Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (SPD) und Taysir Abu Sneine, der Bürgermeister der Stadt Hebron. Foto hebron-city.ps
Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (SPD) und Taysir Abu Sneine, der Bürgermeister der Stadt Hebron. Foto hebron-city.ps

Tayseer Abu Sneine, Bürgermeister der Stadt Hebron und in Israel zu lebenslanger Haft verurteilter Mörder, wurde diesen Monat herzlich vom Oberbürgermeister der Stadt Mannheim empfangen. Auch Schweizer Behörden schätzen ihn.

 

Am 2. Mai 1980 hatte Abu Sneine – ein Mathematiklehrer, der an der Universität Amman in Jordanien studiert hatte – in der Nähe von Hebron zusammen mit Komplizen einen akribisch geplanten und militärisch vorbereiteten Mordüberfall auf eine Gruppe israelischer Juden verübt. Sie hatten sich von Jordanien aus nach Hebron geschlichen und lauerten dort Schülern einer Jeschiwa (Talmud-Hochschule) auf, die nach dem Gebet an der Höhle der Patriarchen auf dem Weg zum Hadassah-Krankenhaus in Hebron waren. Das wussten Abu Sneine und die anderen Terroristen, weil sie die Gruppe religiöser Juden aus Hebrons Vorort Kirjat Arba über einen längeren Zeitraum beobachtet und erkannt hatten, dass sie nach dem Gebet immer denselben Weg nahmen. Als die Juden nahe genug waren, beschossen die Terroristen sie von Dächern aus mit Sturmgewehren und warfen Handgranaten. Es gelang ihnen, sechs Juden zu töten und 20 zu verletzen. Die israelische Armee konnte einige der Täter auf ihrem Rückweg nach Jordanien ergreifen und bald darauf auch die anderen aufspüren, die sich versteckt hatten. Die PLO, die damals ihr Hauptquartier in Beirut hatte, bezichtigte sich der Tat. Die Mörder wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, kamen aber im Zuge verschiedener Gefangenenaustausche frei – Abu Sneine schon nach drei Jahren.


Ein Video zeigt Bürgermeister Tayseer Abu Sneineh auf einem Hügel mit Blick auf die jüdischen Viertel. Er erklärt, sichtlich stolz, wie er und weitere Fatah-Mitglieder den Terroranschlag auf die jüdischen Studenten durchgeführt haben.

38 Jahre später ist Abu Sneine im Ort seines Verbrechens zum Bürgermeister gewählt worden und war am 19. Juli zu Gast in Mannheim. Die Mannheimer Stadtverwaltung meldet auf ihrer Website:

„2013 hat die Stadt Mannheim ein Memorandum of Understanding mit der palästinensischen Stadt Hebron abgeschlossen und arbeitet seither in enger Kooperation, insbesondere im Bereich der Existenzgründungsförderung mit Hebron zusammen. Im Rahmen dieser Projektpartnerschaft ist derzeit eine Delegation kommunaler Fachexperten, unter Leitung des neu gewählten Bürgermeisters der Stadt Hebron, Tayseer Abu Sneineh, zu Besuch in Mannheim“.

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (SPD) und „das palästinensische Stadtoberhaupt“ hätten einen Vertrag „für das bislang grösste entwicklungspolitische Projekt der Stadt Mannheim“ unterzeichnet. Es sei „das bislang finanziell grösste durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte kommunale Entwicklungsprojekt in den palästinensischen Gebieten und das derzeit einzige kommunale Projekt für Entwicklungszusammenarbeit in Palästina, bei dem die Förderung innovativer Unternehmensgründungen explizit im Fokus“ stehe. Die Projektfördersumme liege bei rund 210.000 Euro.

Auch zur Schweiz unterhält der verurteilte Mörder enge Beziehungen. Im Oktober 2017 traf er sich mit Julien Thöni, der die Schweiz in den Palästinensischen Autonomiegebieten vertritt, und schenkte Thöni eine Vase. Kurze Zeit später machte Julien Thöni durch sein Fotoshooting mit der Hamas Schlagzeilen.

Abu Sneineh und Thöni hätten über die Möglichkeit gesprochen, die gegenseitige Zusammenarbeit zwischen der Stadt Hebron und Städten in der Schweiz zu stärken“, heisst es auf der Website des Bürgermeisters von Hebron. „Herr Thöni drückte die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Stadt Hebron auf dem Feld des Tourismus aus, vor allem, nachdem die Stadt Hebron auf die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt worden ist“.

Der Schweizer Chef des Vertretungsbüros in Ramallah, Julien Thöni und Taysir Abu Sneine, der Bürgermeister der Stadt Hebron. Foto hebron-city.ps
Der Schweizer Chef des Vertretungsbüros in Ramallah, Julien Thöni und Tayseer Abu Sneine, der Bürgermeister der Stadt Hebron. Foto hebron-city.ps

Dann folgt eine Art Freudscher Verschreiber. Der nächste Satz soll auf Englisch lauten: „He will exert much effort to attracting Swiss Tourists to visit Hebron.“ Thöni also werde „grosse Anstrengungen unternehmen, Schweizer Touristen zu einem Besuch der Stadt Hebron zu locken …“. Stattdessen steht dort:  „He will exert much effort to attacking Swiss Tourists to visit Hebron“ – er werde grosse Anstrengungen unternehmen, Schweizer Touristen anzugreifen.

Auch TIPH, eine in Hebron stationierte Gruppe von politischen Aktivisten, die sich „temporäre Beobachtermission“ nennen, pflegt gute Kontakte zu dem Mörder.

TIPH ist eine umstrittene Organisation (siehe dazu den jüngsten Beitrag von Alex Feuerherdt); Hebrons Juden werfen TIPH vor, ausländische Touristen, die nach Hebron kommen, gegen die jüdische Bevölkerung aufzuhetzen. Kürzlich erregte ein Fall Aufmerksamkeit, in dem der „Rechtsberater“ von TIPH sich, getarnt mit einer dunklen Sonnenbrille, illegal in das jüdische Viertel Hebrons geschlichen hatte. Als der Schweizer Diplomat von einem zehnjährigen Jungen zur Rede gestellt wurde, schlug er das Kind so feste, dass ihm die Kippa vom Kopf flog.

Besser behandeln die TIPH-Aktivisten den Mörder Tayseer Abu Sneine. Nach eigenen Angaben trafen sich TIPH-Vertreter im August letzten Jahres, kurz nach dessen Wahl, mit Abu Sneine, um ihn über ihre „Nachbarschaftsprojekte“ zu informieren. „Der Bürgermeister drückte seine Wertschätzung für die Arbeit von TIPH und ihr Engagement aus“, heisst es auf der TIPH-Website.

Bei dem von dem Schweizer TIPH-„Diplomaten“ misshandelten Kind handelt es sich übrigens um den Bruder des Terroropfers Shalhevet Pass. Shalhevet Tehiya Pass wurde nur zehn Monate alt. Am 26. März 2001 wurde sie, im Kinderwagen liegend, von einem Scharfschützen der von Jassir Arafat gegründeten Terrorgruppe Tansim vor den Augen ihrer Eltern in den Kopf geschossen und war sofort tot. Yitzhak, der Vater, wurde an beiden Beinen verletzt. Der Täter hatte ein Gewehr mit Teleskopvisier benutzt. Absichtlich hatte er den Kopf des Babys ins Visier genommen und abgedrückt. Den Befehl dazu gab Marwan Barghouti. Er sitzt derzeit in einem israelischen Gefängnis, darf aber Gastkommentare für die „New York Times“ schreiben.

Hanan Ashrawi, Mitglied im Exekutivrat der Fatah, welcher sowohl Barghouti als auch Abu Sneine angehören, schrieb auf der amerikanischen Website „Newsweek“, „acht Friedensnobelpreisträger, Parlamente auf der ganzen Welt, die Blockfreienbewegung mit ihren 120 Mitgliedsstaaten und europäische Länder wie Frankreich“ hätten sich für die Freilassung Barghoutis eingesetzt und „seine Rolle beim Streben nach Frieden hervorgehoben. Letztes Jahr wurde er mehrere Male für den Friedensnobelpreis nominiert“. Hinzuzufügen ist: Rund 20 französische Gemeinden haben Barghouti zum Ehrenbürger ernannt. Egal, ob sie Arafat, Barghouti oder Abu Sneine heissen, Mörder von Juden erfreuen sich in aller Welt höchster Wertschätzung.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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