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Im Februar nahmen über 3.000 Menschen aus unterschiedlichster Herkunft und aus verschiedenen sozialen Schichten am Musik-Projekt „Koolulam“ teil, das diesmal in Haifa stattfand und das Lied „One Day“ des US- Amerikanisch-Jüdischen Reggae Sängers „Matisyahu“ in drei Sprachen aufführte.

 

Seit dem „Koolulam“ (ein hebräisches Wortspiel aus den Ausdrücken „die ganze Welt“„alle“ und „Stimme“) als soziales Projekt zum ersten Mal Ende letzten Jahres öffentlich bekannt wurde und dabei sofort die Herzen des Landes eroberte, traten die sogenannten „Poesie-Künstler“ Mitte Februar bei ihrer ersten grösseren Veranstaltung in Haifa auf: 3.000 Menschen versammelten sich im alten Hangar von Haifa und führten nur kurze Proben durch um schliesslich das Lied „One Day“ des US- amerikanischen Musikers Matisyahu mehrstimmig zu singen.

Das Massenprojekt „Koolulam“, welches die sozialen Medien mit einer Mischung aus israelischen und internationalen Liedern stürmte, darunter unter anderem mit dem Hit von Amir Dadon „Big Light,” oder aber auch „Believer“ von den Imagine Dragons,“ „Believe in the world“ von Avraham Tal, sowie viele andere, entschied sich diesmal nach Haifa mit dem Lied „One Day“ zu kommen. „Gemeinsam wollen wir einen Blick in die Zukunft werfen und sehnen den Tag der Veränderung herbei. Und hoffentlich ist dieser Tag näher als je zuvor,“ erzählt Ori Teicher, der Direktor des spannenden Projekts.

„Koolulam“ ist eine sozial-musikalische Initiative, deren Ziel es ist, Menschen aus allen Teilen der vielfältigen multikulturellen israelischen Gesellschaft zusammenzubringen. Ihre spontanen Veranstaltungen laden dazu ein, sich für ein paar Stunden zu versammeln und einfach zusammen zu singen. Egal ob jung oder alt, Araber, oder Jude, Mann oder Frau. Das Projekt ermöglicht seinen Teilnehmern, das Gefühl der Zusammengehörigkeit durch ein tiefes Gemeinschaftserlebnis zu geniessen – dessen Klänge und Stimmen sich zu einem sozialen Chor voller Hoffnung und Optimismus verbinden.

„Koolulam“ machte Ende des vergangenen Jahres, im Dezember 2017, das erste Mal von sich Reden, als der beliebte Armee-Radio Musiksender „Galgalatz“ das Jahr mit einem Paukenschlag beenden wollte. Zu diesem Zweck engagierte sie die soziale Musikinitiative „Koolulam“ sowie die israelische Nichtregierungsorganisation „SHEKEL“, die sich besonders für Menschen mit verschiedenen Behinderungen einsetzt. Zusammen mit über 600 Menschen sangen sie eine unvergessliche Version des Imagine Dragons-Hits „Believer.” Der Clip, der gleich danach online zu sehen war, wurde innerhalb einiger Tage bereits von mehr als 500.000 Menschen gesehen.

Für ein paar Stunden alles stoppen

„Unsere Idee ist, für ein paar Stunden alles zu stoppen und einfach zusammen zu singen. Durch die Klänge wird ein gemeinsamer Chor aus Hoffnung und Optimismus entstehen“, heisst es in einer Erklärung von Koolulam. Ariel Nevo, der Direktor von SHEKEL erzählt, dass jeder gebeten wurde, mit der jeweiligen Person zu seiner Linken ins Gespräch zu kommen: „Ich beobachtete, wie eine lebhafte Unterhaltung zwischen einer behinderten Person von „SHEKEL“ und einer anderen Sängerin stattfand . Ich sah die echte menschliche Verbindung – wie sie heute selten zwischen Menschen mit und solchen ohne Behinderung anzutreffen ist – die zwischen ihnen entstand. Es war beispielhaft für alle Werte für die „SHEKEL“ steht und sich auch einsetzt. Wirklich für mich sehr ergreifend“ und fügt noch hinzu, dass „alle lächelten, scherzten und lachten. Es war eine intensive Erfahrung, sehr emotional und sehr bewegend.“

Doch selbst die US- amerikanische Rockband aus Las Vegas war von der Darbietung ihres Songs so sehr bewegt, das sie den Clip auf ihrer Facebook-Seite mit dem Hinweis posteten: „Dieser Chor, bestehend aus 600 Menschen, die unser Lied ‚Believer‘ sangen, hat uns heute Morgen bei Betrachtung dieses Clips total umgehauen und beeindruckt. So viel Leidenschaft.“

In Haifa hat sich das jüdisch-arabische Kulturzentrum „Beit Hagefen“ mit der Stadtverwaltung im Sommer zusammengetan, um dieses einzigartige Projekt zu fördern und es dem jüdischen und arabischen Haifa-Publikum zuzuführen. Und dies auch in drei Sprachen zu singen, nämlich in Hebräisch, Arabisch und Englisch.

Soziale Poesie

Der Vorsitzende von Beit Hagefen, Asaf Ron, der sich schon seit vielen Jahren für eine jüdisch- arabische Koexistenz einsetzt, sagte, dass es etwas sehr besonderes sei, Teil von „Koolulams“ besonderer Veranstaltung zu sein: „Das ist soziale Poesie im wahrsten Sinne des Wortes. Man bringt 3.000 Menschen zusammen, die verschiedene Sprachen sprechen, mit den unterschiedlichsten Glaubensrichtungen. Doch was alle an diesem Abend gemeinsam haben, ist, dass sie es lieben, zu singen. Um beim Gesang so schöne Ergebnisse zu erzielen, muss man auf die Stimmen des anderen hören können und dazu noch sensibel sein.“

Or Teicher, der auch Mitgründer des “ Koolulam“ Projekts ist, war sofort von dieser Initiative vollends überzeugt und fügt noch hinzu: „Es ist unsere Art, etwas für die Gesellschaft zu tun, in der wir leben. Wir versuchen dadurch die Art und Weise, wie wir uns gegenseitig betrachten, zu verändern.“

Über Tal Leder

Tal Leder, wurde 1973 als Sohn israelischer Eltern in Deutschland geboren wuchs hauptsächlich in Frankfurt am Main auf. Seit Ende 2006 lebt er als freier Autor in Tel Aviv und schreibt regelmässig für verschiedene Medien, unter anderem für "Audiatur-Online", die "Jüdische Allgemeine" und "Jungle World." Er ist Doktorand der Politischen Wissenschaften an der Humboldt Universität Berlin und beschäftigt sich in seiner Dissertation u. a. mit dem Syrischen Bürgerkrieg. Zudem ist er auch als Freiberuflicher Producer bei Dokumentarfilmen, sowie auch für israelische und deutsche TV- Sender tätig.

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