Recep Tayyip Erdogan. Foto Cologny - World Economic Forum Annual Meeting Davos 2006. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons.

Ein grundlegender Wandel ist in der Türkei im Gange. Nachdem er für eine dritte Amtszeit gewählt wurde, hat Erdogan sich zum Ziel gesetzt, die Türkei zu verändern. Er hat das bislang für den Koranunterricht geltende Mindestalter aufgehoben und ausserdem die Anforderungen an die Lehrenden gesenkt. Das Ergebnis: Nun können Imame, die in Saudi-Arabien ausgebildet und nicht weiter registriert sind, Kinder bereits ab einem Alter von drei oder vier Jahren indoktrinieren und so eine Generation heranziehen, die wie Saudis denken wird.

Während die Türken noch abwarten, was die von Erdogan vorgeschlagene neue Verfassung mit sich bringt, hat er selbst einen Einblick gegeben: indem die anstehende politische Debatte umgeht, um weitreichende Bildungsreformen durchzupeitschen. Zu seinen Veränderungen gehört die Umstrukturierung der Schullaufbahn in drei Vierjahresblöcke, ähnlich wie Grundschule, Mittelstufe und High School in den USA. So könnten Schüler früher mit der Berufsschule beginnen.

Gegner befürchten jedoch, dass das neue System dazu führt, dass Mädchen sich früher zurückziehen, Kinderehen sprunghaft zunehmen und die Ungleichheiten von Männern und Frauen in vielen Bereichen grösser werden könnten. Zugegeben, ein Teil des liberalen und säkularen Misstrauens ist womöglich weniger von den Fakten des Gesetzesentwurfs motiviert als von der schlechten Bilanz der islamistischen Regierung, wenn es um die Rechte der Frauen geht. Dass Frauen sich auf dem Campus von Universitäten im saudischen Stil verhüllen dürfen, hat Erdogan bereits erlaubt; zuvor hatten die meisten türkischen Universitäten diese Praxis verboten, um zu verhindern, dass religiöser Druck entsteht.

Ausserdem sieht Erdogans Bildungsreform vor, in die Lehrpläne der High Schools mehr Religionsunterricht einzuführen und die Absolventen religiöser Akademien und diejenigen von geistes- und naturwissenschaftlichen Schulen bei der Zulassung zu den Hochschulen gleichzustellen. Das Ergebnis dieser Reform wird sein, dass es Islamisten ohne solide Grundlage in den elementaren Geisteswissenschaften erlaubt sein wird, als Beamte in den Staatsapparat einzutreten und ihn, im Laufe einer Generation, grundlegend zu verändern.

Vor einem Jahrzehnt, als Politiker die Türkei als Vorbild darstellten, bezogen sie sich auf die gelungene Verbindung von Ost und West und ihre Verwandlung in eine lebendige Demokratie. Bei Erdogans Modell geht es immer mehr um eine Aushöhlung der Demokratie von innen. Die Türkei ist wie Malaysia geworden – bestenfalls; im schlimmsten Fall wie Russland.

Doch das ist möglicherweise nicht fair. Was die Pressefreiheit und die Bildung angehen, stehen beide, Russland und Malaysia, besser da als die Türkei.

Originalversion: Educational Reform in Türkei? by Michael Rubin © The Commentary Magazine, April 2, 2012.

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1 KOMMENTAR

  1. Ich bete täglich mehrmals zu Gott, dass Gott den angestauten Zorn wegen der Dekadenz und Ignoranz der Menschheit in Form eines Blitzes gegen diesen doppelzüngigen Welteroberer Erdowahn richten möge.

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