Steinmeier legte als erster deutscher Bundespräsident einen Kranz am Grab von Jassir Arafat nieder. Foto Facebook / Aleqtisady / Youm7
Steinmeier legte als erster deutscher Bundespräsident einen Kranz am Grab von Jassir Arafat nieder. Foto Facebook / Aleqtisady / Youm7

Am 22. Mai tritt der neue amerikanische Präsident Donald Trump einen zweitägigen Besuch in Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten an. Trump wird mit seiner Air Force One direkt von Saudi-Arabien zum Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv fliegen. Zuvor trifft er den Papst im Vatikan.

In Israel fällt der Besuch mit den Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung Jerusalems vor genau 50 Jahren während des 6-Tage-Krieges von 1967 zusammen.

Keine Verneigung vor Arafat

Es hat sich inzwischen eingebürgert, dass Staatsbesucher in Israel immer auch einen Abstecher nach Ramallah machen um dort den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas zu treffen. Nach Angaben der israelischen Zeitung Israel Hayom sollte Trump in der Mukata, dem Hauptquartier von Abbas, zu Fuss zur Empfangszeremonie mit rotem Teppich und Ehrengarde laufen.

Dem Vorbereitungsteam des US-Präsidenten fiel auf, dass Trump so hätte abgelichtet werden können, wie er am Mausoleum Arafats am Eingang der Mukata vorbeiläuft. Für die Palästinenser wäre das nach eigenen Angaben eine Chance gewesen, daraus eine Ehrerweisung für die Ikone des „palästinensischen Widerstands“ zu machen. Diese Planung der Ankunft Trumps sei kein „Zufall“ gewesen, bestätigten Berater von Abbas gegenüber der israelischen Zeitung. Doch die amerikanischen Beamten des Vorbereitungsteams durchschauten das palästinensische Manöver und machten dem einen Strich durch die Rechnung. Es hätte dem Präsidenten in den USA eine „unangenehme Zumutung“ eingebracht und zudem eine „diplomatische Krise mit Israel“ ausgelöst. Die Geheimdienstleute und der Sicherheitsdienst von Trump wurden beauftragt, eine „alternative Route“ zu finden.

Diese amerikanischen Rücksichtsnahmen sind umso erstaunlicher, als doch erst vor wenigen Tagen erstmals ein deutscher Bundespräsident ohne Rücksicht auf israelische und vielleicht sogar deutsche Empfindlichkeiten das Grabmal Jassir Arafats besucht hat, sich dort verbeugt und einen Kranz niedergelegt hat.

Olympia 1972 in München: Folter und Mord auf Befehl Arafats

2015 erhielten die Witwen der 1972 bei den olympischen Spielen bestialisch ermordeten israelischen Sportler erstmals Einsicht in 43 Jahre lang von den deutschen Behörden zurückgehaltene Akten von dem Terrorüberfall des von Jassir Arafat befehligten Kommandos „Schwarzer September“. Dabei erfuhren die Frauen, dass ihren Männern die Knochen gebrochen und dass Ilan Romano gar bei lebendigem Leibe die Genitalien abgeschnitten worden waren, ehe sie ermordet worden waren.

Man darf davon ausgehen, dass auch der damalige Aussenminister Frank Walter Steinmeier vor zwei Jahren die entsprechenden Artikel beim Spiegel und anderswo gelesen hat. Dennoch pilgerte das Staatsoberhaupt Deutschlands jetzt zum Grab Arafats und neigte sein Haupt.

So eine Geste könne sich der amerikanische Präsident nicht erlauben, ohne daheim einen Proteststurm auszulösen.

Wie die Jerusalem Post berichtete, wird Trump mit dem Helikopter vom Flughafen nach Jerusalem fliegen. Er will die Altstadt Jerusalems besuchen, wobei angeblich unsicher ist, ob er dabei auch zur Klagemauer gehen wird. Palästinenser meldeten schon Proteste an und behaupteten: „Die gehört euch nicht“. Eine heftige diplomatische Kontroverse brach aus, als Beamte des pro-palästinensischen amerikanischen Konsulats erklärten, dass Trump die Klagemauer im Rahmen einer „privaten“ Visite besuchen werde. Ein Angebot des israelischen Premierministers, Trump zu der Heiligsten Stätte des Judentums zu begleiten, wurde von den Amerikanern ausgeschlagen, weil die Klagemauer nach deren Ansicht „zur Westbank“ gehöre, und nicht zu Israel. Das Premierministeramt wollte diese Erklärung nicht akzeptieren und versagte augenblicklich den Amerikanern jegliche Unterstützung bei den Vorbereitungen zum Besuch an der Klagemauer. Ebenso funkte Jerusalem Anfragen an die amerikanische Regierung, ob das nun die offizielle Position des Präsidenten sei.

Kurz zuvor begab sich der frisch akkreditierte neue US-Botschafter David Friedman zur Klagemauer, wo er ein Gebet für seine Familie und für den Präsidenten (Trump) sprach und die verwitterten Steine küsste. Friedman ist in den USA als Freund und Unterstützer von israelischen Siedlungen umstritten.

US-Präsident Trump plant auch Abstecher nach Bethlehem und zur Festung Massada am Toten Meer. 10.000 israelische Sicherheitsleute, darunter Polizei, Geheimdienst, Anti-Terroreinheiten und weitere Sicherheitskräfte werden Trump in Absprache mit dem israelischen und dem amerikanischen Geheimdienst beschützen.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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