Hisbollah-Verbündeter wird zum Präsidenten des Libanon

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Michel Aoun. Foto Imadmhj, CC-BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
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Das libanesische Parlament wählte am Montag einen Verbündeten der von iranischer Seite unterstützten Terrorgruppe Hisbollah zum Präsidenten des Landes, der in seiner Amtsantrittsrede sofort Israel bedrohte.

Der neue Präsident Michel Aoun ist ein standhafter Befürworter der Hisbollah und ihrer Intervention im syrischen Bürgerkrieg, um Bashar al-Assad zu unterstützen. Paul Salem, Vizepräsident für Strategie und Forschung am Middle East Institute in Washington, D.C., schrieb kürzlich in der Times of Israel: „Aouns Wahl ist ein klarer Sieg für die pro-iranische Achse in der Levante.“

In der Tat sagte Ali Akbar Velayati, ein enger Berater des Obersten Religionsführers Ali Khamenei, gegenüber der halboffiziellen iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, Aouns Wahl sei „ein grosser Triumph für die islamische Widerstandsbewegung im Libanon [Hisbollah] und für die Verbündeten und Freunde des Iran“. Sie sei „ein bedeutender Erfolg für die Hisbollah des Libanon“, die Aouns Bewerbung um die Präsidentschaft unterstützte und das politische System des Libanon systematisch blockiert hatte, um zu verhindern, dass jemand anders die Präsidentschaft erhielt. Vor Aouns Wahl am Montag hatte der Libanon seit Mai 2014 keinen Präsidenten. Al-Watan, eine Assad unterstützende Zeitung in Syrien, triumphierte: „Die Achse des Widerstands hat gewonnen.“ Die Washington Post berichtete, dass Aouns Wahlsieg „der mächtigen vom Iran unterstützten Miliz [Hisbollah] einen noch grösseren Einfluss auf libanesische Angelegenheiten ermöglicht“. Benedetta Berti, eine Analystin am Institut für nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv, sagte: „Mit dieser Wahl … wurde die Hisbollah im Hinblick auf ihre politischen Verbündeten sowie ihre Position im Libanon gestärkt.“

Aoun gelobte am Montag, „den von israelischer Seite besetzten Rest unseres Landes zu befreien“. Israel hat seine Truppen jedoch im Mai 2000 vollständig von dem libanesischen Territorium abgezogen, das es nach dem Libanonkrieg im Jahr 1982 besetzt hatte. Der vollständige Abzug der israelischen Armee wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Juni des gleichen Jahres anerkannt. Aoun bezieht sich auf ein Gebiet namens Shebaa Farms, in Israel unter dem Namen Mount Dov bekannt, das 1967 durch Israel von Syrien erobert wurde und nie als Teil des Libanon gegolten hat (Laut einem Vertreter der UN kam die UN zu dem Ergebnis, dass keinerlei Beweise zur Untermauerung des libanesischen Anspruchs auf das Gebiet vorliegen, nachdem sie 81 verschiedene Karten untersucht hatten).

Obwohl der libanesische Präsident üblicherweise eine grösstenteils zeremonielle Funktion erfüllt, wird dies bei Aoun nicht unbedingt auch der Fall sein, denn er verfügt über einen „soliden Block im Parlament, starke Unterstützung von der Hisbollah und dem Iran und einen recht grossen Einfluss auf die militärische Situation im Land“, sagte Dr. Imad Salamey, Professor für Politikwissenschaften an der Libanesisch-Amerikanischen Universität, der Daily Beast. Michel Aoun erhielt 83 von 127 abgegebenen Stimmen im Parlament.

Der 81-jährige Aoun, ein ehemaliger General, war ein Befehlshaber der Armee und Kriegsfürst im blutigen Bürgerkrieg des Libanon. Unter seinen Befehlen kämpfende Truppen versuchten, die damals den Libanon besetzenden syrischen Truppen aus dem Land zu treiben. Der im libanesischen Präsidentenpalast in Baabda verschanzte Aoun floh 1990 nach Frankreich, als die syrische Luftwaffe den Palast bombardierte, und kehrte erst 2005 in den Libanon zurück. Im darauffolgenden Jahr besuchte er Damaskus, um sich mit der syrischen Armee zu versöhnen und eine Allianz mit der Hisbollah zu bilden.

Quellen: The Times of Israel, The Israel Project (TIP), Agenturen

1 KOMMENTAR

  1. Immer das Gleiche: Übelgelaunte alte Männer wollen sich vor ihrem Abgang bei der Welt nochmal mit ihren abgründigen Seiten in Erinnerung bringen.

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