Foto MyTruth/Ziv Koren
Foto MyTruth/Ziv Koren

Der israelische Ministerpräsident Netanyahu lädt den deutschen Bundesaussenminister Sigmar Gabriel aus. Der wiederum erklärt zwar coram publico, der Zwischenfall werde die deutsch-israelischen Beziehungen nicht negativ beeinflussen, weigert sich jedoch ein paar Stunden später, einen Anruf Netanyahus entgegenzunehmen. Einen Tag danach, nahm auch das deutsche Kanzleramt zu dem peinlichen Vorfall Stellung:  »Wir sind der Meinung, dass es möglich sein muss, in einem demokratischen Land auch kritische Nichtregierungsorganisationen zu treffen, ohne dass das solche Folgen hat«, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Sein fehlendes diplomatisches Feingefühl, dem Israel schon so manchen Imageschaden verdankt, hat der israelische Ministerpräsident hiermit wieder einmal unter Beweis gestellt. Es steht ihm nicht zu, dem Aussenminister der BRD vorzuschreiben, mit welchen Gesprächspartnern er sich austauschen darf. Noch weniger angebracht ist es, ersteren mit einer Ausladung zu strafen. Zudem ist es auch taktisch mehr als ungeschickt. Anstatt die Gelegenheit wahrzunehmen, den umstrittenen Inhalten von »Breaking the Silence“ und »B’Tselem“ seine Wahrheit entgegenzusetzen, spielt Bibi den wilden Mann.

Netanyahus Unmut über Gabriels Begegnung hingegen ist, um auf den zurückhaltenden sprachlichen Stil der Kanzlerin zurückzugreifen, durchaus »nachvollziehbar«. Obwohl diese und andere auf Israels politischem Spektrum links aussen angesiedelten Organisationen zwar lautstark, aber dennoch nur für einen schwindenden Prozentsatz der israelischen Bevölkerung sprechen, werden sie von ausländischen, und vor allem europäischen Politikern bevorzugt als Gesprächspartner gesucht. So verständlich es ist, dass diese nicht nur die offiziellen Stimmen aus Netanyahus Rechtskoalition hören wollen, so wenig Sinn macht es, dass sie sich radikalen Extremgrüppchen zuwenden, um sich ein »objektives Bild« der Situation vor Ort zu verschaffen und einen »Eindruck von der israelischen Zivilgesellschaft« zu gewinnen.

Angesichts der Tatsache, dass der Grossteil der jüdischen Israelis für die grossen zionistischen Parteien stimmt, wohingegen die genannten Organisationen konsensusextern sind und nachweisbar aus fragwürdigen Motiven, mit fragwürdigen Methoden und mit fragwürdiger Finanzierung operieren, ist diese Aussage ein wenig befremdend. Umso mehr, als die IDF, also die von den besagten NGOs verunglimpfte israelische Armee, einen untrennbaren Teil der israelischen Zivilgesellschaft darstellt.  Zuerst waren es wir, heute sind es unsere Söhne und Töchter, Enkel und Enkelinnen, die in dieser Armee ihren Pflicht- und später ihren Reservedienst leisten. Zahal ist ein organischer Teil von uns allen. Wer Zahal-feindliche Organisationen unterstützt, verabreicht also uns allen, will sagen, der sprichwörtlichen israelischen Zivilgesellschaft, eine schallende Ohrfeige. Ob die IDF nun wirklich, wie der britische Colonel Kemp, der als Beobachter an mehreren Kriegsschauplätzen und auch in Gaza zugegen war, versichert, und auch Staatspräsident Rivlin vorgestern Sigmar Gabriel gegenüber betonte, die »moralischste Armee auf Erden« ist, mag dahingestellt bleiben. Einen solchen Titel kann vielleicht das Schweizer Militär für sich beanspruchen, das seit seiner Gründung 1798 noch nie in Kampfhandlungen verwickelt war. Es ist somit ein Leichtes, unbescholten zu bleiben − und ein Luxus, den die IDF-Soldaten nicht besitzen. Wie man aber in ihrem »ethischen Kodex« nachlesen kann, ist ethisches Verhalten für die IDF durchaus eine Forderung von höchster Priorität. Nachgewiesene Vergehen werden oft schwer geahndet. Dieser Kodex wird den jugendlichen Soldaten − bei ihren Einsätzen häufig mit so gut wie unlösbaren Dilemmas konfrontiert − wiederholt eingetrichtert.

„Von 30’000 Soldaten, 60 Augenzeugenberichte, der Grossteil davon anonym“

Die führenden Politiker und Diplomaten aus aller Welt sind somit aufgefordert, darüber nachzudenken, warum sie eine so deutliche Vorliebe für NGOs wie die oben genannten und eine Reihe »postzionistischer« Höflinge zeigen. Begegnungen mit der »israelischen Zivilgesellschaft« sind diese abgehobenen Gespräche nicht. Von den 30,000 Soldaten, die während der Militäroperation Protective Edge im Gazastreifen im Einsatz waren, besitzt die Organisation »Breaking the Silence« gerade mal 60 Augenzeugenberichte, der Grossteil davon anonym. In einer TV-Reportage des von einheimischen Politikern gefürchteten und entschieden »regierungskritischen« Journalisten Raviv Drucker wurden zehn von diesen Berichten eingehender untersucht. Nur zwei davon konnten belegbar verifiziert werden. Zwei von 30,000… verehrte Führungskräfte aus aller Welt, ist das wirklich ein so erheblicher und repräsentativer Prozentsatz der israelischen Zivilgesellschaft, dass Sie dieser Organisation Ihre kostbare Zeit, und mehr noch Ihre finanzielle Unterstützung gewähren müssen? Welches konstruktive Ziel haben Sie vor Augen, wenn Sie den wahren Mainstream der israelischen Gesellschaft nicht nur brüskieren, sondern vor allem ignorieren? Dient diese Unterstützung einer links-aussen des politischen Konsensus angesiedelten Radikalgruppe dem erklärten Ziel der internationalen Gemeinschaft, dem Nahen Osten Frieden zu bringen?

Eine Stimme aus diesem Mainstream ist die 2015 nach der Gaza-Operation ins Leben gerufene Organisation »My Truth« (»Ha’Emet Sheli«), die parteiübergreifend und politisch ungefärbt Zeugenberichte von Soldaten sammelt und im In- und Ausland pädagogisch und aufklärerisch tätig ist. Ein Interview mit der Geschäftsführerin von My Truth, Shachar Liran-Hanan hat für Audiatur-Online Rachel Grünberger geführt:

»Breaking the Silence« versus »My Truth« − Israel hat viele Stimmen

Rachel Grünberger (R) im Gespräch mit Shachar Liran-Hanan (L). Foto zVg
Rachel Grünberger (R) im Gespräch mit Shachar Liran-Hanan (L). Foto zVg

Ich treffe mich zu einem Gespräch mit Shachar Liran-Hanan, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Organisation »My Truth« − (»Ha’Emet Sheli«). Diese sehr beeindruckende junge Frau ist 29 Jahre alt, in Israel geboren und aufgewachsen, Offizierin in der IDF und leistet bis heute ihren Reservedient als Dozentin in der IDF-Einheit für »Aufklärung in Krisensituationen«. Ihre Aufgabe ist es, die Soldaten vor ihrem Einsatz mit dem historischen, kulturellen, gesellschaftlichen und geopolitischen Hintergrund der Regionen ihres Kampfeinsatzes vertraut zu machen. Ursprünglich sei diese Einheit für Ausnahmesituationen eingerichtet worden, erklärt Shachar, »angesichts der Realität in Israel haben wir es aber routinemässig mit Ausnahmesituationen zu tun«.

»My Truth« wurde 2015 nach Veröffentlichung der ersten UN-, Amnesty- und NGO-Berichte über Protective Edge gegründet. Shachar Liran-Hanan erzählt, wie es dazu kam:

Shachar Liran-Hanan, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Organisation »My Truth«. Foto zVg
Shachar Liran-Hanan, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Organisation »My Truth«. Foto zVg

Spezifisch der Report von »Breaking the Silence« hat uns an einer sehr empfindlichen Stelle berührt, nicht nur, weil er sehr israelkritisch war, sondern vor allem, weil er von unseren eigenen Waffenbrüdern stammte, die Seite an Seite mit uns gekämpft hatten. Es ist in meinen Augen kein Problem, wenn man Israel kritisiert. Ich glaube, das ist völlig legitim. Dieser Bericht aber war sehr problematisch. Erstens, weil er nicht proportional war. Er basierte auf den Aussagen von 60 Soldaten, 60 jener 30,000, die in Gaza gekämpft hatten. Ich glaube nicht, dass ein solcher Prozentsatz ein wahrheitsgetreues Bild der Realität wiedergeben kann, mit der die Soldaten vor Ort während der Kämpfe umgehen mussten. Ganz bestimmt kann ein Bericht wie dieser nicht unter dem Titel »So kämpften wir 2014 in Gaza« veröffentlicht werden.

Hinzu kommt, dass der Kontext dieser Militäroperation in Israel jedem völlig klar ist, aber nicht den Menschen im Ausland. Sprechen wir doch darüber, warum wir in Gaza einmarschiert sind, über die 15 Jahre Raketenbeschuss auf die Ortschaften im Süden des Landes, und nicht nur auf diese.

Aber auch das kann kritisch hinterfragt werden. Das Problem ist ein anderes: in Israel, wo jeder im Militär war und die Komplexität der Situation kennt, versteht man auch, dass im Lauf von Kampfhandlungen nicht immer alles schwarz-weiss und so klar ist. Es gibt dabei eine Unmenge von Grauzonen, mit denen die Soldaten umgehen müssen. 18jährige Soldaten…

Rachel Grünberger: Auch für ältere Menschen keine einfache Situation.

Shachar Liran-Hanan: Absolut nicht. Das also hat uns so berührt, dass wir beschlossen, den Mund aufzumachen, eine Plattform zu schaffen…

Wer ist »Wir«?

Eine Gruppe von Soldaten und Soldatinnen im Reservedienst, die sich jedoch zuvor nicht kannten. Es begann mit einem jungen Mann namens Avihai Shorshan, der einen Post auf Facebook veröffentlichte, mit seiner ganz persönlichen Geschichte. Er tat das aus einer tiefen Frustration heraus, weil er fühlte, dass die erlebten Geschichten ungehört blieben. Ans Ende setzte er ein Hashtag und den Titel »Meine Wahrheit«. Nun ist so ein Hashtag auf Facebook ein Tool von grosser Zugkraft. Er forderte auch andere Reservisten auf, ihre Geschichte zu erzählen. Das führte zu einem spontanen Protest in einer Dimension, mit der keiner gerechnet hatte, am wenigsten er selbst.  Zwei Tage später gab es bereits Tausende von Shares, Likes und jede Menge Reaktionen, vor allem von anderen Soldaten, die ebenfalls ihre Geschichten erzählen wollten. So kam der Ball ins Rollen und entwickelte seine Eigendynamik. Es entstand eine Gruppe, der die Sache am Herzen lag. Eine Gruppe, die wirklich das gesamte  politische und gesellschaftliche Spektrum Israels repräsentiert, auch das muss betont werden.

Könnten Sie etwas über die Aktivitäten von »My Truth« erzählen?

Durchaus. Zunächst wollten wir also, wie gesagt, eine Plattform schaffen, wo Reservisten − Reservisten deshalb, weil Soldaten im Pflichtdienst sich nicht öffentlich äussern dürfen − über die moralischen Dilemmas erzählen, denen sie ausgesetzt waren. Frei von politischen Färbungen und Prägungen.

Denn im Einsatz sind wir in erster Linie Soldaten, die die eine oder andere schwere Erfahrung gemacht haben. Soldaten, die ihren Befehl ausführen. Als solche lassen wir unsere politischen Überzeugungen daheim. Dennoch halten wir es für notwendig, diese Geschichten zu veröffentlichen.

Das Herzstück unserer Tätigkeiten sind die Augenzeugenberichte. Wir sammeln Berichte von Reservisten, Männer und Frauen aus sämtlichen militärischen Aufgabebereichen spezifisch zu erlebten moralischen Zwangslagen. Dabei decken unsere Augenzeugen wirklich das gesamte politische Spektrum der israelischen Gesellschaft ab. Wir wollen, dass man die Komplexität versteht, mit der die Soldaten der IDF vor Ort umgehen müssen. Auf Basis der gesammelten Berichte konzentrieren wir uns auf zwei weitere Aktivitäten. Zum einen im pädagogischen Bereich: wir sprechen mit tausenden israelischer Jugendlicher, die kurz vor Antritt ihres Pflichtdiensts stehen, bereiten sie mit darauf vor, was sie an dem Morgen erwartet, an dem sie ihre Uniformen anlegen. Wir arbeiten mit Schulen, Jugendbewegungen etc. Auch diese übrigens aus sämtlichen Sektoren der Gesellschaft. Aber auch im Ausland investieren wir wirklich grosse Bemühungen in die Aufklärungsarbeit. Es ist unser Anliegen, die Geschichten zu veröffentlichen und ihnen auch auf internationaler Bühne Gehör zu verschaffen. Wir tun dies über die Medien, durch Vorträge im Ausland und Begegnungen mit Delegationen von dort, durch Diskussionen und Führungen vor Ort.

Mytruth-Team. Foto Iris Cohenian
Mytruth Gruppenbild. Foto Iris Cohenian

Können Sie mir in groben Zügen sagen, inwiefern sich Ihre Mitglieder und Unterstützer statistisch über das politische Spektrum Israel verteilen?

Ich zähle nicht und es interessiert mich nicht. Ich frage keinen, wo er politisch steht.

Es wäre vielleicht gerade für Leser aus dem Ausland von Interesse…

Ich sage es noch einmal in aller Deutlichkeit: wir decken das gesamte politische Spektrum ab. Wir haben Wähler sämtlicher Parteien der Knesset in unseren Reihen, mit einer Ausnahme: der »Gemeinsamen arabischen Liste«. Also auch Leute von Meretz, obgleich ich keine Zahlen angeben kann und will. Es ist für die Aktivität unseres Vereins ganz einfach nicht relevant.

Von Tag zu Tag wird deutlicher, wie wichtig unsere Organisation ist. Heute bekamen wir drei Emails, in Folge des Vorfalls mit Gabriel. Leute, die als Volontäre bei uns mitarbeiten wollen, sich mitteilen wollen. Unsere Organisation ist wirklich ein Spiegelbild der öffentlichen Meinung.

Den israelischen Konsensus?

Genau.

Sie wollten noch näher auf den Zwischenfall Netanyahu-Gabriel eingehen?

Ja. Ich glaube, und das sage ich vor allem als Bürgerin und ganz allgemein: Wenn ein offizieller Vertreter eines ausländischen Staates, mit dem wir ausgezeichnete diplomatische Beziehungen pflegen, nach Israel kommt und auch der Zivilgesellschaft begegnen möchte, dann ist das in meinen Augen bewundernswert, begrüssenswert und wichtig. Aber er wählt für diese Begegnungen nur sehr spezifische Organisationen. Und das erscheint mir ausserordentlich fragwürdig. Er kann treffen, wen er will, das ist völlig okay, aber ich hätte von einem solchen Repräsentanten erwartet, dass er sich um eine gewisse Ausgewogenheit bemüht.

Er würde Ihnen jetzt wahrscheinlich sagen, diese Ausgewogenheit bestehe darin, dass er sich mit Netanyahu und anderen Politikern trifft.

Netanyahu ist Israels Ministerpräsident, repräsentiert aber nicht die israelische Zivilgesellschaft. Wenn man deren Stimme wirklich hören will, vor allem zu so komplexen und umstrittenen Themen, muss man sich weitere Gesprächspartner suchen. Das sollten möglichst objektive Vereine sein, die die gesamte Gesellschaft widerspiegeln.
Ich bin stolz darauf, eine solche Alternative anzubieten. Dafür haben wir »My Truth« gegründet. Als der Schabaz-Bericht veröffentlicht wurde, suchte man nach einer derartigen zivilen Organisation, aber es gab keine… es gab keine objektive Stimme, die für die Soldaten sprach. Heute gibt es diese parteiunabhängige Alternative. Welchen Grund sollte es also für Gabriel geben, sich nicht auch mit Verbänden wie dem unseren zu treffen?
Das war enttäuschend und hat verletzt, auf zivilgesellschaftlicher Ebene… dass hier kein Versuch gemacht wurde, zu verstehen, was die Israelis denken, kein Versuch, Vorurteile zu überwinden und wirklich nachzuforschen… denn es laufen hier in unserer Gesellschaft so viele interessante und wichtige Prozesse ab. Vor allem seit die breite Öffentlichkeit das wahre Gesicht von »Breaking the Silence« kennengelernt hat, verstehen immer mehr Israelis, dass es an der Zeit ist, zu sprechen.

Ich habe über den Namen Ihrer Organisation nachgedacht… »meine Wahrheit«. Ist das nicht etwas problematisch? Wo es »meine« Wahrheit gibt, da gibt es auch andere legitime Wahrheiten…

Stimmt. Aber das ist nicht problematisch, im Gegenteil! Die Realität ist komplex. Meine Erfahrungen im Militär und die Erfahrungen jedes einzelnen meiner Freunde sind verschieden. Meine Wahrheit ist keine absolute, das haben wir in unserer heutigen Welt bereits begriffen. Die Wahrheit setzt sich aus all den Individuen zusammen, die an den Kampfgeschehen beteiligt waren. Was wir schlussendlich erreichen wollen, ist ein umfassendes Bild, gross, komplex und möglichst detailliert. Ein Bild, das sich aus all den Individuen zusammensetzt, die dort waren. Ihre Erfahrungen sind sehr individuell. Niemand wird ihnen widersprechen oder sie widerlegen.

Eines der Probleme mit »Breaking the Silence« sind die anonymen Zeugenberichte. Das macht es unmöglich, diese zu überprüfen und zu verifizieren. Bei uns ist alles transparent. Niemand hat ein Interesse daran, Berichte zu verzerren oder Inhalte hochzuschaukeln. In einem so kleinen Staat gibt es ohnehin keine Geheimnisse… es ist mehr als einmal vorgekommen, dass die Kampfkameraden der Zeugen von »Breaking the Silence«, Leute, die Schulter an Schulter mit ihnen gekämpft hatten, sagten: Was erzählst du da eigentlich für Geschichten?

Wie viele Zeugenberichte haben Sie inzwischen gesammelt?

Mehrere hundert. Und wir sammeln ständig weiter, denn in unserer Realität hier in Israel gibt es täglich einen Soldaten, der vor einem Dilemma steht. Es nimmt kein Ende.

Sie sind eines Tages bis zur EU vorgedrungen. Könnten Sie darüber etwas erzählen?

Ja, das war im Juni 2015. »Protective Edge« beherrschte damals noch die Schlagzeilen und den öffentlichen Diskurs. Wir wurden eingeladen, vor der Unterkommission der EU-Kommission für Menschenrechte zu sprechen, die sich spezifisch mit dieser Militäroperation befasste.

Erfolgte diese Einladung auf Initiative der EU?

Nein, das hat die israelische Botschaft vermittelt. Es war gar nicht leicht, eine Organisation wie uns dort hineinzubringen, eine Organisation, die eine etwas objektivere Haltung vertritt. Aber schliesslich wurde Matan Katzman, ein Mitglied unseres Teams, wirklich eingeladen. Neben ihm sassen die Geschäftsführerin von »Breaking the Silence«, ein Vertreter der Palästinenser und ein offizieller Vertreter des Staates Israel. Matans Bericht zufolge war die Situation sehr unangenehm, das können Sie übrigens auf Youtube sehen. Er wurde attackiert, obwohl er eine sehr persönliche Geschichte über seine schweren Erfahrungen, vor allem in Gaza, erzählte. Er wollte dem Ausschuss die Komplexität des Kampfes um das eigene Heim verdeutlichen… wenn der Kriegsschauplatz nur wenige Kilometer vom Wohnort der eigenen Familie entfernt ist und diese von den Raketen der Hamas bedroht wird. Er wollte erzählen, wie schwer es ist, auf urbanem Gebiet zu kämpfen und dort noch zwischen Hamaskämpfern und Zivilisten zu unterscheiden, die von Hamas als menschliche Schutzschilder benütz werden. Und wie er trotzdem jede Mühe auf sich nahm, um das Leben Unschuldiger zu verschonen.

Hat man ihm zugehört?

Ja. Dennoch war zu spüren, dass die Stimmung tendenziös gegen ihn war. Man fühlt sich dort sehr wohl damit, Stimmen wie »Breaking the Silence« zu hören, die zwar nur einen winzigen Teil der öffentlichen Meinung in Israel widerspiegeln, hingegen aber der politischen Agenda dienlich sind, die in den Hallen der EU vorherrscht.

Noch eine letzte kurze Frage: Wie wird  »My Truth« finanziert?

Von privaten Spenden.

Shachar, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Über Rachel Grünberger-Elbaz

Rachel Grünberger-Elbaz, geb. 1958 in München, lebt seit 1977 in Israel, wo sie zunächst ihren Studienabschluss in Soziologie, Anthropologie, Film und Fernsehen machte. Seit 1984 arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin und Dolmetscherin und ist als solche mit den kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen ihrer beiden Heimatländer - Israel und Deutschland - bestens vertraut. In jüngster Zeit ist sie auch publizistisch tätig. Rachel Grünberger ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen.

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3 KOMMENTARE

  1. Vielen Dank für dieses interessante Interview. Für mich als deutsche Staatsbürgerin war das Verhalten des Außenministers in jeder Hinsicht indiskutabel! Hier in Deutschland sind wir aktuell mit einer Medienlandschaft konfrontiert, die mehrheitlich oberflächlich, unkritisch und tendenziös agiert. Meinungsschreiberei, wohin man blickt, aber nur wenige tatsächliche Informationen über Hintergründe. Ich habe deshalb versucht, ein wenig Licht in das politische Narrativ zu bringen: http://israel.prembuch.de/gabriel.htm

  2. Liebe Auditur Online Redaktion,

    zu viel vom Schweitzer Mineralwasser steigt einem auch zum Kopf.

    Ist etwa Israel deutsche Kolonie, daß ein deutscher Beamter im Dienstrang des Außenminister oder sonst welcher Rang, einem Souveränen Staat ohne Absprache vorschreiben kann mit wem er sich bei seinem offiziellem Besuch dieses Landes treffen wird und Basta?!

    Bei jedem Staatsbesuch gelten gewisse diplomatische Regeln,
    und die hat der deutschen AM mit den Füssen getreten. Das Ihm die deutsche Regierung und Medien zujubeln ist nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, daß der Islam nicht nur zur Deutschland gehört sondern auf dem Wege ist diesen mit immer größeren Schritten zu dominieren.

    Die Kuppelei der deutschen Regierung mit Islamischen Staaten wie Iran und Abhängigkeit von der Türkei des Hrn. Erdogan, wie auch nicht nur der offizielle Schmusekurs mit Terroristen Führern sondern deren aktive Unterstützung auf EU und UN Organisationen politischer Ebene und mit Millionen (wenn nicht Milliarden seit den später 60-zigern) von Euro Steuergelder
    trotz dessen, daß diese auch ihre eigene Bevölkerung knechten, sieh Hr. Abbas im palästinensischem Autonomiegebiet und Hamas in Gaza, deren heiligster Zweck die Vernichtung des Staates Israel und aller Juden Weltweit ist hat mehr als nur einen bitteren Beigeschmack bei einem Land das Verantwortung trägt für Vernichtung von 6 Millionen Juden, nur weil sie Juden waren und keine Kriegsgegner!

    Es ist eine beispiellose Augenwischerei und Heuchelei ohne gleichen dem israelischen PM Hrn. B. Netanyahu, und den Millionen von israelischen Staatsbürgern, die Notwendigkeit seiner und deren Sichtweise zur Sinn und Tätigkeit, von denen von der EU gegründeten und finanziell voll abhängigen NGO’s wie „Breaking the Silence“ und „B’Tselem“ zur Unterminierung der israelischen Gesellschaft, zu verlangen und weiterhin den naiven dummen und blinden zu spielen.

    Ich finde es lächerlich über „Moral“ der Schweitzer Armee im Vergleich zur IDF zur sinnieren. Höchstens wenn Sie denn Beispiel der Päpstlichen Schweizer Garde erwähnen würden.

    Da die Schweiz war ein „neutrales Land“ im II WK aber de facto sich verhalten hat wie das Vichy-Regime im Süd Frankreich im Bezug auf Jüdische Flüchtlinge die dem Nazi Terror zu entkommen suchten. Spätere Rechtfertigungsversuche, daß nach der damaligen Gesätzeslage nur politisch Verfolgten Asyl zu gewähren war, ist reine Kakophonie bei so Hochmoralischer Schweiz. Also lassen wir das.

    PS: Auch die Schweiz zahlt Ihren Beitrag zu der Üppiger „Unterstützung“ palästinensischen Terrors und so mancher Schweizer Politiker Bezeichnet deren Führer als seine Freunde?!

    Antisemitismus und Judeophobie sind Phänomene die seit der Römischen Eroberung des Judenreiches, Judäa und Samaria, und Zerstörung von Jerusalem und des Tempels nach Jüdischen Rebellionen und der Vertreibung der meisten Juden aus Ihrem Land. Durch die Umbenennung dessen von Provinz Judäa in Provinz Syria-Palestina, sollen die Juden total entwurzelt werden. Kein anderes von den Römern erobertes Landstrich wurde ähnlich behandelt, d.h. extra umbenannt.

    Das Christentum bediente sich einer Lüge bei der Erzählung von Jesus Kreuzigung durch die Römer um diese den Juden für die Ewigkeit anzulasten.

    Der Islam pervertiert die von der Jüdischen Religion gegebene universalen 10 Gebote zur Gänze und fordert seine Gläubiger zur Ermordung von Juden, Christen und allen die sich dem Islam und seiner Ausbreitung über die ganze Welt widersetzen auf. Dabei werden insbesondere die Juden in dessen Schriften entmenschlicht und verteufelt. Auch den Muslimen die zur Apostaten werden oder Homophob sind droht der Todt und bei anderen Verfehlungen
    drakonische Strafen nach Scharia.

    Über Jahrhunderte gelten dann die verstreuten Juden als willkommener Sündenbock für alle Gelegenheiten. Ob persönlichen und dann religiösen, wie auch bei Luther den die angebetete Jüdin ablehnte und somit sein Haß auf alle Juden projizierte, oder aus wirtschaftlichen, Herrschaft süchtigen Gründen, bzw. um Natur Plagen oder Krankheit Epidemien zu erklären.

    Deswegen meint ein deutscher Minister, und nicht nur der: „Was erlaubt sich plötzlich der Jud!“

  3. Ein Danke für obigen Bericht über diese Initiative zur Verteidigung des israelischen Rechtsstaates gegen seine scheinheiligen „Kritiker“.

    Dass Sigmar Gabriel einen klärenden Anruf von Netanjahu nicht angenommen hat, zeigt nicht nur deutlich, was für eine erbärmliche Gestalt er ist, sondern dass er mit einer Annahme des Anrufes seine eigentliche Agenda und seinen anschließenden publikumswirksamen Auftritt als angeblicher Verteidiger der israelischen Zivilgesellschaft gefährdet sah.

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