Trauerfeier für koptische Christen, die bei einem Hinterhalt getötet wurden. Foto Screenshot Youtube / Euronews
Trauerfeier für koptische Christen, die bei einem Hinterhalt getötet wurden. Foto Screenshot Youtube / Euronews

Am 2. November lauerten schwer bewaffnete islamische Terroristen Christen auf und ermordeten sie, als sie von einem Besuch des uralten Klosters des Heiligen Samuel in Minya, Ägypten, zurückkehrten.

 

von Raymond Ibrahim

Sieben Pilger – darunter ein 12-jähriges Mädchen und ein 15-jähriger Junge – wurden erschossen. Mehr als 20 wurde durch Kugeln oder Scherben aus den Fenstern des Busses verletzt. „Ich bete für die Opfer, Pilger, die ermordet wurden, nur weil sie Christen waren“, sagte Papst Franziskus nach dem Überfall.

In sozialen Medien gepostete Bilder zeigen „blutverschmierte Leichen und verzerrte Gesichter von Männern und Frauen.“ In einem der geposteten Videos kann man einen Mann weinen hören: „Der Schuss hat dich in den Kopf getroffen, mein Junge!“ und immer wieder: „Was für ein Verlust!“

Nachdem der erste und grösste Bus den Hinterhalt passiert hatte, kamen die Terroristen in schwarzen Allradfahrzeugen heraus und eröffneten mit automatischen Waffen das Feuer auf den zweiten Bus. Sechs Pilger wurden verletzt, darunter ein kleines Kind. Glücklicherweise gelang es dem Busfahrer, zu entkommen und davonzurasen, woraufhin die Terroristen begannen, auf den dritten und kleinsten Bus zu schiessen, als dieser sich näherte. Nachdem der Fahrer getötet worden war, umringten sie den zum Stehen gekommenen Minibus und eröffneten von allen Seiten das Feuer. Im Bus befanden sich 20 Menschen – 14 Erwachsene und sechs Kinder – alle aus einer einzigen Grossfamilie, die das Kloster besucht hatte, um zwei der Kinder taufen zu lassen.

Die Terroristen öffneten zunächst die Hecktür, um festzustellen, wer noch am Leben war. Dann schossen sie allen Männern in den Kopf und allen Frauen und Kindern in die Fussgelenke oder Beine.

Eine Überlebende, die in die Beine getroffen wurde, erinnert sich in einem Video nur noch, dass auf allen Seiten ihres Busses plötzlich Schüsse losbrachen. Als ihr klar wurde, was da gerade geschah, sah sie auch schon Teile des Gehirns ihres Schwagers in ihrem Schoss.

Eine andere Frau flehte die Dschihadisten an, auch sie zu töten, nachdem sie erkannt hatte, dass ihr Mann und ihre Tochter ermordet worden waren. Sie sagten: „Nein, du bleibst am Leben und sollst wegen deinem Mann und deiner Tochter leiden.“ Dann schossen sie ihr in die Fussgelenke, damit sie nicht davonlaufen konnte.

In einem anderen Bericht sagte eine andere Überlebende, die Terroristen hätten zu ihr gesagt: „Wir werden die Männer und Kinder töten, damit ihr den Rest eures Lebens in Trübsal verbringt.“

So gut wie alle Überlebenden erlitten „einen Nervenzusammenbruch wegen der Dinge, die sie erleben mussten, und befinden sich im Krankenhaus.“

Der koptische Bischof Anba Makarios aus Minya bestätigte, dass „die Pilger auf so barbarische und sadistische Weise ermordet“ wurden, „als ob sie feindliche Soldaten wären, dabei waren sie nur einfache Christen, die den Segen eines Klosters gesucht hatten.“

Die Reaktionen unter den Christen in Ägypten ähnelten denen bei früheren Vorkommnissen. „Oh mein Gott, diese Kinder waren Schüler meiner Schule!“, schluchzte ein Lehrer vor Ort. „Ich kann nicht fassen, dass sie jetzt tot sind!“

Am Tag nach dem Überfall warf die ägyptische Regierung mehr Fragen auf als Antworten zu geben. Sie gab bekannt, man habe 19 Terroristen getötet, die man für am Angriff vom 2. November Beteiligte hielt. Wie ein Bericht vermerkte:

„Jetzt, wo die Verdächtigen tot sind, lässt sich nicht mehr überprüfen, ob sie an dem Überfall am Freitag beteiligt waren. In der christlichen Gemeinschaft in Ägypten breitet sich mehr und mehr Furcht aus.“

In einem weiteren Bericht hiess es, die Fotos der Regierung von den getöteten angeblichen Terroristen „sehen inszeniert aus, ähnlich wie bei Vorfällen in der Vergangenheit, wo ägyptische Sicherheitskräfte mutmassliche Terroristen exekutiert haben.“

Der Überfall war regelrecht eine Kopie eines anderen vom 26. März 2017. Islamistische Bewaffnete hatten Bussen mit Christen aufgelauert, die vom selben Kloster zurückkehrten. Achtundzwanzig Christen – zehn davon Kinder, darunter zwei Mädchen im Alter von zwei und vier – wurden ermordet. Nach Darstellungen auf Grundlage von Augenzeugenberichten hatten die Terroristen den Passagieren befohlen, den Bus in Gruppen zu verlassen:

„…als die Pilger einzeln den Bus verliessen, wurden sie aufgefordert, ihrem christlichen Glauben abzuschwören und sich zum Islam zu bekennen, aber sie alle – sogar die Kinder – lehnten dies ab. Jeder von ihnen wurde kaltblütig durch einen Schuss in Kopf oder Hals ermordet.“

In einem Gespräch mit Bischof Makarios über das jüngste Massaker meinte ein Fernsehjournalist: „Das ist eine Kopie des gleichen Ereignisses am gleichen Ort vor einem Jahr und fünf Monaten – wie kann so etwas sein? Was bedeutet das?“ Makarios antwortete: „Um ehrlich zu sein, diejenigen, die diese Frage am ehesten beantworten könnten, sind die staatlichen Behörden… Ich schliesse mich Ihnen an und stelle die gleichen Fragen.“

„Dass der gleiche Überfall am gleichen Platz wieder stattgefunden hat, bedeutet nur, dass trotz aller Versprechen der Schutz der christlichen Minderheit in Ägypten nicht auf der Agenda der Regierung steht“, sagte Magdi Khalil, ägyptischer Politologe und Herausgeber der ägyptischen Wochenzeitschrift Watani International, dem Gatestone Institute am Telefon.

Trotz der vielen versöhnlichen und brüderlichen Worte des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi an die christlichen Minderheiten des Landes haben sie unter seiner Regentschaft mehr gelitten als unter jedem anderen ägyptischen Führer der Neuzeit, teilweise, weil der IS während seiner Regierungszeit seinen Aufstieg erlebte. Im Dezember 2017 ermordete ein Schütze 10 Kirchgänger in einer Kirche in Helwan. Ein Jahr zuvor wurden bei einem doppelten Überfall auf Kirchen 29 Christen umgebracht. An Palmsonntag im April 2017 fielen beinahe 50 Menschen Selbstmordanschlägen in zwei Kirchen zum Opfer, über hundert wurden verletzt.

Auch wenn es durchaus verständlich ist, dass el-Sisi die Terroristen nicht vollständig ausmerzen kann, gibt es Hinweise, dass die Regierung selbst an der Verfolgung ägyptischer Christen beteiligt ist. Laut dem Weltverfolgungsindex 2018 sind ägyptische „Beamte auf allen Ebenen, von der örtlichen bis zur nationalen, durchaus mitverantwortlich“ für die „Unterdrückung“ der Christen in Ägypten. „Regierungsbeamte“, so fügt der Bericht hinzu, „fördern die Verfolgung auch dadurch, dass sie die Rechte von Christen nicht durchsetzen und durch ihr diskriminierendes Verhalten, das die fundamentalen Rechte von Christen verletzt.“

Coptic Solidarity, eine in Washington, D.C. ansässige Organisation für die Menschenrechte von Christen in Ägypten, verurteilte den Überfall vom 2. November in einer Pressemitteilung:

„Coptic Solidarity wiederholt die Feststellung, die nach dem Überfall im Mai 2017 veröffentlicht wurde, nämlich dass die ägyptische Regierung die christliche Minderheit nicht ausreichend geschützt hat. Coptic Solidarity ist der festen Überzeugung, dass dieser Gewaltakt nicht von ausländischen Terroristen verübt wurde, wie die ägyptische Regierung die Welt gerne glauben machen möchte, sondern dass es sich um ein inländisches Problem handelt, eines, das einer Kultur von Hass und Straflosigkeit innerhalb Ägyptens entspringt.

Daher macht Coptic Solidarity die ägyptische Regierung vollumfänglich verantwortlich und fordert sie zu einer transparenten Untersuchung dieser Überfälle auf und ausserdem dazu, endlich ernsthafte Massnahmen zu ergreifen, weitere Angriffe zu verhindern. Wir erwarten von Präsident el-Sisi zumindest, den Leiter der Staatssicherheit und den Gouverneur von Minya zu entlassen, als deutliches Zeichen dafür, dass Beamte zur Verantwortung gezogen werden. Darüber hinaus fordert Coptic Solidarity angesichts des fortdauernden Versagens der Regierung beim Schutz der Kopten eine unabhängige Untersuchung durch die Vereinten Nationen, um die Situation der Kopten zu bewerten, erforderliche Massnahmen zur Erleichterung ihrer immer schwieriger werdenden Lage zu empfehlen und eine Wiederholung der tragischen Lage der Christen im Irak und Syrien zu verhindern.“

„Unser Leben hat sich in eine Hölle verwandelt“, sagte ein Mann. „Ich bin Kopte und verfluche mich jeden Tag dafür, dass ich [el-Sisi] an die Macht gebracht habe. Er hat uns im Stich gelassen. Er hat uns verkauft.“

„Wer kann solche Vorfälle akzeptieren?“, fragte ein weiterer Christ in einer Diskussion über das jüngste Massaker. „Jeden Tag gibt es zahlreiche Vorfälle, bei denen Christen zu Schaden kommen. Wir müssen unser Land verlassen und von hier verschwinden. Ich bin so erschöpft… es ist so düster und dunkel dieser Tage.“

Raymond Ibrahim ist Distinguished Senior Fellow am Gatestone Institute und Judith Rosen Friedman Fellow am Middle East Forum. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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