Macron hat recht: Der Islamo-Linksradikalismus ist eine Bedrohung

Lesezeit: 6 Minuten

Es begann mit einer Enthauptung. Im vergangenen Oktober ermordete der 18-jährige tschetschenische Flüchtling Abdullakh Anzorov mit einem Beil den Geschichtslehrer Samuel Paty auf der Strasse eines Pariser Vororts. Patys Vergehen: In einer Klassendiskussion über Meinungsfreiheit hatte er seinen Schülern eine Karikatur des islamischen Propheten Mohammed gezeigt. Die Polizei erschoss Patys Attentäter kurz nach dem Anschlag.

von Abigail R. Esman

In Folge verteidigte der französische Präsident Emmanuel Macron mit Nachdruck die Leitprinzipien der Nation – Säkularität und freie Meinungsäusserung – und andere westliche Nationen drückten ihr Entsetzen über die Tötung und ihre unerschütterliche Unterstützung für Frankreich aus.

Doch nur drei Monate später begann sich alles zu ändern.

Als Frankreich begann, über neue Gesetze zur Bekämpfung des Islamismus oder der konservativen, politischen Variante des Islam zu debattieren, zogen sich die Verbündeten zurück, weil sie befürchteten, dass Macrons Massnahmen zu hart seien, dass sie «Islamophobie» im Namen der Aufklärung fördern.

Jetzt sieht sich Macron sogar noch mehr Kritik für seinen neuesten Vorschlag ausgesetzt: Eine Kampagne gegen das, was er und andere als «Islamo-Gauchisme» oder «Islamo-Linksradikalismus» bezeichnen, eine Komplizenschaft mancher Linken mit dem islamistischen Fundamentalismus, die eine gefährliche Perspektive und eine Form der «Auslöschungskultur», die zum Teil von amerikanischen Universitäten übernommen wurde, nach Frankreich bringt. Die Debatte erreichte im Februar einen neuen Höhepunkt, als die französische Ministerin für Hochschulbildung, Frédérique Vidal, eine Untersuchung über den Einfluss des – wie sie es nannte – «militanten» islamo-linken Aktivismus in französischen akademischen Kreisen forderte.

Die Gegenreaktion gegen die Kampagne war schnell und heftig und führte zu feindseligen Reaktionen im In- und Ausland. Die französische Tageszeitung Le Monde bezeichnete den Begriff «Islamo-Gauchisme» als «gefährlich». Frankreichs Konferenz der Universitätspräsidenten nannte das Konzept einen «Pseudo-Begriff, der von der extremen Rechten populär gemacht wurde». Die New York Times, beschreibt «Islamo-Gauchisme» als einen Begriff, «der von konservativen und rechtsextremen Figuren … gegen diejenigen verwendet wird, denen sie vorwerfen, nachgiebig gegenüber dem Islamismus zu sein und sich stattdessen auf Islamophobie zu konzentrieren». Und ein Soziologe am Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung des Landes, das Vidal mit der Untersuchung beauftragt hat, sagte der Times, dass der Begriff «Islamo- Gauchisme» darauf abziele, Debatten über Rasse zu «delegitimieren», um sie zu verhindern.

Aber Macron hat recht.

Und es sind nicht nur «Rechtsextreme», die so denken: Der liberale Demokrat Macron tut es sowie unzählige andere, die besorgt sind über den Vermischung von linksextremer «Opferkultur» und die Opfermentalität der radikalen Islamisten, mit der sie muslimische Jugendliche rekrutieren und radikalisieren.

Tatsächlich beobachtete der britisch-pakistanische Anti-Terrorismus-Experte Maajid Nawaz bereits 2015 auf der Website Daily Beast: «Britische Muslime werden mit regressiven linken ‹Beruhigungsmitteln› gefüttert, die einen andauernden Zustand der Opferrolle fördern, um ihre kleinlichen ideologischen Angriffe gegen ‹den Westen› zu machen. Im Namen der kulturellen Vielfalt werden Bestrebungen unterdrückt, Erwartungen gedämpft und weil Muslime ihre ‹eigene Kultur› haben, gedeihen Parallelgesellschaften und Ghettoisierung …»

Obwohl Nawaz von Muslimen im Allgemeinen sprach, konzentrieren sich Macrons Bemühungen auf die Mittel, mit denen Islamisten diese Opferrolle ausnutzen und auf die Art und Weise, wie die extreme Linke, wenn auch unwissentlich, ihnen in die Hände spielt. Die Allianz zwischen den beiden Gruppen zeigt sich – wie Macron anmerkt – in den oft gewalttätigen Protesten gegen pro-israelische Redner an Universitäten in den Vereinigten Staaten, in der antisemitischen Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionsbewegung (BDS), die bei der extremen Linken und insbesondere bei linken Studentengruppen beliebt ist und in den anti-israelischen Allianzen der sogenannten «Squad» im US-Repräsentantenhaus, angeführt von der linksextremen Aktivistin und Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez (New York) und der in Somalia geborenen Ilhan Omar (Minnesota).

«Wear a Hijab Day»

Diese Allianz zeigt sich auch in der regelmässigen Verteidigung von frauenfeindlichen Elementen des konservativen Islams, wie Burka und Hijab, durch Mitglieder der extremen Linken, mit Veranstaltungen wie dem «Wear a Hijab Day», der organisiert wird, um verhüllte Frauen zu «unterstützen» – während es versäumt wird, eine ähnliche Veranstaltung zu schaffen, die jene Frauen unterstützt, die ihr Leben riskieren, indem sie sich weigern, einen Hijab zu tragen.

Als Gegenmassnahme und um diese Frauen zu ehren, hat die kanadische Ex-Muslimin Yasmine Mohammed den «No Hijab Day», eine jährliche Veranstaltung am 1. Februar, ins Leben gerufen.

«Es gibt eine natürliche Angst unter Europas Linken, dass die Herausforderung des islamistischen Extremismus nur Europas extremer Rechten helfen kann», erklärt Nawaz in seinem Leitartikel auf Daily Beast. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Die übertriebene Anteilnahme linksextremer Aktivisten trägt massgeblich dazu bei, dass in konservativen muslimischen Familien Missbrauch begangen wird. Man denke an den deutschen Richter, der einer muslimischen Frau die Scheidung von ihrem gewalttätigen Ehemann verweigerte, weil sie, so der Richter, «aus einem marokkanischen Kulturkreis stamme, in dem es nicht unüblich ist, dass ein Mann ein Recht auf körperliche Züchtigung gegenüber seiner Frau ausübt». Diese Angst schürt auch den Zorn weisser Rassisten. Linke Gruppen, die islamistische Bestrebungen gegen die Assimilation in Europa unterstützen, haben Kampagnen unterstützt, um Weihnachtsfeiern abzuschaffen, Schweinefleisch aus dem Schulkantinen zu entfernen und Kunstausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen zu schliessen. Und es waren linksextreme Gruppen, die sich nach Patys Mord islamistischen Demonstranten anschlossen und die Prinzipien der Redefreiheit in Frage stellten. All das gibt weissen Rassisten Futter für ihre Kampagnen und ergänzt ihre Argumente, dass die Muslime die westliche Kultur zerstören.

Andere Allianzen zwischen radikalen Muslimen und radikalen Linken haben dazu beigetragen, den Antisemitismus in Europa zu schüren. In einer Umfrage von 2018 unter europäischen Juden, die Antisemitismus erlebt haben, gaben 30 Prozent der Opfer an, dass der Täter «ein extremistischer Muslim» war, und 21 Prozent sagten, es sei jemand von der extremen Linken gewesen. Rechtsextreme und neonazistische Gruppen waren dagegen nur für 13 Prozent der gemeldeten antisemitischen Vorfälle verantwortlich.

Dennoch: Wenn islamistische und linksextreme Anti-Israel-Gruppen Israel anprangern, um die Freiheit der Palästinenser zu verteidigen und ihre antijüdischen Verschwörungstheorien zu verbreiten, bestärken sie den andauernden globalen Krieg weisser Rassisten und Neonazis gegen die Juden.

Fairerweise muss man sagen, dass Macrons Position nicht fehlerfrei ist. Einige Kritiker haben zum Beispiel zu Recht den Begriff «Islamo-Gauchisme» in Frage gestellt und angemerkt, dass er nicht zwischen dem Islam oder den Muslimen im Allgemeinen und dem Islamismus unterscheidet, der laut dem Bericht der 9/11-US-Kommission 2001 als «eine militante, antidemokratische islamische Bewegung, die eine ganzheitliche Vision des Islam vertritt, deren Endziel die Wiederherstellung des Kalifats ist» definiert wird.

Aber dieses Argument, selbst wenn es gerechtfertigt wäre, verkennt den grösseren Zusammenhang: Dass radikalisierte linke und islamistische Gruppen, die synchron agieren, weisse Rassisten mobilisieren. Und während die einen gegen die anderen antreten und immer hitzigere Schlachten in einem sich endlos verschärfenden Krieg anzetteln, ist es die Demokratie selbst, die leidet, die geschwächt wird, die Demokratie selbst, die – wenn wir nicht vorsichtig sind – zerfallen wird.

Abigail R. Esman ist freie Autorin und lebt in New York und den Niederlanden. Sie ist die Autorin von «Radical State: How Jihad Is Winning Over Democracy in the West» (Praeger, 2010). Ihr Buch «Rage: Narcissism, Patriarchy, and the Culture of Terrorism» ist im Oktober 2020 bei Potomac Books erschienen. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Investigative Project on Terrorism (IPT). Übersetzung Audiatur-Online.

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