
Die Palästinensische Autonomiebehörde prahlt erneut damit, dass die meisten palästinensischen Terroristen ihrer regierenden Partei Fatah angehören. Der Bezirksgouverneur von Jericho erklärte im palästinensischen Fernsehen, der Anteil liege bei 85 Prozent.
von Ephraim D. Tepler und Itamar Marcus
Stolz fügte er hinzu, dass auch «die meisten Märtyrer … im Kampf gegen die Verbrecher» Fatah-Mitglieder seien – mit «Verbrechern» meinte er die Israelis. Der Moderator des PA-Fernsehens stimmte begeistert ein, die als Märtyrer gefallenen Terroristen seien «ehrenwerter als wir alle zusammen». Hamayel pflichtete ohne Zögern bei.
Hinter Hamayels Häme steckt jedoch mehr als blosser Stolz. Es ist auch eine bewusst gesetzte politische Botschaft. Um sie zu verstehen, muss man die prekäre politische Lage der Autonomiebehörde kennen.
Die Autonomiebehörde ist nicht beliebt. Eine Umfrage nach der anderen zeigt, dass die Terrororganisation Hamas seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 unter den Palästinensern deutlich mehr Rückhalt geniesst als die Fatah. Die Autonomiebehörde kämpft um ihr politisches Überleben. Ihre Währung auf dem politischen Markt ist der «Widerstand» – ein Euphemismus für Gewalt gegen Israelis.
Auf diesem Markt ergibt Hamayels Prahlerei durchaus Sinn. Im Grunde hält er den Wahlkampfauftritt der Fatah vor einem palästinensischen Publikum, das die Hamas zunehmend als die entschlossenere und wirksamere «Widerstandsbewegung» wahrnimmt. Seine Botschaft lautet: Schreibt uns nicht ab. Wir haben mehr Gefangene. Wir haben mehr Märtyrer. Wir sind der ursprüngliche Widerstand.
Das ist eine grundlegende Behauptung der Autonomiebehörde, und Palestinian Media Watch hat sie wiederholt dokumentiert. So spottete etwa Mahmud Al-Habbash, ranghoher Berater von Mahmud Abbas, über den Anspruch der Hamas, die echte bewaffnete Widerstandsbewegung zu sein. Er hielt fest: «Die Hamas hat erst 1990 zu den Waffen gegriffen», während «die PLO … seit 1964 die Waffen trägt». In ähnlicher Weise spottete Abdallah Kmeil, Bezirksgouverneur der Autonomiebehörde in Tulkarem, die Sicherheitskräfte der Autonomiebehörde hätten mehr Märtyrer gestellt als die Hamas und die Terrororganisation Islamischer Dschihad zusammen.
Einheit mit der Hamas
Schon die Tatsache, dass sich die Autonomiebehörde an der Hamas messen muss, verweist auf etwas Grösseres. Einerseits will sich die Autonomiebehörde von der Hamas abgrenzen, andererseits umwirbt sie diese zugleich. Denn die Hamas besitzt, was der Autonomiebehörde schmerzlich fehlt: Rückhalt in der Bevölkerung. Die Einheit mit der Hamas ist deshalb ein Rettungsanker.
Jibril Rajoub, Sekretär des Zentralkomitees der Fatah, gehört laut Palestinian Media Watch zu den deutlichsten Verfechtern dieser Einheit. Dies wurde im vergangenen Monat nach dem achten Generalkongress der Fatah im Mai 2026 deutlich.
Auf demselben Kongress forderte ein freigelassener Terrorhäftling, Khairy Salameh, die Autonomiebehörde auf, die «nationale Aussöhnung» mit der Hamas zur obersten Priorität zu machen. Salameh sprach als Vertreter der palästinensischen Gefangenen und hatte die meisten Stimmen für die Fatah-Führung erhalten. Eine solche Aussöhnung, behauptete er, würde «der Fatah neues Blut zuführen» und «ein einheitliches politisches Programm» gegen Israel hervorbringen. Dass ein verurteilter Terrorist auf einem offiziellen Fatah-Kongress das Wort erhielt, um zur Einheit mit der Hamas aufzurufen, und dafür Applaus statt Tadel erntete, sagt alles über die politischen Probleme der Autonomiebehörde.
Der Westen muss aufhören, sich etwas vorzumachen
Seit Jahren behandeln westliche Regierungen und internationale Institutionen die Palästinensische Autonomiebehörde als gemässigte Alternative zur Hamas, als Partner für die Diplomatie und als würdig, einen palästinensischen Staat zu regieren. In diplomatischen Kreisen pflegt die Autonomiebehörde dieses Bild aktiv und gibt sich als Kraft der Verhandlung und der zivilen Staatsführung.
Die eigenen Führer der Autonomiebehörde erzählen im offiziellen Fernsehen und auf den Kanälen der sozialen Medien jedoch eine ganz andere Geschichte. Sie prahlen mit Terrorhäftlingen. Sie ehren Märtyrer, die beim Töten von Israelis ums Leben kamen. Sie rufen zur Einheit mit der Hamas auf und stellen Israel als von Neonazis regiert dar.
Die Autonomiebehörde hat den Terror zu ihrem wichtigsten politischen Ausweis gemacht – und ist stolz darauf.
Ephraim D. Tepler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Palestinian Media Watch. Itamar Marcus ist Gründer und Direktor von Palestinian Media Watch. Übersetzung Audiatur-Online.



















