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Israel, Griechenland und Zypern haben einen trilateralen Pakt für die militärische Zusammenarbeit unterzeichnet. Damit sollen die anspruchsvollen Gaspläne der drei Länder im östlichen Mittelmeer militärisch geschützt werden: die zukünftige Versorgung mit Energie nicht nur der eigenen Region, sondern auch der Export bis nach Europa. Eine Entwicklung, die dem türkischen Präsidenten ganz und gar nicht gefallen kann. Er sieht seinen Einfluss im östlichen Mittelmeer und Milliarden-Einnahmen bedroht.

Offiziell heisst es: die Unterzeichnung des Paktes stellt einen weiteren Schritt zur Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit zwischen den Ländern dar und trägt zur Stärkung von Stabilität, Sicherheit und Frieden in der östlichen Mittelmeerregion bei. Das Ereignis dürfte zum Jahresende 2025 ein Lehrbeispiel für Europa sein: wer langfristig wirtschaftlich erfolgreich zum Wohle seines Landes und seiner Region sein will, muss verteidigungsfähig und -bereit sein. Dafür ist in dem Dreierbündnis insbesondere Israel zuständig.

Das von den drei Ländern diskutierte militärische Konzept sieht eine Einheit von etwa 2.500 Soldaten vor, je 1.000 Soldaten aus Griechenland und Israel sowie 500 aus Zypern, berichtete die griechische Nachrichtenseite Tanea. Die Entwicklung ist von weitreichenden Entscheidungen innerhalb von wenigen Tagen begleitet.

Israel spielt seit über einem Jahrzehnt bei der Energieversorgung am östlichen Mittelmeer eine zentrale Rolle. 2010 wurden in israelischen Hoheitsgewässern nach über 10jähriger Bohrzeit ergiebige Gasquellen gefunden, die sogar den Weltmarkt haben aufhorchen lassen. Die Quellen haben mit Leviathan und Tamar Namen aus der jüdischen Bibel bekommen.

Sie sichern seither nicht nur den eigenen Energie-Bedarf für die nächsten Jahrzehnte, sondern haben den Judenstaat in die Lage versetzt, auch arabische Nachbarländer wie Ägypten und Jordanien mit Gas in grossen Mengen mittels langfristiger Lieferverträge zu versorgen. Die Milliarden-Deals machen inzwischen einen nicht unerheblichen Teil des israelischen Staatshaushalts aus. Seit dem der Deal-Macher Trump wieder im Weissen Haus sitzt, sind erfolgreiche Wirtschaftsverträge ein wichtiges Sujet im nahöstlichen Ränkespiel, insbesondere nach dem Gaza-Krieg vom 7. Oktober 2023.

Ägypten, das mit rund 120-Millionen bevölkerungsreichste Land im Nahen Osten, braucht dringend eine gesicherte Energie-Versorgung, wenn sich Präsident As-Sisi an der Macht halten will. Israel zögerte mit der Vertragsunterzeichnung, weil Ägypten vor, während und nach dem Gaza-Krieg eine Doppelrolle spielt. Die Lebensmittelversorgung läuft zwar inzwischen, aber für Kairo unterhält den israelischen Geschmack zu viel Militär auf der Sinai-Halbinsel und baut zudem verdächtige Tunnels. Beides stellt aus der Sicht Jerusalems einen Verstoss gegen den Friedensvertrag aus dem Jahr 1979 dar, bei dem Sinai nach sechsjähriger Besatzung durch Israel infolge des Yom-Kippur-Krieges wieder ägyptisch wurde.

Ausserdem hätte Israel die Gaza-Südgrenze gerne etwas offener. Dadurch könnte der Bevölkerungs-Überdruck in Richtung Ägypten abnehmen. Genau das verhinderte der Machthaber in Kairo schon vor dem Gaza-Krieg, weil ihm seine blutigen Erfahrungen mit dem Wurzelgeflecht der Hamas-Terroristen, der Muslim-Bruderschaft, im eigenen Land vollauf reichen. Trump hat Netanyahu mit sanften Drohungen überzeugt, das Thema Sicherheit in Sinai vorerst zu verschieben.

Denn ohne As-Sisi ist die zweite Phase seines Gaza-Planes – ein geordneter Wiederaufbau des zerstörten Küstenstreifens – nicht in die Gänge zu bringen. In naher Zukunft sollen nicht nur wie bisher der Grossteil der Lebensmittel für die geschundene Gaza-Bevölkerung über Sinai angeliefert werden, sondern alles, was kontrolliert zum Wiederaufbau notwendig ist. Sinai ist als Gaza-Vorratsraum für Lebensmittel, Baumaterial und Maschinen unverzichtbar. Dort soll auch Platz für die „International Stabilization Force“ (ISF) geschaffen werden, die den Aufbau Gazas überwachen soll.

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Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Mitte), der zyprische Präsident Nikos Christodoulides (links) und der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis (rechts) geben eine gemeinsame Erklärung auf dem trilateralen diplomatischen Gipfeltreffen zwischen Israel, Griechenland und Zypern ab, 22. Dezember 2025, Jerusalem. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire

Damit wäre Einiges in trockene Tücher gehüllt, wenn der offen agierende Israel-Feind in Ankara, Recep Tayyip Erdoğan, nicht aufgewacht wäre. Ihm gefällt offensichtlich nicht, dass die USA und Israel versuchen, ohne ihn die Dinge in der Nahost-Region langfristig zu regeln. Er sieht darin auch eine Konkurrenz für die Gas- und Öl-Pipelines, die durch sein Land in Richtung Europa verlaufen und erhebliche Summen in seinen Staatshaushalt fliessen lassen. Das Geschäft ist seit dem Ukraine-Krieg vor allem in Europa anrüchig geworden, denn das Gas und das Öl stammen auch aus Russland.

Hier kommt das Dreier-Bündnis Griechenland, Zypern Israel ins Spiel. Die drei Länder planen seit 15 Jahren den India-Middle East-Europe Economic Corridor (IMEC). Dieses Projekt ist nach Aussage Netanyahus eine Kombination aus Seewegen, Energiepipelines und Kabelverbindungen, die Asien und Europa über Israel, Zypern und Griechenland verbinden.  Griechenland will sich als „wichtiges Energiedrehkreuz im Süden Osteuropas etablieren und sieht sich als Plattform für verflüssigtes Erdgas, was sowohl für Zypern als auch für Israel sehr relevant sein wird“, ergänzte Mitsotakis. Ein derartiges Projekt benötigt militärischen Schutz, der von den „Israel Defence Forces“ garantiert wird. Israel betreibt in Griechenland Ausbildungseinrichtungen für Kampfpiloten und unterhält bereits ein Luftabwehr-System auf einer Insel in der Ägäis.  

Christodoulides erklärte nur wenige Tage bevor Zypern die Präsidentschaft des Rates der Europäischen Union übernimmt, dass der Dreier-Gipfel über die Symbolik hinaus von Bedeutung sei. „Unsere Anwesenheit hier ist substanziell“, sagte er und bezeichnete die Partnerschaft zwischen Zypern, Griechenland und Israel als „von strategischer Bedeutung, nicht nur für unsere drei Länder, sondern auch für unsere Region und darüber hinaus“.  

Er weiss, wovon er redet. Die Türkei besetzt seit 1974 rund 40 Prozent der Insel und hat dort 1983 die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ) ausgerufen. Seit dem Gaza-Waffenstillstand und den Unruhen in Syrien versucht Erdoğan Israel mit Drohgebärden einzuschüchtern.  Die regierungsnahe Tageszeitung Milliyet bezeichnete den Gipfel als „Achse des Bösen“, während Hurriyet das Treffen als „anti-türkische Allianz“ beschreibt. Laut Hurriyet “ gingen die führenden Politiker Griechenlands und der griechischen Zyprer zu Netanyahu, weil sie durch anti-türkische Stimmung verbunden sind.“ Der israelische Premier hatte in Anspielung auf die untergegangene osmanische Herrschaft zuvor schon deutlich gemacht: „Denjenigen, die glauben, sie könnten ihre Reiche wiederaufbauen, sage ich: Vergesst es. Es wird nicht passieren.“

Es dürfte kein Zufall sein, dass sich Dinge zum Jahresende so auffallend entwickeln. Bei Netanyahus sechster Reise in die USA im Jahr 2025, dieses Mal nach Mar-a-Lago, Trumps privatem Wohnsitz in Florida, standen vermutlich auch die IMEC-Pläne auf der Tagesordnung. Der militärische Dreierpakt im östlichen Mittelmeer benötigt auch die Unterstützung Washingtons. Die Chancen dafür stehen gut. Denn sie passen nahtlos zu Trumps Gaza-Konzept. Der 40-Kilometer lange Küstenstreifen am Mittelmeer könnte über Zypern und die Ägäis zu einem ertragreichen Tor Asiens nach Europa werden, an dem die USA beteiligt sein wollen.

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