Zum ersten Mal seit längerer Zeit versuchten Bewohner des Gazastreifens, sich gegen die Hamas zu erheben. Die Terrororganisation antwortete mit Massenverhaftungen an Spitälern, einer Todes-Fatwa und einem Schiessbefehl an die al-Qassam-Brigaden. Die Hauptmobilisierung wurde nun auf den 7. Juli verschoben.
Am Freitag, dem 26. Juni 2026, blieben in Gaza-Stadt, Khan Yunis und al-Qarara jene Kreuzungen leer, an denen Organisatoren mit Tausenden Demonstranten gerechnet hatten. Tagelange Verhaftungen, Entführungen und Todesdrohungen durch die Terrororganisation Hamas hatten die Bewegung erstickt, bevor sie die Strasse erreichte, wie ein Bewohner des Stadtteils Rimal dem Nachrichtenportal Algemeiner schilderte. «Die Lage in Gaza ist sehr schwierig. Sie entführen Menschen und bedrohen Menschen. Das Ausmass des Terrors ist hoch», sagte er.
Hinter dem Aufruf stand eine seit Anfang Juni aktive Facebook-Seite mit dem Namen «Revolution vom 26. Juni», die zu Kundgebungen an 18 Orten im gesamten Küstenstreifen aufrief. Initiator war der aus Gaza stammende, nach Ägypten geflüchtete Journalist Abd al-Hamid Abd al-Ati, der die Bewegung unter das Motto «Für ein besseres Leben und eine verheissungsvolle Zukunft — das Recht des Volkes, über sein Schicksal zu bestimmen» stellte, wie die panarabische Zeitung Asharq al-Awsat dokumentierte. Die Organisatoren forderten, die Hamas solle die Waffen niederlegen und die zivile Verwaltung Gazas an eine Übergangsbehörde übergeben, berichtete der Telegraph. Auf Flugblättern warfen sie ihr zudem vor, Plätze auf den medizinischen Ausreiselisten gegen hohe Aufpreise zu verkaufen, statt sie nach Dringlichkeit zu vergeben.

Der aus Gaza stammende, in den USA lebende Aktivist Ahmed Fouad Alkhatib sprach von einer «industriellen Kampagne aus Terror, Einschüchterung, Verhören und Erpressung» gegen Tausende protestwillige Bewohner. Spitäler im gesamten Gazastreifen seien in «provisorische Polizeistationen, Verhörzentren und Folterstätten» verwandelt worden; festgenommen oder zusammengetrieben wurde an mindestens vier Häusern, darunter das Al-Shifa-, das Nasser-, das Al-Ahli-Arab- und das Al-Aqsa-Märtyrer-Spital. Die Hamas al-Qassam-Brigaden — dieselbe Truppe, die mitverantwortlich für das Massaker vom 7. Oktober 2023 verantwortlich war — seien mit ausdrücklichem Schiessbefehl mobilisiert worden. Die Vereinigung «Palästinensischer Gelehrter» bezeichnete die Kampagne als «kriminelle Bewegung» und warf ihren Trägern vor, dem «Besatzer» zu helfen. Wer mit den Protesten in Verbindung stehe, könne der Kollaboration mit Israel beschuldigt werden — ein unter Hamas-Herrschaft mit dem Tod bedrohtes Vergehen, wie das Portal al-Ain in seiner arabischen Berichterstattung festhielt.
Laut Alkhatib schickte die Hamas «falsche Journalisten» zu den Protestorten, um unter dem Vorwand der Berichterstattung Teilnehmer zu identifizieren und festzunehmen. Gazas wenige unabhängige Reporter und prominente Hamas-Kritiker seien seit Tagen einer intensiven Überwachungs- und Einschüchterungskampagne ausgesetzt, sagte Hadeel Oueiss, Chefredaktor von Jusoor News; viele Aktivisten stünden faktisch unter Hausarrest. Das palästinensische Journalistensyndikat erklärte, es verfolge mit «grosser Sorge» die Diffamierungs- und Drohkampagne gegen Kollegen, die bessere humanitäre Bedingungen forderten, wie die in London erscheinende Zeitung al-Quds al-Arabi festhielt.
Die Hamas äusserte sich nicht direkt zu den Aufrufen. Ein Bündnis verbündeter Fraktionen unter ihrer Beteiligung verurteilte den Aufruf als «Versuch, Chaos und Anarchie zu stiften», wie das Nachrichtenportal Erem News berichtete. Laut Aktivisten fürchtete die Führung weniger die Demonstranten selbst als deren Folgen: dass rivalisierende bewaffnete Gruppen die Unruhen zur Ausweitung ihrer Kontrolle nutzen oder Israel sie zur gezielten Bekämpfung von Hamas-Kadern verwenden könnte. Ahed al-Hendi, Senior Fellow am Center for Peace Communications, führte die rasche Niederschlagung auf die frühe Ankündigung zurück: «In Gaza waren Protestbewegungen oft erfolgreicher, wenn sie leise organisiert wurden und plötzlich auftauchten.» Die wochenlange Vorlaufzeit habe der Hamas erlaubt, Familien unter Druck zu setzen und die Bewegung zu ersticken.
Mehrere Hundert Menschen demonstrierten dennoch in Gaza-Stadt, Khan Yunis und Teilen des Nordens — mit Schildern wie «So Allah will, Hamas raus», «Wir sind keine Schachfiguren» und «Wir wollen leben», wie die Times of Israel dokumentierte. Es waren die ersten grösseren Proteste seit der Welle vom Frühjahr und Sommer 2025, die ebenfalls gewaltsam erstickt wurde; damals war der Demonstrant Uday al-Rabay nach seiner Teilnahme verschleppt und mit Spuren von Folter tot vor das Haus seiner Familie gelegt worden. Die Organisatoren kündigten an, die Hauptmobilisierung auf den 7. Juli 2026 zu verschieben, um die Teilnehmer besser zu schützen, wie die jordanische Nachrichtenagentur Saraya meldete.
Alkhatib warf internationalen Medien, propalästinensischen Aktivisten sowie der UNO, NGO und grossen Menschenrechtsorganisationen vor, die Repression zu ignorieren, weil sie sich nicht Israel anlasten lasse; die «Mainstream-Medien» schwiegen, «offenbar weil Israel nicht beteiligt ist, also keine Juden, keine Nachricht». Eines der Spitäler, an denen die Hamas laut Alkhatib Demonstranten festhielt, ist das Al-Ahli-Arab-Spital. Dieses Haus war im Oktober 2023 Schauplatz einer falschen Anschuldigung: Stellen in Gaza behaupteten einen israelischen Angriff mit rund 500 Toten, eine von der New York Times rasch verbreitete Darstellung. Die Explosion ging auf eine fehlgeleitete Rakete der Terrororganisation Palästinensischer Islamischer Dschihad zurück, was US-Geheimdienste stützten und die Times später einräumte.
Die Hamas hat ihre Entwaffnung verweigert und kontrolliert weiterhin grosse Teile des Gebiets, aus denen sich die israelische Armee zurückgezogen hat. Laut einem UNO-Bericht töteten ihre internen Sicherheitskräfte in den Jahren 2024 und 2025 mindestens 60 Zivilisten in Gaza.




















