Von Berlin über Bern bis Beirut. Radikale Netzwerke wie «Masar Badil» fördern systematisch den bewaffneten Kampf gegen Israel und stärken die Unterstützung für Terrorgruppen.
Vor einem Jahr überfiel die Hamas den Süden Israels. Die Terroristen töteten mehr als 1.200 Menschen, vergewaltigten und verschleppten Zivilisten. Noch am selben Tag verteilten junge Männer auf der Sonnenallee in Berlin-Neukölln Süssigkeiten – ein Zeichen der Freude. Seitdem beziehen sich propalästinensische Aktivisten immer wieder positiv auf den bewaffneten Kampf gegen Israel und die Hamas. Selbst junge Linke scheinen auf Demonstrationen und in sozialen Medien die Massaker der Hamas oder die Raketen der Huthi-Milizen und der Hisbollah offen zu begrüssen. Wie konnte es dazu kommen?
Recherchen des Vereins democ zeigen nun, dass die Organisation «Masar Badil» jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit spätestens ab November 2020 ein Netzwerk in Westeuropa aufgebaut hat, das seit Jahren auf genau diese Annäherung hinarbeitet. Über «Masar Badil» und seine Strukturen in Deutschland berichtete auch ZDF frontal am 8. Oktober 2024.
Die democ-Recherchen belegen, dass die Hamas und andere Terrororganisationen mit Wohlwollen auf die propalästinensischen Proteste blicken und sie den bewaffneten Terror und den Protest auf der Strasse als zwei Seiten einer Medaille im Kampf gegen den jüdischen Staat betrachten.
«Masar Badil» wirbt innerhalb der palästinensischen Diaspora in Europa, Kanada, den USA und Brasilien für den bewaffneten Kampf gegen Israel. Der 7. Oktober wird von Aktivisten immer wieder als „glorreicher Tag“ bezeichnet. Mehrere Führungskräfte und Aktivisten der Organisation leben auch in Deutschland. Mit Seminaren, Demonstrationen und Konferenzen wird versucht, ein breites Bündnis gegen den jüdischen Staat zu schmieden. Dazu lädt «Masar Badil» ranghohe Vertreter der Hamas, des Palästinensischen Islamischen Jihads und der jemenitischen Huthi-Rebellen ein. Auf diese Weise eröffnen sie Israelfeinden und Terrorsympathisanten in Europa einzigartige Zugänge zu diesen Akteuren.
Am 9. Oktober fand eine Konferenz von «Masar Badil» in Madrid statt. Die Organisation operiert seit 2021 in Spanien und unterhält auch Niederlassungen im Libanon und in Brasilien. Die Organisation ACOM (Acción y Comunicación sobre Oriente Medio), die sich für die Rechte von Juden in Spanien und die Unterstützung des Staates Israel einsetzt, hat in den letzten Monaten wiederholt versucht, diese Veranstaltung zu verhindern. ACOM wies auf die Verbindungen von Masar Badil zu terroristischen Organisationen hin und betonte, dass die Konferenz eine Plattform für die Verherrlichung von Terrorismus bieten würde. Trotz dieser Bemühungen, die in einer Petition an das spanische Nationalgericht gipfelten, fand die Konferenz dennoch statt.
Während der Konferenz und der dazugehörigen Demonstrationen wurden zahlreiche Aussagen gemacht, die auf die Unterstützung und Verherrlichung von Terrorakten abzielten. Teilnehmer riefen Parolen wie: «Ja, wir sind hier, um den 7. Oktober zu feiern!», was sich eindeutig auf den grausamen Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 bezog, bei dem über 1.200 Menschen durch Hamas-Terroristen ermordet wurden. Es wurde auch ausdrücklich erklärt, dass dieser Tag «kein dunkler Tag sei», sondern «der Tag des Versprechens der Befreiung», was die ideologische Unterstützung für den Terrorismus verdeutlicht.
Die Tatsache, dass die spanische Regierung trotz der klaren Beweise, die ACOM vorgelegt hatte, nichts unternahm, um die Veranstaltungen zu stoppen, ist alarmierend. Dies zeigt nicht nur eine passive Haltung gegenüber antisemitischen und terroristischen Ideologien, sondern lässt auch Raum für die Verbreitung von Hass und Gewalt in der spanischen Gesellschaft.
Während «Masar Badil» selbst als Kaderstruktur mit einigen Dutzend Aktivisten zu verstehen ist, nehmen an Seminaren und Demonstrationen Personenzahlen im dreistelligen Bereich teil.
So war knapp einen Monat nach dem Angriff der Hamas auf Einladung von «Masar Badil» der Sprecher der Hamas, Hossam Badran, Gast eines Online-Seminars. Badran ist selbst für zahlreiche Selbstmordattentate während der zweiten Intifada verantwortlich. «Ich spreche zu euch direkt aus dem Herzen des Kampfes und aus langer Erfahrung im Widerstand. Eure Bewegungen sind sehr wichtig», erklärte der Hamas-Sprecher dem Publikum. «Wir glauben, dass Sie eine wichtige Rolle dabei gespielt haben, das zionistische Narrativ umzukehren, das den Widerstand als barbarisch und terroristisch darstellte.»
Gleichzeitig agiert «Masar Badil» in Europa als verlängerter Arm verschiedener Terrororganisationen aus dem Nahen Osten. In einem Online-Seminar mit Ali Abu Shaheen, einem hochrangigen Vertreter des Palästinensischen Islamischen Dschihad, erklärt der «Masar Badil»-Aktivist Mohammed Khatib: «Wir haben Vertrauen in den palästinensischen Widerstand, in seine Einschätzungen, Analysen und Entscheidungen».
Unbehelligt durch die Schweiz
Mohammed Khatib, der EU-Koordinator von «Samidoun», einer von Israel und anderen Ländern verbotenen antisemitischen Terrororganisation, die der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) nahestehen, reiste noch bis mindestens März 2024 unbehelligt auch durch die Schweiz.

Zuletzt tauchte er in Bern am 9. März auf, angekündigt als «Special Guest» und Redner an einer Veranstaltung zum Thema «Der palästinensische Widerstand und die Aussichten auf eine Mobilisierung in den europäischen Ländern» im laut Tourismus Bern «familiären, gastronomischen Treffpunkt und ausschweifenden Clubbetrieb» Kapitel Bollwerk.
Wie Recherchen von Audiatur-Online weiter zeigten, lud der linksextreme marxistisch-leninistische «Revolutionäre Aufbau» den PFLP-Mann Khatib im Januar in die von Steuergeldern finanzierte Zürcher «Zentralwäscherei» zu zwei Anlässen ein.
Nasr al-Din Amer, stellvertretender Leiter der Medienbehörde der jemenitischen Huthis und Vorstandsvorsitzender der Nachrichtenagentur Saba, ruft in einem anderen Seminar technisch versierte Sympathisanten zur direkten Unterstützung auf: «Menschen mit technischen und ingenieurwissenschaftlichen Kenntnissen können direkt mit Widerstandsgruppen in Palästina in Kontakt treten oder, wenn das schwierig ist, mit anderen engagierten Gruppen ausserhalb Palästinas».
Die Recherchen zeigen, dass der Schulterschluss von Islamisten und Linken im Kampf gegen Israel kein Zufall ist, sondern das Ergebnis strategischer Überlegungen militanter Akteure im Nahen Osten. Und sie zeigen, dass es starke personelle Überschneidungen zwischen «Masar Badil» und der PFLP-nahen Organisation «Samidoun» gibt, die Anfang November 2023 vom deutschen Bundesinnenministerium verboten wurde.
Zu der Gruppierung «Masar Badil» sagte Linus Kebba Pook vom Verein democ: «Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt koordiniert ‘Masar Badil’ den Zusammenschluss von Islamisten und Linken im Kampf gegen Israel. Nach dem Samidoun-Verbot beteiligen sich ehemalige Aktivisten an Online-Events. Weit vor dem 7. Oktober haben die Mitglieder dafür gekämpft, die Grenze der propalästinensischen Solidarität auf den bewaffneten Kampf auszuweiten. Keine andere Gruppierung macht es Sympathisanten des palästinensischen Terrorismus so einfach, direkt in Kontakt mit Hamas, Huthi-Rebellen oder dem Palästinensischen Islamischen Djihad zu treten.»

Die Frage, wie lange man noch zusehen will, wie sich linksextreme Gruppierungen und Personen, die Hamas-Massaker feiern, auch in der Schweiz weiter ausbreiten, wurde an dieser Stelle bereits im März gestellt. Gebessert hat sich nichts, wie die jüngste «pro-palästinensische» Demonstration in Basel oder der «Palästina-Block» der Lohndemo der Gewerkschaften gezeigt haben.





















