Die Juden sind der Kanarienvogel in der Goldmine. Seit dem 7. Oktober ist der Antisemitismus auch in der Schweiz in eine virulente Phase getreten. Die Politik ist am Scheideweg: Sorgt sie nicht dafür, dass der Kanarienvogel überlebt, ist es bald vorbei mit der «Insel der Glückseligen».
Ein Kommentar zum 1. August
1.-August-Redner teilen sich in zwei Typen. Den einen zufolge ist die Schweiz zum Glück nicht mehr so kolonialistisch, rassistisch, sexistisch und kapitalistisch wie früher. Aber bis das Land wahrhaftig sozial und inklusiv sein wird, sind noch viele Hürden zu überwinden – besonders jetzt, da wegen Trump, der SVP oder anderen «Faschisten» höchste Gefahr von Rückschritten droht.
Die anderen sind überzeugt, dass die Schweiz nicht irgendein Land ist, sondern ein besonders gutes. Ihnen zufolge bietet die kleine Alpenrepublik ihren Einwohnern Möglichkeiten, in Würde und Freiheit zu leben, wie sie sonst fast nirgendwo auf der Welt zu haben sind. Dementsprechend halten sie die Schweiz für etwas Schützenswertes und plädieren in ihren Reden dafür, sorgsam mit dem umzugehen, was sie von ihren Vorfahren erbten.
Wer die zweite Sichtweise teilt, kann gar nicht überschätzen, wie sehr ihn die Zunahme des Antisemitismus in den letzten drei Jahren beunruhigen sollte – und zwar ganz unabhängig davon, ob er irgendetwas mit dem Judentum «am Hut hat» oder nicht.
Der Kanarienvogel in der Goldmine
Einer der faszinierendsten Aspekte der Geschichte des Judentums ist die unglaublich starke Korrelation zwischen dem Wohlergehen der jüdischen Minderheit in einem Land und demjenigen der übrigen Bürger. Wie viele Beispiele in der Geschichte gibt es für Gesellschaften, in denen auf zunehmendes Unrecht gegen Juden nicht zunehmende Probleme für Nichtjuden folgten? Und wie viele – oder eben wenige – Beispiele gibt es für Gesellschaften, die regressierten, obwohl Juden frei und sicher in ihnen leben konnten?
Die Deutschen, die ihre Juden zuerst entrechteten und dann ermordeten, stürzten wenige Jahre später auch sich selbst in die Katastrophe: zerbombte Städte, Millionen eigener Toter, Frauen, die bei Kriegsende zu Hunderttausenden vergewaltigt wurden, Flucht und Vertreibung, ein für zwei Generationen geteiltes Land. Keine einzige arabische Nation, die nach dem Zweiten Weltkrieg nichts Besseres wusste, als ihre Juden zu vertreiben, lebt heute unter Demokratie und Wohlstand. Und in den westeuropäischen Ländern, in denen das Leben für die Juden (wieder) gefährlich geworden ist, bröckelt alles: die Wirtschaft, die Infrastruktur, die Geburtenrate, die Sozialwerke, die Sicherheit, der gesellschaftliche Zusammenhalt.
Das Gegenbeispiel bilden Nationen wie die Schweiz und die USA. Lange Zeit hatten Juden in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten so wenig zu befürchten wie nirgendwo sonst. Und ebenso lange boten diese Länder Nichtjuden Aussichten, von denen anderenorts nur geträumt werden konnte.
Es endet nie mit den Juden
Der Grund für diese Korrelation ist nicht schwierig zu verstehen. Die Präsenz von jüdischen Minderheiten zieht keine Negativkonsequenzen für nichtjüdische Mehrheiten nach sich. Im Gegenteil: Geniessen Juden die gleichen Rechte wie Nichtjuden, neigen sie zu überdurchschnittlichem ökonomischem und akademischem Erfolg sowie zu unterdurchschnittlichen Kriminalitätsquoten. Aus diesem Grund ist die Feindschaft gegenüber den Juden immer irrational bis wahnhaft. Antisemit kann nur sein, wer es irgendwie schafft, den quadratischen Kreis zu zeichnen. Der Antisemit des Mittelalters glaubte, die Juden steckten hinter der Pest – obwohl die Seuche die jüdische Bevölkerung genauso dezimierte wie die nichtjüdische. Der Judenhasser von heute faselt von einem Genozid in Gaza – sieht aber keine Pflicht für Ägypten, seine Grenze zum Gazastreifen aufzumachen, um dem angeblichen Völkermord ein Ende zu bereiten.
Das heisst: Je mehr eine Gesellschaft Antisemitismus zulässt, desto mehr akzeptiert sie, dass in politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozessen Fakten und Wahrheit durch Irrationalität und Wahnvorstellungen ersetzt werden. Und kann man in Bezug auf Juden mit Schwachsinn und Lügen um sich werfen, dann kommt die Pflicht zur Rationalität und Ehrlichkeit auch überall sonst unter Druck. Wenn es in Ordnung ist, Juden als «Babymörder» zu verleumden, weil man sie nicht mag, warum sollte es dann ein Problem sein, aus denselben Beweggründen seinen Chef des Grabschens, seinen politischen Gegner der Korruption oder seinen Geschäftspartner des Betrugs zu bezichtigen?
Das zweite Problem, das sich die Nichtjuden mit dem Tolerieren von Antisemitismus aufhalsen, ist die Zerstörung des Gerechtigkeitsempfindens. Verleumdungen haben Konsequenzen. Wer jemanden eines Völkermordes bezichtigt, der darf nicht überrascht sein, wenn gegen die «Völkermörder» die Messer gezückt werden. Jemanden mit Waffengewalt zu stoppen, der einen Genozid begeht, ist ja durchaus vernünftig.
Antisemitismus heisst, es nicht so genau wissen zu wollen, wenn Juden Opfer werden: Irgendwie werden sie es schon verdient haben, und vielleicht kommt es auf einen zusammengeschlagenen Kippaträger mehr oder weniger auch nicht wirklich an. Das Problem für die Nichtjuden ist aber auch hier: Früher oder später trifft es auch sie. Ist Gerechtigkeit nicht so wichtig, wenn es um Juden geht, dann kann sie auch sonst keine allzu grosse Rolle spielen. Wo Juden angegriffen werden, weil sie «Zionisten» sind, werden früher oder später auch Frauen begrabscht, weil sie «Huren» sind, Geschäfte angezündet, weil sie einem «Kapitalisten» gehören, und Homosexuelle ermordet, weil sie «Allah missfallen».
Die Büchse der Pandora ist kein Salzstreuer
Auch in der Schweiz ist der Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023 in eine virulente Phase getreten. Und auch in der Schweiz beginnen sich viele Zerfallserscheinungen zu zeigen, deren Vorbote ein nicht in die Schranken gewiesener Judenhass ist.
Freiheit, Wohlstand und sozialer Frieden lassen sich nicht bewahren, wenn Dummheit, Wahn und Unrecht um sich greifen. Die Büchse der Pandora ist kein Salzstreuer, aus der das Verderben prisenweise herausrieselt. Ist der Deckel offen, dann trifft es die Juden zuerst – aber alle anderen danach auch.
Wenn es also einen Vorsatz geben sollte für die Schweizer Politik im nächsten Jahr, dann diesen: Die intellektuellen und moralischen Leitplanken wiederherzustellen, die lange Zeit dafür gesorgt haben, dass die jüdische Minderheit in der Schweiz so gut wie wohl nirgendwo sonst leben konnte.























Das haben die Moslms noch nicht verstanden, dass wenn es den Juden in einem Moslemland gut geht, es dem ganzen Land besser geht als wenn keine Juden da wären. Moslemanhänger in Europa brauchen nur einen Blick auf Nahost zu werfen, wo kein Land einen – auch nur annähernden – Lebensstandard aufweisen kann wie Israel. Wirtschaftliche Leistungen bringt Israel – nicht Moslemländer. Produktivität ist in Israel heimisch – in Moslemländer „etwas weniger“… usw! Der Islam bringt keine greifbaren Fortschritte für eine Bevölkerung, nur Phrasen von Jungfrauen und Wein im Paradis ???? Auch das ist einfach erfunden !
Antisemitismus ist ein Krebs der Gesellschaft – unheilbar und immer neue Metastasen bildend. Ich denke es wäre wichtig ein Manifest gegen den Antisemitismus und für Israel zu verfassen, das mit öffentlicher Namennennung von jedem einzelnen Bürger unterzeichnet werden könnte und dessen Namensliste laufend veröffentlicht würde. Keiner soll sich durch Schweigen und Dulden zum Mitläufer machen können.
Der seit dem 7. Oktober 2023 geradezu entflammte Antisemitismus hat seinen Weg über die Hetze gegen Israel im Zuge des Gazakriegs «genommen». Sie, die Medien waren/sind die Brandstifter. Fast alle von ihnen schiessen seit jenem unbeschreiblichen Massaker an jüdischen Menschen ohne Ende gegen Israel, Fakten hin oder her. In der Schweiz fallen diesbezüglich vor allem das Schweizer Radio und Fernsehen auf, ebenfalls der Tages-Anzeiger, der von der Süddeutschen Zeitung regelmässig mit üblem Material versorgt wird. SRF scheint geradezu von einer Israelphobie erfasst zu sein, wobei seine antiisraelische Haltung schon in der Vergangenheit courant normal war. Hetze und Desinformation fallen umso mehr auf fruchtbaren Boden, weil die Menschen nicht über das notwendige Wissen verfügen, den Pferdefuss vieler Beiträge zu erkennen, Dies umso weniger, als die verbreitete antiisraelische Haltung bereits in vielen Kirchen, in der Politik der Schweiz, der EU, in der UNO, bei Hilfswerken – ja eigentlich fast überall – zum Ausdruck kommt, man sich mit seiner israelkritischen Haltung also in «guter Gesellschaft» befindet. Es sind wenige, die sich der Indoktrination gegen Israel und gegen antiisraelische Aktivitäten entgegenstellen. Wir scheinen uns in Richtung der 1930er Jahre zu bewegen. «Nie wieder» hatte offenbar ein Ablaufdatum.
Unglaublich guter Beitrag, vielen Dank!
Ich bin zu 200% einverstanden mit dem gesamten Wortlaut , dies als Schweizer 🇨🇭🇮🇱 mit jüdischen Wurzeln mütterlichseits. Humanismus hat mich in Beruf und Familie immer umgeben, getragen und auch immer wieder bekräftigt. Immer wieder auch gilt es die Wahrheit damit auch durch innere und äussere Haltung gerade in der jetzigen Zeit konsequent durchzusetzen. Diese Kraft bleibt der Haupttreiber meines Wirkens