Foto Hamas Website
Foto Hamas Website
Lesezeit: 4 Minuten

Die Fotos und insbesondere die Videos von Hamas‘ Gedenkfeier zum 31. Jahrestag auf dem Katiba-Platz in Gaza erwecken den Eindruck einer lebendigen, äusserst populären Bewegung nach 11 Jahren Herrschaft über Gaza. Der Eindruck ist offensichtlich falsch.

 

Von Prof. Hillel Frisch

Die Hamas tat ihr Bestes, um den Eindruck zu erwecken, dass riesige, begeisterte Menschenmassen an der jüngsten Gedenkfeier zum 31. Jahrestag auf dem Katiba-Platz in Gaza teilnahmen. Das Ziel war es, das Bild einer lebendigen Bewegung zu vermitteln, die auch nach 11 Jahren der Herrschaft über Gaza äusserst populär ist.

Zweifellos war das Ereignis beeindruckend, nicht zuletzt, weil die israelische Luftwaffe im November den Übertragungsstandort von al-Aqsa TV zerstört hat. Die Hamas bewies, dass sie trotz der Zerstörung des Geländes live übertragen konnte und die Veranstaltung selbst zeigte ein hohes Mass an organisatorischer Effizienz.

Frauen und Männer wurden durch einen Korridor von Hamas-Funktionären in Militärkleidung und gelben Westen getrennt. Grüne Fahnen waren reichlich vorhanden und das tiefe Podium war beeindruckend geschmückt. Die Reden und die Einlagen, von denen eine einen israelischen Soldaten zeigte der sich vor seinen Wachen kauerte, waren gut inszeniert. Kurz gesagt, die Veranstaltung verlief wie am Schnürchen.

Doch es verrät uns wenig über die Popularität der Hamas. Die Ereignisse auf dem Tahrir-Platz in Kairo sind in dieser Hinsicht eine lehrreiche Erinnerung. Die riesige Menschenmenge, die sich dort vor und während der Herrschaft von Morsi versammelt hatte, schien den Volkswillen zu widerspiegeln und darauf hinzudeuten, dass die Demonstranten das ägyptische Militär und den „Staat im Staat“, der es unterstützt (die juristischen, wirtschaftlichen und klerikalen Bürokratien, die Ägypten seit 1952 regieren), besiegt hatten.

Doch das entscheidende militärische Wiedererstarken, wie es sich in der Übernahme der Präsidentschaft durch Sisi und der Inhaftierung von Morsi widerspiegelt, verdeutlichte die Gefahr, aus Menschenmassen auf den Plätzen politische Rückschlüsse zu ziehen.

Es handelt sich um eine einfache mathematische Berechnung. Der Tahrir Square kann maximal 350.000 Menschen aufnehmen (ich habe dies mit Hilfe von Google Maps berechnet). Selbst wenn sie in die nahegelegenen Strassen strömten, überschritt die Menge nie eine halbe Million – etwa 1% der erwachsenen Bevölkerung Ägyptens. Im Rückblick haben die meisten der 99%, die nicht demonstriert haben, die „Revolution“ längerfristig nicht unterstützt. Der Beweis dafür ist, dass die Muslimbruderschaft während des Showdown nicht viele Menschen mobilisieren konnte, um sich der militärischen Konterrevolution zu widersetzen.

Dasselbe kann man von der Hamas sagen.

Zunächst verzichtete die Hamas darauf, ihre Gedenkfeier auf dem grössten Platz Gazas – dem Platz des unbekannten Soldaten – abzuhalten. Stattdessen wählte sie den kleineren „Sahat al-Katiba al-Khudara“, einen Platz in der Nähe der Islamischen Universität, einer Hamas-Hochburg. Er hat eine Fläche von 21.000 Quadratmetern, im Vergleich zu über 60.000 Quadratmetern beim Platz des unbekannten Soldaten.

Spezialisten für den Verkehrsfluss (in der Regel Ingenieure mit Ausbildung) nennen zwei Personen pro Quadratmeter als das höchste Mass an Sicherheit in einer Menschenmenge. Eine höhere Dichte, kann nur von professionellen Truppen in militärischer Formation erreicht werden.

Fotos von der Gedenkveranstaltung zeigen deutlich, dass die Teilnehmerzahl 42.000 oder weniger als 3% der Erwachsenenbevölkerung im Gazastreifen nicht überschritten haben dürfte. Diese Zahl erklärt, warum die Hamas den kleineren Platz gewählt hat.

Die Schatten-(und echte) Hamas-Regierung hat 51.000 militärische und zivile Mitarbeiter auf ihrer Gehaltsliste, von denen viele von ihnen von den 30 Millionen Dollar profitieren, die Katar in Gaza in bar verteilt hat. Sie mussten zur Gedenkfeier erscheinen, da sie seit dem Frühjahr darauf gewartet haben, die Hälfte ihres Gehalts zu erhalten. Seit Anfang 2014, als Sisi die meisten Schmuggeltunnel schloss, hat die Hamas keine vollen Gehälter gezahlt.

Es gibt natürlich weitaus bedürftigere Gaza-Bürger als die Mitarbeiter der Hamas; aber die finanzielle Unterstützung Katars für die Hamas hat mehr mit der bitteren Fehde der Organisation mit der Palästinensischen Autonomiebehörde (und allgemeiner – mit der eigenen Fehde Katars mit Saudi-Arabien und den VAE) als mit dem Wunsch nach humanitärer Hilfe zu tun.

Die entscheidende Frage ist, ob die Hamas es vorziehen wird, den Bedürfnissen ihrer Bürokratie gerecht zu werden und sich so „zähmen“ zu lassen um den Frieden zu wahren, oder an dem Weg der Aggression festhalten wird, den sie im April 2018 mit den „Rückkehrmarsch“ -Protesten erneuert hat.

Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Zwischen Katar das eine zahme, aber unabhängige Hamas will und dem Iran der Blutvergiessen an der Südfront Israels will. Das Problem für die Hamas ist, dass sie von beiden Geld braucht.

Prof. Hillel Frisch ist Professor für Politikwissenschaft und Nahoststudien an der Bar-Ilan University und Senior Research Associate am Begin-Sadat Center for Strategic Studies. Dies ist eine bearbeitete Version eines Artikels, der am 2. Februar 2019 in The Jerusalem Post erschien. Übersetzung Audiatur-Online.

Diesen Beitrag teilen
  • 70
  •  
  • 1
  •  
  •  
  •  
  •  
  • 5
  •  
  •  

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.