Zwei israelische F-15I Ra'am. Foto TSGT KEVIN J. GRUENWALD, USAF - http://www.dodmedia.osd.mil/Assets/Still/2007/Air_Force/DF-SD-07-08323.JPEG, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2155384
Zwei israelische F-15I Ra'am. Foto TSGT KEVIN J. GRUENWALD, USAF - http://www.dodmedia.osd.mil/Assets/Still/2007/Air_Force/DF-SD-07-08323.JPEG, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2155384

Es war Israels grösster Militärschlag in Syrien seit 1973, dem eine beeindruckende Geheimdienstleistung vorausging. Das wirklich Besondere ist jedoch nicht die Spionagearbeit, die ihn ermöglicht hatte, oder die eingesetzte Feuerkraft, sondern die Diplomatie, welche fast die ganze Welt hinter dem jüdischen Staat versammelte.

 

Der israelische Nachrichtendienst hatte Anfang Mai verdächtige iranische Aktivitäten identifiziert, die auf Vorbereitungen für einen Raketenangriff auf IDF-Aussenposten in den Golanhöhen hindeuteten. Israel reagierte mit der Öffnung von Luftschutzbunkern für die Zivilbevölkerung. Und dann liess es den Iran am Abend des 9. Mai seinen Angriff durchführen. Israel reagierte noch in der gleichen Nacht, indem es Dutzende Kampfjets 50 iranische Ziele in Syrien angreifen liess.

Eine solche Schlagkraft hatte Israel zuletzt im Jom-Kippur-Krieg an den Tag gelegt.

Die Raketen der Israelischen Luftstreitkräfte trafen strategisch ausgewählte Ziele in einem Umkreis von etwa 40 km von Damaskus. Dazu zählten zwei Einrichtungen des Geheimdienstes, Lagerräume, ein Militärflughafen, Raketenbatterien, Soldatenunterkünfte und Spähposten.

Der iranische Angriff, der die israelische Vergeltung ausgelöst hatte, war gescheitert. Die Quds-Einheit des iranischen Militärs feuerte 20 Raketen ab, von denen 16 auf syrischem Gebiet einschlugen und vier von israelischen „Iron Dome“-Raketen abgewehrt wurden.

Der unmittelbare Schaden ist nicht bekannt. Berichten zufolge sollen beim israelischen Angriff jedoch syrische wie iranische Truppen Opfer zu beklagen haben. Klar ist, dass der Aufbau der iranischen Militärpräsenz in Syrien einen herben Rückschlag erlitten hat. Zu den weiteren Verlusten zählen die fünf Flugabwehrraketen der syrischen Armee, welche die israelischen Streitkräfte ins Visier nahmen, nachdem die IAF-Jets unter Raketenbeschuss kamen. So sah die Lage am frühen Morgen des 10. Mai aus militärischer Sicht aus.

Eine illustrative Karte mit den allgemeinen Orten der israelischen Angriffe in Syrien als Reaktion auf einen iranischen Angriff auf die Golanhöhen am 10. Mai 2018. Foto Israelische Streitkräfte.

Aus diplomatischer Sicht stellte sich die Situation jedoch deutlich komplizierter dar.

Die Reaktion Europas deutete darauf hin, dass der israelische Angriff ohne Wenn und Aber weitgehend legitimiert werden würde.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte in einem Telefongespräch mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani die iranischen Angriffe auf Israel. Kurz zuvor hatte das deutsche Aussenministerium erklärt, Israel habe „ein Recht auf Selbstverteidigung“. In London und Paris schlossen sich Premierministerin Theresa May und Präsident Emmanuel Macron den Aussagen Merkels an.

Diese uneingeschränkte Unterstützung ist aus Israels Sicht positiv – insbesondere angesichts der Bemühungen Europas, am Atomabkommen mit dem Iran festzuhalten –, die Reaktionen aus anderen Ländern gaben jedoch noch mehr Anlass zur Begeisterung.

Die Antwort der Amerikaner auf die Angriffe las sich wie eine Erklärung des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu.

„Ausdrücklich unterstützen wir Israels Recht auf Selbstverteidigung“, erklärte das Weisse Haus. Die Verlegung iranischer Raketensysteme nach Syrien, die auf Israel zielten, sei eine inakzeptable und höchst gefährliche Entwicklung für den gesamten Nahen Osten, hiess es weiter.

Damit erhielt Jerusalem faktisch die Zustimmung Washingtons, alle aus seiner Sicht erforderlichen Schritte zu unternehmen, um den Iran aufzuhalten. Das stellte Audiatur-Online Autor Glenn Segell bereits am Vorabend des Angriffs fest.

Schweigen der arabischen Hauptstädte

Die Reaktionen der restlichen Welt waren viel überraschender – und aus iranischer Perspektive viel verhängnisvoller.

Zum einen hüllten sich die arabischen Hauptstädte in Schweigen und übten weder Kritik an Israel, noch stellten sie sich auf die Seite Syriens. Bahrain meldete sich als einziges Land aus der Region zu Wort und bezog unverfroren Stellung für Israel.

Der Aussenminister von Bahrain, Khalid bin Ahmed Al Khalifa, erklärte auf Twitter: „Jedes Land in der Region, einschliesslich Israel, hat das Recht, sich zu verteidigen, indem es die Quellen der Gefahr zerstört.“ Gleichzeitig beschuldigte er den Iran, seine Streitkräfte und Raketen dazu einzusetzen, den „Nahen Osten zu destabilisieren“.

Die Erklärung des saudischen Satellitenstaates Bahrain wurde wohl mit Zustimmung Saudi-Arabiens abgegeben und spiegelt deutlich die Stimmungslage in der sunnitisch geprägten arabischen Welt wider, die sich im Vergleich zu Israel nicht minder vom Iran bedroht fühlt.

Am meisten Gewicht hatte wohl jedoch die Reaktion Russlands, welche man in diesem Fall weniger an den Worten, sondern vielmehr an den Taten messen sollte.

Verbal beschränkte sich Moskau auf die knappe und neutrale Erklärung, dass man „besorgt“ sei und zur „Zurückhaltung auf allen Seiten“ aufrufe. Die Tatsache, dass Russland das syrische Regime unterstützt und der durch den IAF-Angriff erlittene Rückschlag wurden dabei nicht thematisiert.

Deutlich aussagekräftiger als diese Wort war das Treffen Netanyahus mit Präsident Vladimir Putin im Kreml nur wenige Stunden vor dem Angriff. Kurze Zeit später erschienen beide am Roten Platz, um dem Gedenkmarsch zum Sieg Russlands im Zweiten Weltkrieg beizuwohnen.

Netanyahu nahm als einziger westlicher Regierungschef an der eindrucksvollen Veranstaltung teil. Bedeutsamer hätte der Zeitpunkt des für alle sichtbaren Schulterschlusses mit Putin wohl kaum sein können.

Diplomaten und Analysten glauben, Netanyahu habe Putin aus zweierlei Gründen über den bevorstehenden Angriff informiert: Zum einen aus taktischen Gründen, um sicherzustellen, dass Israel nicht versehentlich in Syrien stationierte russische Truppen angreift. Zum anderen aus strategischen Gründen, um Russland darüber zu versichern, dass Israel die russischen Vorhaben in Syrien keineswegs behindern wolle.

Der öffentlichkeitswirksame gemeinsame Auftritt von Putin und Netanyahu vor dem Angriff und die verhaltene Reaktion des Kreml lassen darauf schliessen, dass Russland letztlich eher froh ist, dass die iranischen Interessen in Syrien einen Rückschlag erlitten haben. Wie bereits in dieser Kolumne berichtet, kollidieren die Interessen des Iran in Syrien mit denen Russlands, und die iranischen Aktivitäten werden von Putin mit grossem Misstrauen betrachtet.

Gleichzeitig steht Israel den russischen Aktivitäten im Allgemeinen, und insbesondere in Syrien, neutral gegenüber. Israel zeigt sich dermassen neutral, dass es im Gegensatz zu anderen westlichen Ländern im russisch-ukrainischen Konflikt keine Stellung bezogen und sich nicht an den Sanktionen gegen Russland beteiligt hat.

Betrachtet man dies zusammen mit dem Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran kurz vor dem Angriff, bedeutet das, dass Israels Bemühungen, den Iran aus Syrien zu verbannen, nicht nur lautstark von Washington und im Hintergrund von arabischen Regierungen, sondern auch von Russland und Europa unterstützt werden. Dabei hat jede Regierung ihre eigenen Gründe.  Der Iran ist – einfach ausgedrückt – diplomatisch umzingelt.

Wie die Ajatollahs hierauf reagieren, ist reine Spekulation. Fürs Erste lässt sich festhalten, dass sie ihre Nation in den wirtschaftlichen Ruin, in eine diplomatische Belagerung und in eine Situation wie zu Zeiten des Vietnamkriegs, als noch stärkere Nationen sich gezwungen sahen, sich von Schlachtfeldern zurückzuziehen, die sie nie hätten betreten sollen.

Über Amotz Asa-El

Amotz Asa-El ist leitender Berichterstatter und ehemaliger Chefredakteur der Jerusalem Post, Berichterstatter Mittlerer Osten für Dow Jones Marketwatch, politischer Kommentator bei Israel's TV-Sender Channel 1 und leitender Redakteur des Nachrichtenmagazins Jerusalem Report.

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