"Feuer den Synagogen." Graffiti in Rom Juli 2014. Foto ZVg
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Auch in Italien hat sich die Stimmung unter den Juden verschlechtert. Die schändlichen Angriffe auf die Jüdische Brigade am Tag der Befreiung in Mailand und antisemitische Graffiti nach dem Tod des ehemaligen Rabbiners Elio Toaff in Rom, sind nur die jüngsten schweren Zwischenfälle.

In der Tat, mehr und mehr entscheiden das Land, in dem sie aufgewachsen sind und wo ihre Familien seit Generationen gelebt haben, in Richtung Israel zu verlassen. „In den letzten Jahren registrieren wir eine steigende Anzahl von Familien, die sich entscheiden Italien zu verlassen“ – bestätigt der Oberrabbiner von Rom, Riccardo Di Segni, gegenüber der Tageszeitung Il Messagero.  „Auch wenn die absoluten Zahlen nicht hoch und nicht vergleichbar mit den Ausreisen von Frankreich sind“ sagt Di Segni.

In Frankreich, wo rund 480’000 Juden leben und eine massive islamischen Präsenz herrscht, haben im letzten Jahr 5000 oder ein Prozent das Land verlassen. In Italien leben etwa 28’000 Juden (die Hälfte davon in Rom) und im letzten Jahr haben 323 das Land in Richtung Israel verlassen, das ist mehr als ein Prozent. „Die Zahlen von 2014,“ – sagt der Italienisch-israelische Demograph Sergio Della Pergola, „sind die zweithöchsten in vier Jahrzehnten“. Alarmierend, wenn man mit Daten von früher vergleicht: Ausreisen im Jahr 2003 waren  23, im Jahr 2010 waren es 97.

"Juden euer Ende ist nah". Graffiti in Rom, Juli 2014. Foto ZVg
„Juden euer Ende ist nah“. Graffiti in Rom, Juli 2014. Foto ZVg

Angst
„Die Unsicherheit war immer da und wir haben gelernt damit zu leben. Vielleicht erkennt jetzt, wo auch Journalisten und einfache Bürger getötet werden, dies auch die Öffentlichkeit“ – erklärt Di Segni weiter. „Die Wahrheit ist, dass momentan keine gute Stimmung herrscht. Man denke nur an die Plakate oder Graffiti vor jüdischen Geschäften oder an die Universitätsprofessorin, die ein Buch über die Leugnung von Völkermord geschrieben hat und nun gezwungen ist unter Polizeischutz zu leben. Es ist auch spürbar im Alltag, zum Beispiel die Angst um die Kinder, die unter Bewachung in die Schule müssen, oder die streng bewachten Unternehmen oder Synagogen. Die Motivation zu gehen ist zwar komplex, aber Unsicherheit ist eine wichtige Komponente.“

Die jüdische Gemeinschaft in der Hauptstadt Italiens ist tief verwurzelt, zurückgehend bis zur Zeit des antiken Roms. Doch viele haben beschlossen, Italien zu verlassen und viele andere denken darüber nach. „Es ist kein Problem der Strafverfolgungsbehörden, die sehr aktiv sind“. sagt Di Segni. „Aber die Art der Gefahr hat sich verändert. Wir müssen nicht mehr nur grosse Terrororganisationen fürchten, sondern „do-it-yourself“ Terroristen, Einzelkämpfer und Neonazi-Gruppen. Es sind die „kleinen Massaker“, die heute mehr Angst machen.“