Leila Khaled. Foto BDS South Africa/Facebook
Leila Khaled. Foto BDS South Africa/Facebook

Wenn man noch einen letzten Hinweis darauf brauchte, dass Europa immer weiter vom Kurs abkommt, dann war dies der Auftritt der verurteilten palästinensischen Terroristin Leila Khaled letzte Woche im Europaparlament.

von Daniel S. Mariaschin, The Algemeiner

Khaled, ein führendes Mitglied der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), war an einer Reihe von Flugzeug-Entführungen in den Jahren 1969 und 1970 beteiligt, darunter insbesondere der eines TWA-Flugs von Rom nach Athen und Tel Aviv sowie eines Flugs der El Al von Amsterdam nach New York.

„Die Ziele der PFLP waren ausnahmslos Zivilisten“

Die von George Habash angeführte PFLP trug zur Erfindung des modernen Terrorismus bei. Auf ihrer Liste stehen so viele Entführungen, Bombenanschläge (Selbstmord- und andere), Schüsse aus vorbeifahrenden Autos und Geiselnahmen, dass man damit ein ganzes Regal füllen könnte. Sie schloss sich mit gleichgesinnten Organisationen zusammen, wie etwa der Japanischen Roten Armee und der kolumbianischen Guerillarmee FARC, und trotz ihrer marxistischen Orientierung ging sie auch eine Beziehung zum grössten Terrorismus-Unterstützer unserer Zeit ein – dem theokratischen Iran. Die Ziele der PFLP waren ausnahmslos Zivilisten: so zum Beispiel überfielen 2014 Mitglieder der Organisation Gläubige in einer Jerusalemer Synagoge mit Äxten und Messern, wobei sie vier Menschen töteten und sieben weitere verletzten.

Die PFLP wird seit 2012 auf der Terrorliste der Europäischen Union geführt (Jahrzehnte nach der Gründung der Organisation). Und dennoch war Khaled letzte Woche Gastrednerin bei einem Programm des Europäischen Parlaments mit dem Titel „Die Rolle der Frau im palästinensischen Volkswiderstand“. Khaled erhielt zwei Minuten lang stehende Ovationen, denen diese Einführung vorausgegangen war: „Hier unter uns … befindet sich eine lebende Legende, die wir durchaus als Che Guevara Palästinas bezeichnen können, Leila Khaled.“ Der ebenfalls anwesende venezolanische Botschafter wurde als ein „Ehrengast“ vorgestellt.

In Khaleds Rede ging es jedoch nicht um Ermächtigung und Chancen. Vielmehr war sie ein durchgehender Sermon, gespickt mit bewährten palästinensischen Falschbehauptungen über den Zionismus – und die Juden.

Auschwitz vergleichbar mit Gaza

„Der Holocaust“, so sagte sie, „schmerzt nur die Juden. Sie haben den Schmerz monopolisiert und spielen die Rolle von Opfern … Finden Sie nicht auch, dass das, was in Auschwitz geschah, vergleichbar ist mit dem, was heute in Gaza geschieht?“

Die zionistische Bewegung, so erklärte sie, „schliesst sich mit allen Kapitalisten der Welt zusammen“, und weiter fügte sie hinzu, dass „sie [die Zionisten] in den kommenden 100 Jahren so weit sein werden, dass sie die Weltwirtschaft beherrschen.“

Khaled wiederholte sogar die abgenutzte Phrase, die sie als „Freiheitskämpferin“ beschreibt – eine Bezeichnung, die häufig benutzt wird, um die gewaltsamen Handlungen von Terroristen wie Khaled und ihresgleichen von der PFLP und ähnlichen Organisationen zu entschuldigen, zu erklären oder zu rechtfertigen.

In einer Zeit, in der die Städte Europas zunehmend dem Ansturm diverser Selbstmordattentäter und Terroristen ausgesetzt sind, die mit Fahrzeugen und Messern Menschen attackieren, fragt man sich: Warum gab man Khaled – einer Inspiration für alle, die solche Taten ausführen – eine mit der Europäischen Union verbundene Plattform, um lauthals derartigen Hass zu verbreiten?

Die Versammlung, vor der sie sprach, wurde von einem im äusseren linken Spektrum verorteten Zusammenschluss von Parlamentsparteien organisiert. Laut eines Berichts schwärmte Martina Anderson, eine Repräsentantin der irischen Sinn Féin, in einem Tweet über die „fantastische Beteiligung“ bei dem Event. „Lang lebe die internationale Solidarität“, schrieb sie.

Man fragt sich, „Solidarität“ wofür? Khaleds Auftritt, einschliesslich ihrer Tirade über die Kontrolle der Weltwirtschaft durch „rassistische“ Zionisten, „die sich die Rolle von Opfern angeeignet haben … ausschliesslich für sich alleine und rund um den Globus“, war nichts weiter, als die Präsentation eines ablehnenden palästinensischen Narrativs voller Hass und Antisemitismus.

Das Europäische Parlament ist jedoch nicht die einzige Plattform, auf der diese Art von Benehmen zu Tage tritt, sie ist nur die aktuellste. Organisationen der Vereinten Nationen, wie etwa der Menschenrechtsrat und die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) und sogar die Weltgesundheitsorganisation, versuchen mit grosser Regelmässigkeit, die jüdische Geschichte zu leugnen, zu verharmlosen oder umzuschreiben, um dem auch von Khaled verbreiteten Narrativ zu entsprechen.

Die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen), die ebenfalls mit dieser Weltsicht konform geht, ist darauf spezialisiert, Israel mit dem Südafrika der Apartheid-Ära zu vergleichen und die israelischen Behörden der ethnischen Säuberung zu bezichtigen.

Die Khaled-Veranstaltung im Europaparlament war für aufmerksame Leser des Wochenplans des internationalen Gremiums nichts Geheimes oder Unbekanntes. Irgendjemand hatte eine Entscheidung getroffen und die Aufnahme der Veranstaltung in den Terminplan genehmigt.

Um fair zu sein, muss allerdings gesagt werden, dass es auch einige Parlamentsmitglieder gab, die sich gegen Khaleds Auftritt in Brüssel ausgesprochen hatten, wie etwa der Koordinator der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus.

Und doch, bei so vielen EU-Regierungschefs und anderen Offiziellen, die alle über die Notwendigkeit reden, die wachsende Bedrohung durch den Terrorismus auf dem Kontinent zu besiegen, fragt man sich, wo sind die Stimmen, die ihre Empörung darüber kundtun, dass eine verurteilte Terroristin – die nach wie vor ein „Mitglied des Politbüros“ einer der tödlichsten Terrororganisation ist – eingeladen wird, um bei einer der zentralen Institutionen der EU zu sprechen?

„Haben sie denn keine Selbstachtung?“

Bei dem Versuch, dies zu erklären, drängen sich einem neben simpler politischer Korrektheit auch Worte wie „Heuchelei“ und „Gleichgültigkeit“ auf. Es ist jedoch mehr als das: Haben die Menschen, die Führungspositionen in Brüssel bekleiden, aus der von Khaled und ihren Zeitgenossen sowie heute von Hisbollah, Hamas und IS verbreiteten jahrzehntelangen Gewalt nichts gelernt? Und wenn schon das nicht der Fall ist, haben sie denn keine Selbstachtung?

Die jüngste Liste der Terroranschläge in Europa ist lang und wird immer länger. In der Europäischen Union mögen viele nur ein kurzes Erinnerungsvermögen haben, bei den Familien der Opfer in Paris, Nizza, London, Brüssel, Kopenhagen und so vielen anderen Orten ist dies jedoch anders.

Die Bürger eines vereinten Europas haben etwas Besseres verdient.

Diesen Beitrag teilen
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  • nussknacker56

    Es sind solche Fälle, die demokratische Institutionen nachhaltig unterminieren und sie ihrer moralischen Substanz berauben. Hier wird der Vertreterin einer mörderischen Organisation eine Bühne gegeben, ohne dass sich nennenswerter Protest zeigt.

    Die größte Gefahr für eine stabile Demokratie und für die kontinuierliche Behebung von Missständen ist nicht etwa die hysterisch überbewertete AfD (zumindest bis dato) sondern es sind die Faschisten von links (wie der GUE/NGL) und die bis über die politische Mitte hinaus reichenden Liebhaber/innen von totalitären und zutiefst menschenverachtenden Bewegungen.

    Für die nächste Generation der „willigen Vollstrecker“ ist ein Zitat wie auf den Leib geschrieben, welches dem italienischen Schriftsteller Ignazio Silone zugeschrieben wird – auch wenn diese Quellenangabe umstritten ist:

    „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.“