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Der sogenannte arabische Frühling begann vor mehr als zwei Jahren, als sich ein tunesischer Obstverkäufer selbst in Brand setzte, aus Unzufriedenheit über die Korruption und fehlender Verantwortung des tunesischen Regimes. Bald stellte sich jedoch heraus, dass fast jedes arabisches Land ein Pulverfass war, das unter Diktatur und weit verbreitetem Unfrieden glüht.

Das Vorzugszeichen der heimischen Korruption war der Sohn des politischen Führers. Hosni Mubarak hatte seinen Sohn Gama, ein Geldeintreiber für das Regime und Mubaraks persönliches Vermögen. Muammar Ghaddafi hatte Saif, der quer durch Europa und die Hallen des US-Kongresses reiste und beinahe jeden Diplomaten und Kongressabgeordneten, den er traf, mit seinem Charme bezauberte und dabei Milliarden-Dollar Verträge unterzeichnete. Jonathan Schanzer, Vize-Präsident der Foundation for Defense of Democracy, schrieb in seinem Beitrag für Foreign Policy über die Söhne des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und wie sie ihre Verbindungen zu Vermögen gemacht haben. [Zusammenfassung des Beitrags von Schanzer auf Deutsch hier].

Quasi im ganzen Rest des Nahen Ostens – ob kurdisch, persisch oder türkisch – ist das Muster gleich: der irakische Präsident Jalal Talabani hatte seinen Sohn Qubad Talabani; der Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan Masoud Barzani hat seinen Sohn Masrour Barzani; und der irakische Ministerpräsident Nouri al-Maliki hat Ahamd Maliki. Im irakischen und kurdischen politischen Spektrum gibt es allerdings nur wenige Politiker, die ihre Söhne nicht zu Geschäftsagenten oder Empfängern vetternwirtschaftlicher Freizügigkeit gemacht haben.

Im Iran gibt es sogar einen Spitznamen für diese Kinder: allgemein werden sie als Aghazadehha bezeichnet – Söhne der Herren -, ein Begriff, der sich auf die Fähigkeit von Männern wie Mehdi Rafsanjani oder seinen Bruder Yasser bezieht, die aus den politischen Verbindungen ihres Vater, dem ehemaligen iranischen Präsidenten Al Akbar Hashemi Rafsanjani, Zig-Millionen Dollar machten.

Und die politische Führung in der Türkei, die heute weitaus nahöstlicher als europäischer ist, frönt dem gleichen Muster. Hinter verschlossenen Türen, ob nun in Ankara, Moskau, Riyadh oder Washington, ist Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan nicht verlegen, ausländischen Politgrössen oder bekannten Geschäftsleuten zu sagen, dass sie Çalik Holdings – bei der sein Schwiegersohn Berat Albayrak Chief Executive ist, kontaktieren sollten, wenn sie pipelines oder andere Geschäfte zur Fortsetzung ihrer Projekte wollten.

[Çalik Energy, eine Tochterfirma der Çalik Holdings, war laut einer Bemerkung des Vorsitzenden des Atlantic Council Fred Kempe gegenüber dem Wall Street Journal Sponsor des Atlantic Council, das Fragen bezüglich des Vorsitz des früheren Senators Chuck Hagel stellte; Erdogan hätte auch einfach sagen können, dass er gespendet hat, weil die Geldwäsche via Çalik ein standardisierter Ablauf für den türkischen Machthaber ist].

Der arabische Frühling mag vielleicht eine Generation von Diktatoren weggefegt haben, aber er hat nicht mit dem Phänomen „Kleine Prinzen“ aufgeräumt. David Schenker, wahrscheinlich der beständigste fehlerfreie Analytiker für arabische Angelegenheiten in Washington merkt an, dass dieses Muster in Kairo nun wieder aufgetaucht ist. In der Associated Press heisst es:

„Ägyptens Luftfahrtminister sagte, dass die Einstellung von Präsident Mohammed Morsis Sohn auf einen hoch bezahlten Regierungsjob gerechtfertigt war und wies die Anschuldigung der Vetternwirtschaft ab….Omar, eins der fünf Kinder des Präsidenten, ist frischer Uni-Absolvent und erhielt den Job, der intern in einem Ministerium ausgeschrieben war, das normalerweise zu einem Eintrittsgehalt von 5‘000 $ monatlich einstellt. Solch ein Gehalt ist für Uni-Absolventen in Ägypten beispielslos, deren Einstiegsgehälter in Regierungsjobs bei 75 $ liegen können.“

Die Muslimbruderschaft ist eindeutig genauso korrupt wie das Regime, das sie ersetzt hat, wenn nicht sogar schlimmer.

Es ist eine Schande, dass die Söhne (oder im Fall der Türkei Schwiegersöhne) der politischen Führer im Nahen Osten sich selbst herabsetzen, lieber Bargeld anzustreben als sich auf ihrem Spezialgebiet hervorzutun. Welch ein mächtiges Symbol es sein könnte, würde sich der Sohn eines politischen Führers als Doktor, Ingenieur oder Lehrer einen Namen machen. Zyniker mögen behaupten, dass das selbstverständlich sei und Realisten wie Pessimisten gleichermassen könnten betonten, dass es eben die örtliche Kultur sei. Trotzdem gibt es vielleicht kein besseres Mass, Diplomaten die Ernsthaftigkeit von Reformen aufzuzeigen als das Verhalten der Kinder dieser politischen Führer.

Originalversion: Little Princes Survive the Arab Spring by Michael Rubin © Commentary, February 15, 2013.