Restaurierung der Kapelle in der Grabeskirche. Foto U. Sahm

Eine Sensationsmeldung aus dem Heiligen Land. Radio Vatikan meldete, dass am „angeblichen“ Heiligen Grab von Jerusalem möglicherweise Teile von Jesu Grab entdeckt wurden. Das klingt zunächst paradox, denn jeder geht ja davon aus, dass die Grabeskirche dort liegt, wo Jesus begraben wurde, heisst es weiter bei dem Sender aufgrund einer Meldung von KNA (Katholische Nachrichtenagentur). Doch das war bisher wissenschaftlich nicht geklärt worden.

Infolge einer israelischen Sperrung der Rotunde, wo das baufällige, 1810 errichtete barocke Grabmal steht, haben sich in gemeinsamer Anstrengung die in der Grabeskirche sechs vertretenen christlichen Konfessionen auf eine Restaurierung der Kapelle verständigt. Feuchtigkeit, Kerzenrauch und Schweiss der Pilger hatten die schlecht gebaute „Ädiküla“ so brüchig gemacht, dass Marmorplatten herabfallen und Pilger erschlagen könnten. Selbst ein mächtiges, hässliches Stahlkorsett der Briten aus dem Jahr 1947 hätte den Aufbau bei einem leichten Erdbeben nicht mehr vor seinem Einsturz retten können.

Nach Abnahme von Verkleidungsplatten an der Südseite wurde neben früherem Marmor auch gewachsener, bis in 1,70 Meter Höhe reichender Fels sichtbar, wie aus Kirchenkreisen zu erfahren war. Es könnte sich um Teile des ursprünglichen Grabes handeln, in das der Überlieferung zufolge Jesus nach seiner Kreuzigung gelegt worden war.

Bislang war unbekannt, was von dem von Kaiser Konstantin (306-37) aus dem Felsen herausgeschlagenen Grabmonument noch erhalten war. Es hiess, im Jahre 1009 habe der muslimische Kalif al-Hakim das Gotteshaus und das Grabmonument dem Erdboden gleichgemacht.

Pilgerbetrieb geht weiter

Die täglichen Liturgien und der Pilgerbetrieb gehen unterdessen weiter – mit leichten Einschränkungen. Die Grabrotunde ist mit weissen Tüchern verhängt. Die Grabkammer selbst kann weiterhin von Pilgern betreten werden. Besonders lärmintensive Arbeiten werden in den Nachtstunden vorgenommen.

Ab dem Jahr 324 hatte Kaiser Konstantin über dem Gelände, das nach Ausweis des damaligen Jerusalemer Erzbischofs Makarios als Ort der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu galt, eine dreiteilige Basilika errichtet. Nach Erkenntnissen der modernen Archäologie spricht vieles dafür, dass Jesu Grab auf dem Gelände der Kirche gelegen habe. Anders als heute befand sich der Steinbruch aus der Zeit des Königs Salomon mit dem Golgatha-Hügel vor 2.000 Jahren ausserhalb der Stadtmauern.

Die Arbeiten an der Ädikula waren zunächst auf acht Monate angelegt. Aufgrund unvorhergesehener Komplikationen dürften sie länger dauern, womöglich bis zum nächsten Osterfest oder darüber hinaus.

Unklar ist noch, ob der jetzt gefundene Originalfelsen auch künftig nur mit Glas abgedeckt sichtbar bleiben kann, oder ob er wieder mit Marmorplatten verhüllt wird.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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1 KOMMENTAR

  1. Möglicherweise Teile vom Originalgrab Jesu entdeckt?

    Jesus spricht:
    Lkas 9:60 Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; gehe du aber hin und verkündige das Reich Gottes!

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