Solidarität aus dem Irak. Foto Facebook
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Solidarität mit dem jüdischen Staat in Saudi-Arabien, Ägypten oder dem Irak? Doch, das gibt es. Ein arabisch-israelischer Soldat hat es im Zuge einer ungewöhnlichen Internet-Kampagne erfahren – anhand sehr persönlicher Zeugnisse.

Bei nicht wenigen jungen Araberinnen und Arabern scheint sich das Bild, das sie von Israel haben, allmählich zu verändern. Diese durchaus überraschende Erkenntnis ergibt sich nicht zuletzt aus einer aktuellen Umfrage unter 3.500 arabischen Frauen und Männern im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in 16 arabischen Ländern. Demnach geht die Zahl derjenigen, die den jüdischen Staat wie gewohnt für die Wurzel allen Übels halten, beständig zurück. Die jungen Menschen in diesen Ländern beschäftigen inzwischen ganz andere Probleme, die mit Israel nichts zu tun haben, vor allem der Vormarsch des «Islamischen Staates», der Terrorismus und die Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig entwickeln sie immer mehr Sympathien für westliche Staaten, beispielsweise für die USA, Frankreich und Grossbritannien.

Und auch Israel wird zunehmend positiv gesehen, ganz anders, als es die Propaganda in den arabischen Ländern will. Von in dieser Hinsicht besonders bemerkenswerten Äusserungen berichtet der Radiosender Arutz Sheva auf seiner Website. Ein arabischer Israeli, der als Soldat seinen Dienst bei der israelischen Armee (Zahal) versieht, hatte sich über eine Kampagne radikaler arabischer Parteien geärgert. In dieser Kampagne mit dem Titel «Die Zahal ist es nicht wert» werden arabische Israelis dazu aufgerufen, sich nicht den israelischen Streitkräften anzuschliessen. Er habe entsprechende Schilder in arabischen Dörfern gesehen und die dazugehörige Facebook-Seite verfolgt, sagte der Soldat, der aus Sicherheitsgründen nur als «M.» firmiert, zum amerikanischen Webportal Al-Monitor.

Auf dem zentralen Platz von Shfaram, einer arabischen Stadt im Norden Israels, seien Aktivisten «mit Bauschutt aufgetaucht, der angeblich aus Gaza stammt», wie M. berichtet. «Ihre Botschaft war: ‹Schaut mal, was die Armee, die euch anwirbt, gerade im Gazastreifen macht›.» Manche Aktivisten hätten sogar ihre Gesichter rot angemalt, als wären sie schwer verletzt, und eindringlich versucht, ihren Aufruf an junge Beduinen, Drusen, Christen und Muslimen loszuwerden. «Ich habe mich dann entschlossen, ihnen auf Facebook zu antworten, und dazu eine Gegenkampagne mit dem Titel ‹Die Zahal ist es wert› gestartet», so M. weiter. Daraufhin erhielt er zahlreiche sehr persönliche Fotos, Videos und Texte von jungen Menschen aus dem gesamten arabischen Raum. «Da fiel mir die Kinnlade herunter», beschreibt er seine Reaktion.

So schickte ihm beispielsweise ein Mann aus Bagdad ein selbstgedrehtes Video, in dem er beteuerte: «Ich werde immer an der Seite Israels sein, an der Seite seiner Bevölkerung und seiner Armee, und ich werde alles dafür tun, um meinen Bekannten das wirkliche Israel zu zeigen.» Auf die Frage, woher seine Unterstützung für den jüdischen Staat komme, antwortete der Mann: «Es wird dich überraschen, aber hier denken viele junge Menschen wie ich. Mit nichts von dem, was uns im Irak passiert – die Morde, der Terrorismus, die schlimmen Blutbäder – hat Israel irgendetwas zu tun. Es gibt viele junge Iraker, die keiner Religion angehören. Sie haben die Nase voll von den religiösen Kriegen zwischen Sunniten und Schiiten und wünschen sich ein Leben ohne Religion.»

Einen weiteren Videoclip erhielt M. von einer Frau aus Saudi-Arabien, die darin sagt: «Ich möchte eine Botschaft des Friedens und der Liebe an Israel und seine Bürger schicken. Ich weiss, es ist überraschend, dass eine solche Botschaft von einer saudi-arabischen Bürgerin kommt, aber es ist ein Grundprinzip der Demokratie, dass jeder frei ist, seine Meinung zu sagen. Ich hoffe, dass die Araber so vernünftig sind wie ich und anerkennen, dass auch Israel Rechte am Heiligen Land hat.» M. bekam zudem Dutzende von Fotos, darunter auch das eines ägyptischen Polizisten, der neben seine Polizeimütze den Satz «Wir lieben, lieben, lieben Israel und seine Armee» geschrieben hatte. Viele dieser Zusendungen hat M., soweit sie für die Öffentlichkeit bestimmt waren, auf Facebook publiziert.

Sein Projekt sei nicht zuletzt von einer koptischen Christin inspiriert worden, die wegen der Verfolgung dieser Minderheit durch die muslimische Mehrheit aus Ägypten geflohen sei, erzählt M. «Ich habe schnell herausgefunden, dass sie auch Hebräisch spricht», sagt er, «wie so viele junge Menschen, die diese Sprache an der Universität in Kairo studiert haben». Deshalb habe er sie gefragt, ob sie ihre Botschaft nicht verbreiten möchte, damit die Menschen in anderen Ländern sehen, dass es auch andere Stimmen im Nahen Osten gibt. «Sie hat mir dann ein Foto von ihrem Pass geschickt», so M., «und kurz darauf bekam ich Bilder mit Reisepässen aus der gesamten arabischen Welt». Diese Zusendungen seien beeindruckend – und, wie M. vermutet und hofft, «nur die Spitze des Eisbergs».

Originalbeitrag von Ari Soffer via Arutz Sheva. Zusammenfassung und Übersetzung: Alex Feuerherdt