Symbolbild. Foto Eitan Elhadez/TPS
Symbolbild. Foto Eitan Elhadez/TPS
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Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet hat sechs aus Be’er Scheva stammende Männer zwischen 17 und 20 Jahren festgenommen, darunter zwei Militärangehörige. Sie werden verdächtigt, Hassverbrechen gegen Mitglieder der arabischen Gemeinschaft verübt zu haben.

von Ilana Messika/TPS

Minderheiten in der Stadt waren in den letzten Monaten vermehrt Angriffen ausgesetzt. Drei der Verdächtigen, Raz Amitzur, Koren Elkayam und Tamir Bartal, sind wegen Übergriffen mit Messern, Schlagstöcken, Metallstangen und anderen stumpfen Gegenständen in mindestens fünf Fällen angeklagt. Laut der beim zuständigen Amtsgericht in Be’er Scheva eingereichten Anklageschrift hatten die Verdächtigen die Absicht, Männer arabischer Herkunft zu verletzen, die mit jüdischen Frauen liiert waren.

Die bis dato schlimmste Attacke erfolgte in der Nacht vom 21. Februar, als ein in Israel lebender Araber auf einem Parkplatz nahe des Turner-Stadions niedergestochen wurde. Laut Polizeiangaben sollte der Angriff arabische Männer davon abhalten, Beziehungen mit Frauen jüdischer Herkunft einzugehen. In einigen Fällen trugen die Täter Kapuzenpullover, um nicht erkannt zu werden.

Die Untersuchung ergab ausserdem, dass einige der Tatverdächtigen sich mit Texten der nationalistischen Lehava-Organisation beschäftigt hatten. Ziel dieser Gruppierung ist es, der Assimilation von Juden, etwa durch persönliche oder geschäftliche Beziehungen zu nicht-Juden, vorzubeugen. Einer der Angeklagten gab an, die Organisation zu unterstützen. Er sei aber kein Mitglied.

Zwei Strafverteidiger der Rechtshilfeorganisation Honenu, Sima Kochav und Avihai Hajbi, kritisierten, dass den Verdächtigen ein Treffen mit ihren Anwälten noch Tage nach der Verhaftung verweigert worden war. Ausserdem seien weitere Grundrechte verletzt worden. Zudem habe der Schin Bet während der Vernehmung „erheblichen psychischen Druck“ ausgeübt, was zu einem Selbstmordversuch eines der Verdächtigen geführt habe.

„Wenn Juden Menschen mit arabischer Herkunft angreifen, scheinen Rechte nichts mehr wert zu sein, Verfahrensregeln werden mit den Füssen getreten, und es tauchen auf einmal neue Bestimmungen für den Polizeigewahrsam auf“, erklärte Sima Kochav.

Die Anklageerhebung fand am Sonntagnachmittag vor dem Amtsgericht in Be’er Scheva statt.

„Obwohl die kriminellen Taten der Jugendlichen scharf kritisiert werden und zurecht zur Anklage gebracht wurden, verbreitet sich unter vielen Israelis die Meinung, dass sich der Geheimdienst, gerade wenn es sich um jüdische Angeklagte handelt, mehr erlaubt als bei arabischen.“ sagte ein israelischer Sicherheitsbeamter gegenüber der Redaktion von Audiatur-Online.