Foto Screenshot Youtube
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Seit seiner Gründung ist Israel ein Land, das sich im Belagerungszustand befindet. Wird es nicht von terroristischen Kräften angegriffen, dann sind es diplomatische.

von David Suissa

Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte wurde das Land in erster Linie für das Scheitern seiner Friedensbemühungen mit den Palästinensern verurteilt. Dieser Konflikt beherrscht das globale Bewusstsein seither mehr als alles andere. Im gesamten Nahen Osten wurde er von Diktatoren benutzt, um von der Unterdrückung ihrer eigenen Völker abzulenken.

Präsident Donald Trumps Eifer, den „ultimativen Deal“ abzuschliessen, den er auch bei seinem Besuch in Israel wieder bekräftigte, führt diese Obsession für den israelisch-palästinensischen Konflikt nur weiter fort. Ob es uns gefällt oder nicht – es ist dieser Konflikt, der mehr als alles andere das Narrativ Israels in weiten Teilen der Welt geprägt hat.

„Es weht ein neuer Wind.“

Und dennoch verändert sich trotz all dem etwas. Es weht ein neuer Wind. Allmählich beginnt sich in aller Stille ein paralleles Narrativ über Israel zu entwickeln. Und da der Konflikt mit den Palästinensern so unlösbar ist, habe ich das Gefühl, dass dieses neue Narrativ eine zunehmend grössere Rolle in der Gestaltung der Zukunft Israels spielen wird.

Im Wesentlichen blicken immer mehr Länder auf Israel und sagen: „Politik hin oder her, diese Leute können uns helfen. Sie tun Dinge, die sonst niemand tut. Sie scheinen in dieser verrückten und schnelllebigen neuen Welt, in der wir leben, den Nerv zu treffen.“

Wenn Ihr Land beispielsweise ein Problem mit Cybersicherheit hat, das eine Gefahr für Ihre Infrastruktur darstellt, und Sie hören, dass Israel über eine einzigartige Technologie zur Lösung dieses Problems verfügt, lassen Sie dann diese Lösung an sich vorbeigehen, weil der palästinensische Konflikt nicht gelöst ist?

Oder wenn Ihre Bevölkerung Gefahr läuft, ihre Trinkwasserressourcen zu verlieren und Sie Israels hochmoderne Entsalzungs-Technologie brauchen, oder wenn Ihr Land von islamistischen Terroristen bedroht wird und Sie wissen, dass die Israelis die grösste Expertise auf diesem Gebiet haben, lassen Sie dann zu, dass der palästinensische Konflikt sich Ihren zentralen Interessen in den Weg stellt?

Gigantische Nationen wie Indien und China, ebenso wie aufstrebende Nationen auf dem afrikanischen Kontinent, warten nicht auf einen Durchbruch im Friedensprozess, bevor sie sich an Israel wenden. Warum sollten sie auch? Geschäfte mit Israel zu machen, liegt in ihrem ureigenen Interesse. Es bring ihre Wirtschaften voran. Es stärkt ihre Länder.

Und genau dasselbe ist auch vor Israels eigener Tür bereits geschehen. In einem Bericht aus dem Jahr 2012 äusserte sich die Haaretz unter dem Titel „Das schlecht gehütete Geheimnis des israelischen Handels mit der islamischen Welt“ detailliert über die massvollen, jedoch zunehmenden Handelsbeziehungen Israels zu seinen arabischen und muslimischen Nachbarn, die u. a. auch den Export von Medizin-, Landwirtschafts- und Wassertechnologien in die Golfstaaten beinhalten.

„Wegen des Palästinenser-Problems Werbung für Hass auf den jüdischen Staat zu machen, ist längst nicht mehr so ein einträgliches Geschäft, wie es einst war.“

Was ihre Sicherheit anbetrifft, so sind die sunnitisch dominierten Länder wie Ägypten, Saudi-Arabien und andere Golfstaaten auf die militärische Stärke Israels angewiesen, um ihren Erzfeind, das rücksichtslose iranische Schia-System abzuwehren. Es hat also seinen Grund, dass die Golfstaaten einen Vorschlag erarbeitet haben, um „beispiellose Schritte zur Normalisierung der Beziehungen mit Israel“ zu gehen, wie das Wall Street Journal vergangene Woche berichtete.

Sie brauchen Israel.

Natürlich mussten in dem Vorschlag die obligatorischen Aufforderungen, Israel müsse den Palästinensern gegenüber Zugeständnisse machen, auch untergebracht werden. Aber, täuschen Sie sich nicht – diese Forderungen sind mit den Jahren immer milder geworden. Das ist ein Zeichen für die wechselnde Stimmung. Diese arabischen Länder fühlen sich verwundbar und sie brauchen Hilfe, selbst, wenn diese von Israel kommt. Wegen des Palästinenser-Problems Werbung für Hass auf den jüdischen Staat zu machen, ist längst nicht mehr so ein einträgliches Geschäft, wie es einst war.

All das bedeutet jedoch keineswegs, dass Israel nicht alles in seiner Macht stehende tun sollte, um seinen Konflikt mit den Palästinensern beizulegen, gleich, wie gut – oder schlecht – die Chancen auch stehen mögen. Eine Lösung liegt jedenfalls sehr stark im Interesse Israels. Und in der globalen Diplomatie zählen auch das Aussehen und die Bemühungen – selbst, wenn diese am Ende scheitern.

Was Israel sich zugutehalten kann, ist, dass es nie zugelassen hat, dass das Scheitern der Friedensbemühungen und der herrschende Krieg die Nation demoralisiert haben. Während ein Grossteil der Welt das Land verurteilte und feindlich gesinnte Nachbarländer es angriffen, setzte Israel weiterhin auf Innovation, um den Herausforderungen der modernen Welt zu begegnen. Anstatt sich von einer Wagenburgmentalität lähmen zu lassen, drängte der kleine jüdische Staat unermüdlich darauf, eine erfolgreiche Nation aufzubauen, einschliesslich aller dazugehörigen Unvollkommenheiten.

Und plötzlich scheint diese winzige Nation sehr gefragt zu sein. Von bahnbrechenden medizinischen Erfolgen, über grüne Technologie, Cybersicherheit und digitale Innovation bis hin zu Wassereinsparung und Ernährungssicherheit – Israel befindet sich an vorderster Front, was die Schaffung von Lösungen für das neue Jahrhundert anbetrifft.

Es ist keine Start-up-Nation, die als Instrument für bessere Hasbara oder positive Propaganda dienen soll. Es ist eine Start-up-Nation, die als Instrument zur Verbesserung der Welt dienen soll.

Es muss die palästinensische Führung anwidern, zu sehen, wie der verhasste zionistische Staat beginnt, auch auf globaler Ebene zu florieren. Möglicherweise hatten sie gehofft, wenn sie alle Friedensangebote ablehnen, Terrorismus verherrlichen und die Legitimität Israels angreifen würden, würde Israel irgendwann kollabieren. Aber das Gegenteil ist geschehen.

Bleibt uns nur zu hoffen, dass auch sie eines Tages zu der Erkenntnis gelangen werden: Schürt man Hass für den jüdischen Staat, so ist das nicht nur schlecht für den Frieden, sondern auch für das Geschäft.

David Suissa ist Präsident der TRIBE Media Corp./Jewish Journal. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Jewish JournalKontakt davids@jewishjournal.com.

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  • Lustenberger Uri

    Wie sagte einst Ben Gurion, wer nicht an Wunder glaubt ist kein Realist !

  • Mark Nu

    Ein guter Artikel
    – auch wenn ich nicht ganz so hoffnungsfroh gestimmt bin wie der Artikelschreiber.

    Ja, die Welt benötigt nichts so sehr wie Innovationen, Bildung und Engagement
    – da passt Israel voll ins Bild eines modernen Staates und einer modernen Gesellschaft.