Israelische Sicherheitskräfte an der Stelle, an der am 8. August 2019 die Leiche des nicht uniformierten israelischen Soldaten Dvir Sorek tot mit Stichwunden augefunden wurde. Foto Gershon Elinson/Flash90
Israelische Sicherheitskräfte an der Stelle, an der am 8. August 2019 die Leiche des nicht uniformierten israelischen Soldaten Dvir Sorek tot mit Stichwunden augefunden wurde. Foto Gershon Elinson/Flash90
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In Gusch Etzion ist am Donnerstagmorgen ein seit Mittwoch vermisster israelischer Soldat aus Ofra leblos am Strassenrand gefunden worden. Er wurde mit mehreren Messerstichen ermordet. Die Behörden betrachten den Mord als Terroranschlag. Das Militär ist in das arabische Dorf Beth Fadschar eingedrungen, um nach den Tätern zu suchen.

 

In Israel ist gerade Wahlkampf, sodass die Parteien sich gegenseitig die „Schuld“ für den Anschlag zuschieben. Benny Ganz von der Blau-Weiss Oppositionspartei wirft dem Premierminister Benjamin Netanjahu vor, die Abschreckung gegen die Hamas-Organisation spürbar geschwächt zu haben.

July Edelstein von der Likudpartei und Knessetvorsitzender empfahl, umgehend die israelisch kontrollierten Gebiete im Westjordanland zu annektieren. Avigdor Liberman, von der russischen Oppositionspartei, der Netanjahus Regierung zu Fall gebracht und so zu den Neuwahlen geführt hatte, forderte erneut einen „tödlichen Schlag“ gegen die Hamas im Gazastreifen, der dieser Anschlag nachgesagt wird.

Staatspräsident Reuven Rivlin sprach der Familie sein Mitgefühl aus und erklärte: „Wir werden nicht ruhen, bis wir die Täter gefunden haben.

Dieser jüngste Anschlag wurde auf einer der stets mit Sicherheitskameras gefilmten Durchgangsstrassen ausgeführt. Trotz eines Veröffentlichungsverbots der Sicherheitskräfte ist durchgesickert, dass der ermordete ein 19 Jahre alter Soldat und Talmudschüler war. Er hiess Dvir Sorek und war von den Terroristen offenbar in ein Auto geladen und dann erstochen am Strassenrand abgeladen worden sei. Die Sicherheitskräfte vermuten eine „gescheiterte Entführung“.

Eine Frau aus Ofra, Orli Goldband, erzählte im Rundfunkt, dass die Familie des Ermordeten in Ofra sehr prominent sei. Der Grossvater des Soldaten sei im Jahr 2000 ebenfalls einem Terroranschlag zu Opfer gefallen.

Der Soldat sei nach Jerusalem gefahren, um Bibeln als Abschiedsgeschenk für einen Rabbiner zu kaufen. Als er am Mittwoch nicht heimkam, haben ihn seine Angehörigen als „vermisst“ gemeldet, woraufhin eine umfassende Suche nach ihm gestartet worden sei. Militärsprecher Ronen Manelis erklärte, dass es sich mutmasslich um eine Terrorzelle handle, die den Soldaten mit einem Fahrzeug entführen wollte.

Der Anschlag ereignete sich fast genau fünf Jahre später und nur wenige hundert Meter vom Ort der Entführung der drei israelischen Jugendlichen Gilad Shaar, Naftali Frankel und Eyal Yifrach entfernt, die in der Nacht zum 12. Juni 2014 auf dem Heimweg von der Schule in Gush Etzion waren, als sie entführt und ermordet wurden.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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