Kritiker Israels beschweren sich immer darüber, Israels Sicherheitscheckpoints seien für die palästinensischen Araber beschwerlich oder gar demütigend. Letzte Woche wurde wieder einmal ein mit Sprengkörper beladener Palästinenser, der versucht hatte einen Checkpoint zu passieren, geschnappt, bevor er irgendjemanden ermorden konnte.

von Stephen M. Flatow

Mir für meinen Teil sind an jedem Tag der Woche Palästinenser, die einer Unbequemlichkeit ausgesetzt sind, lieber als tote Juden.

Der verhinderte Mörder hatte in der Nähe des Dorfs Salem versucht, durch den Checkpoint zu gelangen. 26 von Israels 27 Checkpoints sind Grenzübergänge. Ihr Zweck ist es, sicherzustellen, dass Nicht-Israelis, die nach Israel einreisen, keinerlei Bomben, Schuss- oder sonstige Waffen mit sich führen. Jedes normale Land der Welt überprüft Ausländer, die einreisen wollen.

In diesem Fall trug der fragliche junge palästinensische Mann zwei Rohrbomben. Vielleicht musste er lange Schlange stehen. Vielleicht war es an diesem Tag heiss. Vielleicht fand er es „demütigend“, durch einen Metalldetektor gehen zu müssen. Nun, wer hätte das gedacht: Der Metalldetektor erkannte, dass er zwei Rohrbomben mit sich führte.

Wenn es keine Checkpoints gäbe, wäre er in der Lage gewesen, jene Bomben durch die Fenster eines israelischen Kindergartens zu werfen. Oder sie in einem Supermarkt zu platzieren. Oder sie in einem überfüllten Bus in der Innenstadt hochgehen zu lassen.

Darum bin ich froh, dass er erwischt wurde, selbst wenn das bedeutet hat, dass einige Leute Schlange stehen mussten, um durch den Checkpoint zu kommen.

Wenn ein Palästinenser mit einer Bombe geschnappt wird, bevor er irgendjemanden ermorden kann, dann macht das keine grossen Schlagzeilen. Der jüngste Vorfall wird in den meisten Nachrichtenorganen höchstens beiläufig erwähnt, wenn überhaupt. Dabei kam übrigens durch den Bericht ein gleichartiger Vorfall ans Licht, der sich kurz zuvor ereignet hatte, und über den bis dahin gar nicht berichtet worden war: An genau demselben Checkpoint war ein anderer Palästinenser ebenfalls mit einer Rohrbombe geschnappt worden.

Diese Beinaheanschläge sind uninteressant für Reporter wie etwa William Booth, Leiter des Jerusalemer Büros der „Washington Post“. Zwei Tage vor der Festnahme am Checkpoint Salem hatte Booth in dem Blatt einen langen Feuilleton-Artikel über all die Mühsal des Passierens von Checkpoints veröffentlicht und darüber, wie die Checkpoints den Palästinensern das Gefühl geben, „dass das Leben verzweifelt und hässlich ist“.

Ich bin anderer Ansicht. Ich meine, dass es das palästinensische Bombenwerfen ist, das die Dinge hässlich macht.

„Stellen Sie sich darauf ein, durchsucht zu werden. Gründlich.“

Booth schrieb den Artikel gemeinsam mit einem palästinensisch-arabischen Journalisten namens Sufian Taha. Man muss im Internet nicht lange suchen, um herauszufinden, dass Taha die Art von „Reporter“ ist, die ihre Ansichten an den Manschetten tragen.

So fand ich z.B. einen Tweet, den er geschrieben hat, als eine israelische Spezialeinheit gerade ein palästinensisches Krankenhaus durchsucht hatte, um einen auf der Flucht befindlichen Terroristen zu fangen. „Ich komme nicht über das gesehene Blut hinweg, überall im Krankenhauszimmer“, twitterte Taha. Offenbar hat er keine Probleme damit, über die Tatsache „hinwegzukommen“, dass das Krankenhaus einem Mörder Unterschlupf geboten hatte.

Doch das Ironischste an Sufian Taha, das ich gefunden habe, war ein Blogeintrag von Michael J. Totten vom „World Affairs Journal“, in dem dieser eben jenen Tag schildert, an dem er und Taha den Kalandiya-Checkpoint bei Jerusalem passiert haben.

Totten fragte Taha, was er wohl glaube, wie lange es dauern werde, den Checkpoint zu passieren. „Manchmal dauert es Minuten, manchmal Stunden. Es hängt von der Sicherheitslage ab und davon, wie gross der Andrang ist“, erwiderte Taha.

„Diesmal dauerte es am Checkpoint nur Minuten“, berichtete Totten. „Meine Erfahrung am Checkpoint war flott und erfreulich.“

Doch Booth und Taha wollen die Leser der „Washington Post“ glauben machen, dass es normalerweise Stunden dauere und eine schlimme Erfahrung sei. Sie wollen, dass wir Mitleid mit den palästinensischen Reisenden empfinden.

Ich tue das ganz sicher nicht. Wenn Sie in ein anderes Land einreisen wollen, dürfen Sie nicht erwarten, einen roten Teppich ausgerollt und ein Pfefferminzbonbon aufs Kopfkissen gelegt zu bekommen. Manchmal ist die Erfahrung „flott und erfreulich“. Ein andermal nicht. Stellen Sie sich darauf ein, durchsucht zu werden. Gründlich.

Denn israelische Kinder am Leben zu halten, ist wichtiger als Ihr enger Terminkalender.

Stephen M. Flatow, ist ein Anwalt in New Jersey und der Vater von Alisa Flatow. Alisa Flatow (5. Oktober 1974 – 10. April 1995) war eine amerikanisch jüdische Studentin, die bei einem islamistischen Selbstmordattentat auf einen Bus getötet wurde. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Jewish Press.

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