Dokumente aus dem Eiss-Archiv. Bild: zvg

In Jerusalem trifft Audiatur-Online Markus Blechner, den Honorarkonsul Polens in Zürich, um ihn zu einer einzigartigen Sammlung zu interviewen der Enthüllung eines Privatarchivs mit Tausenden von Dokumenten, die das weitgehend unbekannte Kapitel einer spektakulären Rettungsaktion für Juden aus dem von Nazideutschland besetzten Polen belegen. Hauptakteure waren der Schweizer Jude Chaim Israel Eiss und Dr. Julius Kühl, ein jüdischer Diplomat aus Polen, die unter Schutz des Gesandten der polnischen Exilregierung in Bern, Aleksander Ladoś und dessen Mitarbeitern, Konstanty Rokicki und Stefan Ryniewicz, eine Reihe von diplomatischen Vertretern südamerikanischer Staaten – u.a. den Honorarkonsul von Paraguay Rudolf Hügli bestachen, um Pässe für die Unglücklichen zu besorgen. 

Die Namen des Schweden Raul Wallenberg, des Italieners Georgio Perlasca, des Schweizers Carl Lutz und des Japaners Tiune (Sempo) Sugihara sind der interessierten Öffentlichkeit weitgehend bekannt. Sie alle waren Diplomaten, die ihr Leben und ihre Freiheit riskierten, um Juden mit falschen Papieren die Flucht aus dem von Nazideutschland besetzten Ost- und Mitteleuropa zu ermöglichen. Weniger bekannt ist die spektakuläre Hilfsaktion des Schweizer jüdischen Philanthropen Chaim Israel Eiss und seiner Helfer, die in den Jahren bis 1943 mehreren Hunderten, wenn nicht gar Tausenden von Juden aus dem Warschauer Ghetto und anderen Orten das Leben rettete.

Die Hintergründe über dieses großangelegte Rettungsnetzwerk erfährt Audiatur-Online von Markus Blechner, dem Sohn einer bekannten jüdischen Familie aus München, Schweizer Bürger und Honorarkonsul Polens in Zürich, der erst wenige Tage zuvor angereist ist, um die Schätze des Eiss-Archivs persönlich in Augenschein zu nehmen.

Die Drahtzieher des Unternehmens

Israel Eiss wurde als eines von zehn Kindern seiner Familie im galizianischen Istrik (poln. Ustrzyki) geboren. Eine Diphtherie-Epidemie raffte neun seiner Geschwister dahin. Danach gaben die chassidischen Eltern ihrem einzigen überlebenden Sohn auf Anraten des Rabbis von Sadigura den zusätzlichen Vornamen »Chaim« − das Leben. Später emigrierte Eiss in die Schweiz, wo er nicht nur einer der Mitgründer der orthodoxen Partei »Agudat Israel«, sondern auch ein erfolgreicher und wohlhabender Geschäftsmann und großer Wohltäter wurde. 1943 starb Eiss, auf dem Höhepunkt seines Wirkens im Alter von knapp 67 Jahren an einem Herzinfarkt, »aus Herzschmerz und Erschöpfung, weil er jahrelang rund um die Uhr gearbeitet hatte, um seine unter der Schreckensherrschaft des Dritten Reiches verbliebenen Glaubensgenossen zu retten und den Gedanken an deren Schicksal nicht länger ertragen konnte…«, so Shoshanna Goldfinger, eine Nachfahrin von Chaim Israel Eiss, die in ihrem Artikel berichtet, nicht einmal für die täglichen Mahlzeiten habe sich der Urgroßvater in jenen Jahren mehr die Zeit genommen.

Eine weitere zentrale Figur des Rettungsnetzwerks und Eiss‘ rechte Hand war wie erwähnt Dr. Julius Kühl, in jenen Jahren Mitarbeiter der polnischen Gesandtschaft. Sein Zuständigkeitsbereich waren jüdische Flüchtlinge und internierte Angehörige des polnischen Militärs. Dazu Honorarkonsul Blechner: »Kühl, den ich noch persönlich kennenlernen durfte, war ein hochbegabter jüdischer Junge aus Polen, der von seinen Eltern in die Schweiz geschickt worden war, um dort zu maturieren und Jura zu studieren, wie ich hörte, am Züricher Minerva-Institut. Nach Kriegsausbruch konnte er nicht mehr nach Polen zurück und blieb als Flüchtling in der Schweiz.«

Tatsächlich war Eiss einer der ersten Menschen im unbesetzten Europa, die bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt über die brutale Vernichtungsmaschinerie der Nazis auf polnischer Erde informiert waren.

Das Archiv und seine Geheimnisse

Auf dem Dachboden seines Zürcher Hauses verwahrt blieben in erstaunlich gutem Zustand die Tausenden von Dokumenten, deren Sichtung heute Licht in das Wesen und die Funktionsweise seiner umfangreichen Rettungsaktion bringen soll. Der Großteil davon wurde später bei ihrer Auswanderung von seinen Erben, streng orthodoxen Juden, mit nach Jerusalem genommen und befindet sich noch heute in deren Privatbesitz. Es handelt sich um Kopien und Schriftstücke auf Polnisch, Deutsch, Spanisch (Portugiesisch) und Jiddisch, die in naher Zukunft gesichtet, geordnet und übersetzt werden sollen. Darunter nicht zuletzt fünfzig paraguayische Blankopässe, die offenbar nicht mehr ausgestellt werden konnten.

»Wir haben einen Berg paraguayischer Reisepässe im Original gesichtet, zum Teil mit Fotografien ganzer Familien, zum Teil für Einzelpersonen, und weiter Briefe, Zahlungsbelege und zahlreiche Namenslisten. Eine davon ist besonders interessant: es handelt sich um vierzig bis fünfzig Schreibmaschinenseiten mit von eins bis 3880 durchnummerierten Namen, Geburtsdaten und Adressen von Personen. Dabei lagen davon getrennt und ebenfalls durchnummeriert, auf Bögen aufgeklebt oder sorgfältig in kleinen Einzelkuverts verwahrt, die zu diesen Listen gehörenden Passfotos. Wir verstanden, dass das die Listen für noch nicht ausgestellte Pässe waren.«

»Abgesehen davon haben wir auch abgestempelte und zensurierte Briefe gesehen, die aus dem Ghetto nach Zürich geschickt worden waren, zum Teil zu ganz anderen Belangen. Viele dieser Korrespondenzen war natürlich verschlüsselt.«

Als Beispiel dafür diene ein Schreiben, das Eiss kurz nach Kriegsausbruch an die Leitung von »Agudat Israel« in den USA weiterleitete: »Unser Freund, Rabbi Alexander Zusha Friedman schrieb mir im Namen von Herrn Mekayem Nefesh [Hebräisch: Lebensretter] einen Dankesbrief, und darin auch, dass Herr Chalelei Raav [Hebräisch: am Hungerstod Verstorbene] in den Heimen unserer Freunde ein häufiger Gast ist.«

Wie funktionierte das System?

»Wir stehen noch ganz am Anfang. Es ist wie ein riesiges Puzzle, das sich uns erst ganz allmählich erschließt. Um den Ablauf und die Hintergründe der Aktion zu verstehen, müssten wir jedes einzelne Dokument analysieren. Solche Unterlagen liegen auch in der Schweiz, in Amerika und an anderen Orten. Etwa achtzig Prozent auf Deutsch und zehn Prozent auf Jiddisch, viele davon handschriftlich, ein Teil jedoch schon damals von Chaim Eiss auf einer Schreibmaschine mit hebräischen Buchstaben getippt«, erklärt Markus Blechner.

Brief von Chaim Eiss an das polnische Konsulat. Bild: zvg

»Mit Hilfe von Dr. Kühl und anderen polnischen Diplomaten schloss Eiss Kontakt zu einer Reihe von diplomatischen Vertretern südamerikanischer Staaten in der Schweiz, darunter dem Honorarkonsul von Honduras, einem Schweizer namens Alfonso Bauer, dem Honorarkonsul von Paraguay Rudolf Hügli, ebenfalls Schweizer und Notar in Bern. Involviert waren auch George Mantello (ursprünglich Josef Mendel) der Generalsekretär am Genfer Konsulat von El Salvador und, in kleinerem Umfang, offenbar auch Vertreter der Staaten Bolivien, Peru und Argentinien.

Das Verfahren war wie folgt: zunächst wurden auf unterschiedlichste Weise Namenslisten und Fotografien aus dem Ghetto herausgeschmuggelt, zum einen mit Hilfe ausländischer Diplomaten, darunter angeblich sogar der Berner Nuntius des Vatikans, zum anderen durch bestechliche SS-Leute, und gelangten auf Umwegen nach Zürich. Weiter gab es damals noch eine Ghettopost, also eine deutsche Post im Ghetto, die erstaunlich gut funktionierte.«

»Dr. Kühl brachte die Dokumente zum polnischen Konsulat in Bern, wo sie von Konsul Konstanty Rokicki ausgefüllt wurden. Aufgabe des Beraters Stefan Ryniewicz war es, die lateinamerikanischen Botschaften zu überzeugen, die Aktivitäten ihrer Konsuln geflissentlich zu »übersehen«.

Die Originale dieser Pässe blieben immer auf den zuständigen Konsulaten in Bern, und notariell beglaubigte Fotokopien wurden, ebenfalls auf komplizierten Umwegen, wieder nach Polen zurückgeschmuggelt. Sie dienten als Nachweis, dass die betreffenden Personen eine der genannten südamerikanischen Staatsbürgerschaften besaßen. Diese Kopien wurden den Deutschen vorgelegt, mit der Forderung, die angeblichen Passbesitzer ausreisen zu lassen, damit sie sich dann in Bern ihre Originalausweise abholen, und in ihre vermeintlichen Heimatländer weiterreisen könnten. Dass man diese Originale nicht gleich nach Polen schickte, beruhte auf folgender Überlegung: auch die Schweizer Behörden hatten das Spiel längst durchschaut und beschwerten sich bei Ladoś, dem Gesandten der polnischen Exilregierung. Damit es nicht hieße, man habe Pässe ins Generalgouvernement Polen geschickt, begnügte man sich mit Fotokopien. Fotokopien zu versenden, ist keine illegale Handlung.

Aleksander Ladoś war eine wichtige Schlüsselfigur, die das Ganze, offenbar mit Einverständnis der polnischen Exilregierung in London, toleriert, koordiniert und geschützt hat. Ohne ihn wäre das ganze Rettungsunternehmen unmöglich gewesen. Er wurde, auch das ist aktenkundig, mehrmals ins Schweizer Außendepartment vorgeladen, wo man sich über dieses Treiben beschwerte. Weniger hochrangige Attachés wurden auch zum Chef des Polizeidepartments und Leiter der Fremdenpolizei, dem berühmt-berüchtigten Dr. Rothmund zitiert. Der war wirklich ein akuter Antisemit und ließ nichts unversucht, um die Rettungsaktionen zu unterbinden und vor allem gegen Dr. Kühl vorzugehen. Vergeblich versuchte er mindestens zweimal, Ladoś zu zwingen, Kühls Diplomatenstatus aufzukündigen.«

Und die Deutschen akzeptierten diese Dokumente?

»Ja. Man hat sicher in Berlin rückgefragt, aber Paraguay war ein befreundetes Land, und Tatsache ist: Sie haben Menschen ausreisen lassen. Ob es nun Hunderte oder Tausende waren, kann ich derzeit wirklich noch nicht sagen. Wir werden an Hand der Namen noch umfangreiche Nachforschungen darüber anstellen müssen, was aus den Besitzern dieser Pässe geworden ist. Von einer spezifischen Person zum Beispiel wissen wir, dass sie zunächst nach Mauthausen kam, ihr weiteres Schicksal liegt im Dunkeln. Es ist eine enorm aufwendige Kleinarbeit, herauszufinden, was schlussendlich mit den auf den Listen und in den Pässen genannten Menschen geschehen ist.«

»Zu einem gewissen Zeitpunkt wurde die ganze Aktion abgebrochen, weil die Deutschen das Spiel durchschaut hatten und diese Dokumente nicht länger anerkannten. Von den Ghettoinsassen, die bereits im Besitz solcher Pässe waren, wurde ein Teil noch herausgelassen, ein anderer in ein Sonderlager für privilegierte Gefangene außerhalb Warschaus gebracht, um später eventuell gegen in Südamerika verhaftete Deutsche ausgetauscht zu werden. Andere Besitzer solcher Pässe wurden jedoch bereits dort liquidiert oder nach Auschwitz verschickt. Wir wissen also derzeit noch nicht, wie viele Personen auf diese Weise tatsächlich gerettet werden konnten. In einem Schreiben an das polnische Außenministerium im Exil schätzten die Leiter von Agudat Israel die Zahl der dank Lados und Kühl geretteten Personen 1945 auf mehrere Hundert.«

Shoshana Goldfinger berichtet dazu: »Uns ist bekannt, dass das von Reb Chaim Yisroel aufgebaute Netzwerk sich später (R.G: lange nach dem Tod von Eiss!) bewiesen hat, als Zehntausende von ungarischen Juden durch südamerikanische Ausweise gerettet wurden…«. Warum die Deutschen dabei mitgespielt hätten? »Historiker meinen, die Nazis hätten gegen Kriegsende gehofft, sich dadurch ihren eigenen Fluchtweg nach Südamerika vorzubereiten.«

Für manche Beteiligten ein lukratives Geschäft…

Ein Teil der lateinamerikanischen Konsuln, zum Beispiel Rudolf Hügli, ließ sich ihre Dienste teuer bezahlen. Die Juden und die Polen arbeiteten unentgeltlich. Mehr noch: der Ton der Korrespondenzen zwischen Eiss, Kühl und anderen mit den polnischen Diplomaten lässt große Empathie erkennen. Man sieht deutlich, dass Fragen wie Glaubenszugehörigkeit oder Nationalität völlig irrelevant sind. Die Gelder für diese Rettungsaktion seien laut Blechner jedenfalls zum Großteil aus Washington gekommen, über die dortige Botschaft der polnischen Exilregierung in London. Andere Quellen berichten auch von Spenden orthodoxer jüdischer Organisationen in Großbritannien und vor allem in den USA. Mit diesen Mitteln erwarben die Polen dann von Hügli die Pässe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang folgendes mit dem 23.6.1941 datiertes, auf Hügli bezogenes Schreiben von Generalkonsul Walter Meyer, Zürich, an Dr. Karl Stucki, den Chef des Konsulardienstes der Schweizer Abteilung für Auswärtiges: »Den guten Glauben kann er für sich nicht in Anspruch nehmen, und wenn er geltend macht, er erteile die Visas nur aus Bedauern zu den armen Emigranten, denen er helfen möchte, so steht dies in umgekehrten Verhältnis zu der auf ihre Kosten angestrebten Bereicherung.«

In einem anderen Kontext, der nicht unbedingt mit Eiss‘ Rettungsunternehmen verbunden ist, heißt es im Aktenbericht des Untersuchungsrichteramtes II in Genf über die Ausstellung von falschen argentinischen Pässen (Bern,5.1.1945, RM/mol [Messerli?]) wie folgt: »Es handelt sich um die Abgabe von vier gefälschten Pässen an ungarische Staatsbürger, die trotz der Pässe deportiert wurden. Der Verwandte in der Schweiz, ein Herr Müller, habe aber 22,700 Schweizer Franken für die Pässe bezahlt.«

Honorarkonsul Blechner neben der Statue von Jan Karski vor dem polnischen Konsulat in New York. Bild: zvg

Laut Blechner haben die eingangs genannten Honorarkonsuls der südamerikanischen Staaten pro Pass 300 bis 500 Dollar einkassiert, wobei es sich, wie gesagt, um Tausende von Pässen handelte. Ob sie die Aktion auch ohne dieses beachtliche Nebeneinkommen unterstützt hätten, kann er nicht sagen, aber immerhin hätten diese Leute – mit Ausnahme des Honorarkonsuls von Paraguay − nach einer offiziellen Beschwerde der Schweizer Regierung bei ihren jeweiligen Außenministerien ihre Jobs und ihren Lebensunterhalt verloren.

Was soll mit dem Archiv weiter geschehen?

Nun hofft die dritte und vierte Generation der Familien Eiss und Herz auf die Herausgabe einer umfassenden historischen Studie über Chaim Israel Eiss und seine Rettungsaktion. Dazu Blechner: »Eiss‘ Angehörigen haben aber weder materiell noch kontaktmäßig die Ressourcen dazu. Die polnischen Diplomaten, mit denen ich gesprochen habe, haben ihre Unterstützung zugesagt, vielleicht werden aber noch weitere Sponsoren benötigt.«

Das segensreiche Wirken von Aleksander Ladoś und seinen Mitarbeitern an der Berner Gesandtschaft jedenfalls ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt und noch nicht gebührend gewürdigt worden.

 

Über Rachel Grünberger-Elbaz

Rachel Grünberger-Elbaz, geb. 1958 in München, lebt seit 1977 in Israel, wo sie zunächst ihren Studienabschluss in Soziologie, Anthropologie, Film und Fernsehen machte. Seit 1984 arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin und Dolmetscherin und ist als solche mit den kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen ihrer beiden Heimatländer - Israel und Deutschland - bestens vertraut. In jüngster Zeit ist sie auch publizistisch tätig. Rachel Grünberger ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen.

Alle Artikel
Diesen Beitrag teilen
  • 12
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

12 KOMMENTARE

  1. Da hat sich ein Fehler eingeschlichen……

    Zitat :
    ………….dem berühmt-berüchtigten Dr. Rothmund zitiert. Der war wirklich ein akuter Antisemit und ließ nichts unversucht, um die Rettungsaktionen zu unterbinden…………
    ————————————-

    Nach aktuellen Erkenntnissen der Geschichtsforschung war Rothmund kein Antisemit, vertrat aber natürlich sein Amt und die Schweiz gemäss Vorgaben, er war Beamter.

    So viel man heute aber weiss, hat er nie einen Antrag auf Einreise ….der auf seinem Schreibtisch landete, je abgelehnt….. sondern sie bewilligt.
    Das macht ihn nicht zu einem Helden, aber doch zu einem Beamten der sich nicht einfach vom „Antisemitismus“ leiten lies.

    Wäre er Antisemit gewesen, dass sähe sicher anders aus.
    Rothmund war auch gegen das berühmte „J“ im Ausweis Deutscher Juden, sondern das war ein Deutsches Anliegen.

    • Da bin ich dezidiert anderer Meinung. Mein Vater besuchte Rothmund in Bern, um von ihm die Bewilligung für die Einreise seines Vaters zu erlangen, welcher in Buchenwald (wegen der Schweizer Behörden) inhaftiert war. Rothmund antwortete meinem Vater mit Zitat „Wir können nicht alle da haben“. Mein Vater
      entgegnete ihm“ Sie haben ein Wort vergessen, welches die Deutschen zugefügt hätten“. Rothmund: Welches Wort. Mein Vater: „JUDEN“. Dann wies er meinem Vater die Türe. Kurze Zeit später traf in Zürich ein Brief von Rothmund ein, adressiert an Markus Blechner, zur Zeit Konzentrationslager Buchenwald, mit der Mitteilung, dass die Einreise in die Schweiz verweigert wird.

      Ich habe den Brief im Original. Beim Eintreffen des Briefes bei meinem Vater in Zürich, war mein Grossvater bereits tot.

      • Lesen sie die Geschichte der Zeit nach, Sie werden die Wahrheit finden, nur wird sie dem widersprechen was sie glauben wollen.

        Sie haben Unrecht.
        ——————————————–
        Schade das man solche Geschichts-Verfälschungen „ewig“ neu richtigstellen muss.
        ——————————————–
        Nein, Rothmund war gegen den J-Stempel, und er hat den Vorschlag auch nicht unterbreitet. Das wird heute unter Historikern kaum mehr bestritten.
        Das war Deutschland.

        Und natürlich hat Rothmund als Polizeichef mit Deutschland verhandelt….. das war eine seiner Obliegenheiten.
        Als er verhandelte ……war man sich aber kaum bewusst was für eine Bedeutung der J-Stempel einmal erhalten würde. Zudem hätte man da nur sehr wenig Handlungsmöglichkeiten gehabt um die Deutschen an ihrem Vorhaben zu hindern….. es waren zumeist deren Pässe…..!!!

        Was ihr Vater sagte in Ehren, aber es ist falsch.

        Und inhaftiert war ihr Grossvater nicht wegen der Schweizer Behörden, sondern wegen der Deutschen Behörden und deren Staatsideologie.
        Es ist dies die selbe Problematik wie mit den Illegalen in der
        Schweiz heute. Auch diese haben kein Recht auf Einreise, man lässt sie aber massenhaft in die Schweiz ……wo gerade die Muslime eine neue und in dem Masse hier noch nie gekannte Judenfeindlichkeit aus ihrer Gesellschaft mitbringen.
        Man hätte mehr Juden aufnehmen können, sie halt auch in die Armee einziehen sollen….. hätte man tun können…… und auch sollen.

        Neueste Forschungen haben aber etwas anderes zutage gefördert, nämlich das Rothmund keineswegs der hartherzige Judenfeind war wie man uns das glauben machen wollte.
        Aber natürlich war Rothmund ein Beamter und als solcher musste er Richtlinien umsetzen. Er konnte sich die Vorgaben nicht selber erstellen.
        Das beinhaltete, dass er die Juden nicht einladen wollte, analog dem was eine Merkel 2015 in Deutschland machte.
        Die Juden wäre keine Gefahr für unsere Gesellschaft gewesen, es gab ja auch viele Schweizer jüdischen Glaubens.
        Aber damals waren andere Zeiten, bedrohliche Zeiten und da sorgte man sich als Land vor allem ums eigene Überleben.

        Von wegen Brief ihres Grossvaters……
        Rothmund konnte es sich kaum erlauben briefliche Aussagen zu tätigen ……die man sofort gegen ihn hätte verwenden können.
        Jeder Anwalt weiss um diese Problematik.
        Siehe auch den Fall Paul Grüninger……..

        Nein so etwas hätte ihn sein Amt gekostet.
        Und seien wir ehrlich, ein anderer Beamter hätte die Grenzen womöglich völlig dicht gemacht.
        Oder er hätte Personen wie Eissfeld, ……die man in Bern durchaus kannte und auch ahnte / wusste was sie taten, inhaftiert und an ihrem Tun gehindert.
        Ich bin auch mit den Geschichten um Rothmund aufgewachsen, zumal meine Grosseltern die Jüdische Familie Dreifuss und andere kannten,
        ja mein Grossvater mit dem Geheimdienst – „Fotografen“ Hausamman gut befreundet war.
        Er wusste schon damals recht viel……..

        Lesen sie die Geschichte der Zeit nach, Sie werden die Wahrheit finden, nur wird sie dem widersprechen was sie glauben wollen.

        • Meine Grosseltern und ein Onkel kamen mit gültigen Schweizer Mehrfachvisen einen Tag vor Kriegsausbruch in St. Margrethen aus München an. Man nahm Ihnen die Pässe ab, behielt sie übers Wochende in einer Pension. Sie hätten davon laufen können und zu meinem Vater nach Zürich reisen können. Man versprach ihnen, dass sie am Montag die Pässe zurückbekämen. Man hat sie in eine Falle gelockt. Rothmund meldete nach St. Margethen, dass die Visen jetzt ungültig seien und alle nach Deutschland auszuschaffen seien. Dies geschah mit Gewalt.

          markusblechner
          markusblechner
          Markus Blechner Profil bearbeiten
          @markusblechner
          Kommentare 2
          Diskussionen
          Empfiehlt
          Folgende 0
          Folgend 0
          Diskussionen auf Audiatur-Online 1 comments
          Die bewegenden Enthüllungen des Eiss-Archivs: Über eine bisher unbekannte
          Ausstehend
          n ich dezidiert anderer Meinung. Mein Vater besuchte Rothmund in Bern, um von ihm die Bewilligung für die Einreise seines Vaters zu erlangen, welcher in Buchenwald (wegen der Schweizer Behörden) inhaftiert war. Rothmund antwortete meinem Vater mit Zitat „Wir können nicht alle da haben“. Mein Vater
          entgegnete ihm“ Sie haben ein Wort vergessen, welches die Deutschen zugefügt hätten“. Rothmund: Welches Wort. Mein Vater: „JUDEN“. Dann wies er meinem Vater die Türe. Kurze Zeit später traf in Zürich ein Brief von Rothmund ein, adressiert an Markus Blechner, zur Zeit Konzentrationslager Buchenwald, mit der Mitteilung, dass die Einreise in die Schweiz verweigert wird.
          Ich habe den Brief im Original. Beim Eintreffen des Briefes bei meinem Vater in Zürich, war mein Grossvater bereits tot.
          Markus Blechner
          Markus Blechner Walter Roth vor 27 Minuten
          Ausstehend
          Da bin ich dezidiert anderer Meinung. Mein Vater besuchte Rothmund in Bern, um von ihm die Bewilligung für die Einreise seines Vaters zu erlangen, welcher in Buchenwald (wegen der Schweizer Behörden) inhaftiert war. Rothmund antwortete meinem Vater mit Zitat „Wir können nicht alle da haben“. Mein Vater
          entgegnete ihm“ Sie haben ein Wort vergessen, welches die Deutschen zugefügt hätten“. Rothmund: Welches Wort. Mein Vater: „JUDEN“. Dann wies er meinem Vater die Türe. Kurze Zeit später traf in Zürich ein Brief von Rothmund ein, adressiert an Markus Blechner, zur Zeit Konzentrationslager Buchenwald, mit der Mitteilung, dass die Einreise in die Schweiz verweigert wird.
          Ich habe den Brief im Original. Beim Eintreffen des Briefes bei meinem Vater in Zürich, war mein Grossvater bereits tot.
          Das ist das Ende. Finden Sie weitere interessante Diskussionen »
          Neueste Empfehlungen
          Nichts zu sehen.
          Alle Empfehlungen ansehen
          The web’s community of communities Disqus © 2017
          Firma Jobs Hilfe Begriffe Datenschutz
          Disqus deiner Seite

          • Blödsinn……..

            Ihre Grosseltern wurden zuallererst einmal wegen der Umstände in Deutschland ermordet.
            Und neue Erkenntnisse belegen das Rothmund eben gerade nicht „Unbarmherzig“ war, aber natürlich seine Anweisungen hatte die er zum Wohle der Schweiz auch anwendete.

            Das ein Visa ungültig werden kann, aufgrund einer Kriegssituation, kann ich sehr gut nachvollziehen. das ist vermutlich bis Heute übliche Praxis.
            Warum hätte Rothmund bei ihren Grosseltern eine Ausnahme machen sollen……?
            Es lebten auch viele Japaner seit Jahrzehnten in den USA und wurden nach Kriegsausbruch in Lagern interniert.
            Die meisten waren sogar US Staatsbürger.

            Und es ist heute auch klar erwiesen, das viele die an die Grenzen zurückgeführt wurden, keineswegs sofort im KZ landeten.
            Sie nehmen einfach an das man das alles hätte wissen MÜSSEN.
            So war das damals aber nicht.
            Nach ihrer Logik müsste die Schweiz auch 1 Milliarde Afrikaner aufnehmen, denn es könnte einer bei der Rückreise verhaftet und ermordet werden…….
            Nein, kein Land ist gemäss Völkerrechtlich verpflichtet, seine eigene Sicherheit, sein Wohlergehen für Migranten zu opfern.

            Es gab Dinge die nicht schön waren, ….. hingegen war trotzdem vieles in der Zeit eben doch auch angemessen, ja übliche Praxis.
            Bei ihren Grosseltern hatte das tragische Folgen.
            Aber was wäre gewesen wenn Rothmund, wie Grüninger, seines Amtes enthoben worden wäre ?
            Was wenn dafür ein wirklich scharfer Hund in das Amt gekommen wäre….?

          • Herr Blechner…………….

            Ich las gerade noch einmal das Wort ……….“illegal“…….. in ihrem Kommentar zu Rothmunds Vorgehen.

            Hier ein für alle mal geklärt.
            Sein handeln war nie illegal, Völkerrechtlich nicht, ja sogar das stark erweiterte Völkerrecht von heute könnte ihm da nichts anhaben.

            Kein Staat ist verpflichtet zu Gunsten von Migranten seine Sicherheit und sein Wohlergehen zu gefährden.
            Sie mögen das als schrecklich ansehen, aber so ist es und es ist Vernünftig. Niemand würde einem Völkerrechtsvertrag beitreten wenn er im Gegenzug sein Land gefährden müsste.

        • Meine Grosseltern wurden mit gültigen Visen, für Mehrfachreisen, in St. Margrethen zuerst reingelassen, aber übers Wochende in eine Pension eingewiesen, die Pässe abgenommen. Am Montag erhielten sie den Bescheid, dass Bern (Rothmund) die Visen als ungültig erklärte und verfügte, sie den deutschen Polizeiorganen zu übergeben. Das geschah mit Gewalt. Mein Onkel war dabei. Alle drei Verwandten wurden durch die SS in KZ verbracht.
          Die Oma wurde in Kaunas erschossen, der Opa in Buchenwald ermordet.
          Der Onkel kam für 6 Jahre in diverse KZ, darunter Auschwitz. Er überlebte in Bergen Belsen. Er hat dies u.a. gegenüber den US Militärbehörden ausgesagt.

          Rothmund ist schuld. Er mag vielen anderen geholfen haben, aber meiner Famlie nicht. Für mich ist und bleibt er ein Judenhasser.

      • Herr Blechner……………

        Sehen Sie das ganze doch einmal aus einer anderen Warte.

        Die Schweiz hat womöglich gerade wegen einem Rothmund viele tausend Juden aufgenommen.

        Vielleicht gerade wegen ihm, ……weil Rothmund durchaus nicht alles unternahm um gewisse Dinge zu unterbinden, die er eigentlich Kraft seiner Obliegenheiten hätte unterbinden müssen.

        Die Schweiz hat mehr für die Juden getan wie die USA die sich gerne als moralische Grossmacht darstellen und die bis weit in den Krieg viel mehr hätten tun können.

        Gerade auch weil ein Rothmund noch lange nicht alle seine Befugnisse so ausschöpfte, wie es ihm eigentlich geboten war.
        Eisfeld war ein aktiver Judenretter.
        Rothmund vielleicht ein passiver Judenretter…… nur leider wird dem wenig Aufmerksamkeit gewidmet.
        Aburteilen ist immer viiiieeeelll einfacher wie Freisprechen.

    • Der J Stempel wurde erwiesenermassen von der Schweiz verlangt, damit man deutsche Juden nicht ohne Visum in die Schweiz lassen muss. Der Vorschlag dazu kam von Rothmund, welcher persönlich in Berlin darüber verhandelte.
      Dabei war auch der Schweizer Gesandte F. Kappeler. Heinrich Rothmund unterzeichnete in Berlin handschriftlich am 29. September die diplomatische Vereinbarung. Für die Nazis unterzeichneten eine Reihe hoher Funktionäre.
      Rothmund machte dabei das Zugeständnis, dass man sich überlege, den J Stempel auch in die Pässe von Schweizer Juden zu platzieren.

Comments are closed.