Szene aus Schindlers Liste, ein Spielfilm von Steven Spielberg. Foto Screenshot Youtube
Szene aus Schindlers Liste, ein Spielfilm von Steven Spielberg. Foto Screenshot Youtube

Seit Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ ist der deutsche Geschäftsmann Oskar Schindler ein Symbol für Zivilcourage. Mit Tricks hat er die Nazis überlistet und so mehr als 1.000 Juden das Leben gerettet. Am 28. April wäre der 1908 in Zwittau geborene Schindler 99 Jahre alt geworden. Zu Ehren Schindlers hat Werner Schneider beim Bonner Bernstein-Verlag eine Würdigung des widersprüchlichen Lebemannes, NSDAP-Mitgliedes und des einzigartigen Judenretters verfasst.

Im Buch finden sich spannende Details. So hatte sich Schindler 1939 eine polnische Soldatenuniform besorgt, die in Berlin nachgeschneidert wurde und mit der sich deutsche Wehrmachtssoldaten verkleideten, als sie vor Ausbruch des 2. Weltkriegs den polnischen Sender Gleiwitz überfielen.

Schneider analysiert auch Spielbergs Film und erklärt symbolische Szenen, die dem Zuschauer des Films vielleicht nicht sofort verständlich sind.

Spannend sind die komplizierten Verwicklungen zwischen der SS, Schindler als Fabrikherr und dem Versuch, seine jüdischen Arbeiter zu retten, indem sie in seiner Fabrik arbeiten dürfen. Der Kriegsgewinnler Schindler liess seine Juden „siegesentscheidende“ Munition herstellen. Für seine Arbeiter musste er 5 Reichsmark pro Tag an die SS-Verwaltung entrichten. Die Widersprüche im Leben Schindlers machen am Ende Sinn und zeigen, dass er eine sehr ungewöhnliche Persönlichkeit war.

In „Schindlers Koffer“ voller Dokumente, die auf einem Dachboden in Hildesheim gefunden und über die Stuttgarter Zeitung von Ulrich Sahm an Yad Vashem, die bedeutendste Gedenkstätte die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und sie wissenschaftlich dokumentiert, in Jerusalem übergeben worden sind, befand sich eine Antwort Schindlers auf die Frage: Warum?

Oskar Schindler mit einer Gruppe ehemaliger Insassen von Brünnlitz, 1947. Foto Yad Vashem
Oskar Schindler mit einer Gruppe ehemaliger Insassen von Brünnlitz, 1947. Foto Yad Vashem

Er war ein gehorsamer Nazi und verdiente gut mit seinen Geschäften. Mit seinem Einsatz für die Juden setzte er sein Leben, sein Vermögen und alles andere aufs Spiel. In einem Brief an Dr. Ball-Kaduri von Yad Vashem schrieb er 1956, das „rein erziehungsmässige Gefühl des Gehorsams“ aufgegeben zu haben, um nur noch “dem Gefühl der eigenen Urteilsfähigkeit, der Menschlichkeit und dem Mitleid Platz zu geben“.

Beschrieben ist in dem Buch auch, wie Schindler in Israel als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt wird, von seinen geretteten Juden über Wasser gehalten wird und 1974 völlig verarmt in Hildesheim im Hospital stirbt. Sein Grab in Jerusalem auf dem Zionsberg ist bis heute eine Touristenattraktion.

Oskar Schindler – Steven Spielberg, Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt. gebunden, 104 Seiten ISBN: 978-3-945426-24-1, Bernstein-Verlag
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Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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