immer noch erzählen wollen, Frieden sei möglich und Israel müsse nur weitere Zugeständnisse machen, um dieses Ziel zu erreichen.

Bassam Tawil ist Muslim und lebt als Wissenschaftler und Journalist im Nahen Osten. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute.

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