Foto Screenshot Ruptly / Youtube.com
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Im Berliner Viertel Neukölln wurde am Samstag dem 4. Mai auf dem Hermann-Platz der israelische Klarinettist Daniel Gurfinkel von einer Gruppe Palästinenser angegriffen und verprügelt, bis Polizisten eingriffen und ihn in Sicherheit bringen konnten. Daniel Gurfinkel und sein Zwillingsbruder Alexander lassen sich an der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“ zu Solisten ausbilden.

 

Die 1992 geborenen Zwillinge haben ihr musikalisches Talent als Familientradition vom Grossvater Arkady und ihrem Vater Michael geerbt. Diese sind als Klarinettisten in Israel sehr bekannt. Die Zwillinge Alexander und Daniel wurden schon im Alter von nur 12 Jahren vom Dirigenten Zubin Mehta eingeladen, als Solisten mit dem israelischen Symphonieorchester zu spielen. Inzwischen sind sie selber in aller Welt bekannt und haben Touren gemacht in Österreich, Schweiz, Frankreich und anderen Ländern Europas, China und in den USA.

Was genau am Samstagmorgen in Berlin vorgefallen ist, lässt sich anhand eines knapp 2 Minuten langen Youtube-Films nicht so einfach eruieren.

Daniel Gurfinkel ist da bei einer Veranstaltung auf einem grossen Platz zu sehen, wie er von einem Dutzend hasserfüllter Palästinenser verprügelt und ins Gesicht geschlagen wird. Was der Auslöser war, ist nicht zu erkennen. Laut Angaben unter dem Film habe Gurfinkel „Israel“ gerufen.

Daniel Gurfinkel: „Der Angriff begann sofort“

„Ich ging durch den Hermannplatz und sah, dass es eine Demonstration gegen Israel gab. Ich bin ein Bewohner des Staates Israel.“ so Daniel Gurfinkel in einer Stellungnahme. „Der Angriff begann sofort, als ich begann mein Land mit einem einzigen Wort zu unterstützen. Ich wurde auf den Kopf geschlagen und habe bis jetzt Schmerzen. Ich war unter totalem Schock.“ erklärte Gurfinkel.

„Die Polizei behandelte den Vorfall mit großer Gleichgültigkeit und verhaftete die Angreifer nicht sofort. Wie man auch auf dem Video sehen kann. Die Polizisten schützen mich nicht sofort und das ganze dauerte länger als 5 Minuten. Ich lebe seit vier Jahren in Berlin und habe nicht geglaubt, dass mir so etwas passieren würde. Auf jeden Fall werde ich mein Land weiterhin unterstützen. Die Polizei muss in solchen Situationen wachsamer sein.“

„Kulturelle Veranstaltung“

Zu sehen sind am Anlass zahlreiche Palästinaflaggen und Plakate. Angeblich handelte es sich um eine „kulturelle Veranstaltung“ zum Gedenken an die „Nakba“ – die Vertreibung oder Flucht der Palästinenser aus ihrer Heimat infolge der Gründung des Staates Israel. Damals wurden sie noch „Araber“ genannt, weil sie erst 1968 durch Jassir Arafat die Bezeichnung „Palästinenser“ erhielten.

Gemäss den Angaben von Ruptly-TV, das den Film auf Youtube hochgeladen hat, begann die Veranstaltung am frühen Morgen des Samstag mit Musik- und Tanzauftritten auf der Bühne, Verpflegungsständen und Postern der Boykott-Divestment and Sanctions (BDS)-Kampagne, darunter auch Plakate mit Protest gegen den Eurovision Song Contest, der am 18. Mai in Tel Aviv stattfinden soll. Die Polizei war zu sehen, wie sie ein Poster entfernte, auf dem der Eurovision Song Contest als „Kunstwäsche Apartheid“ bezeichnet wird.

Auf anderen Plakaten steht: „Jerusalem – Al Kuds ist die Hauptstadt Palästinas“ und „Vertreibung der Palästinenser*innen ist ein Genozid und ethnische Säuberung“.

Der Polizeisprecher der Stadt Berlin erklärte:

„Allgemein kann ich Ihnen mitteilen, dass wir im Zuge der Veranstaltung auf dem Hermannplatz vom 4. Mai 2019 fünf Anzeigen wegen Körperverletzung, versuchter Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen haben.“

Das nächste Konzert des Duo Gurfinkel zusammen mit der Pianistin Elisaveta Blumina steht in Hannover an diesem Donnerstag, 9. Mai um 19:00 Uhr auf dem Programm in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover K.d.ö.R.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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