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Die Schweiz ist 2‘777 Meilen von Israel entfernt. Ich bin als Schweizer Bürger geboren und liebe mein Heimatland. Ich habe zudem eine zweite Heimat, die Heimat meiner jüdischen Seele: Israel.

Egal – wenn ich den Namen Israel höre oder lese, denke ich in erster Linie an meine Familie und Freunde, die dort zu Hause sind und an die Vorfreude, wenn ich wieder einmal die Koffer gepackt und mir mein EL AL-Ticket ausgedruckt habe. Nein, ich mache hier nicht explizit Werbung für eine Fluggesellschaft – es ist viel mehr – eine Erfahrung, die ich seit meiner ersten Israel-Reise im Jahr 1980 in meinem Herzen trage. Mit der israelischen Fluggesellschaft zu fliegen, ist was ganz Besonderes. Du triffst Familie, Dein Sitznachbar isst gemeinsam mit Dir sein koscheres Menü und im Moment, wo Du das Flugzeug betrittst, befindest Du Dich schon in Deiner Gefühlsheimat.

Szenenwechsel: Was passiert denn, sobald sich die ganze Medienlandschaft in tendenziöser Art und Weise gegen mein „Heimatland“ richtet? Wie soll ich reagieren? Was macht man, wenn die Arbeitskollegin oder Arbeitskollege oder schlimmstenfalls die ganze Abteilung Dir in arroganter, selbstgefälliger Weise den Mund verbieten, wenn es um die Frage der Palästinensergebiete geht? Immer öfter komme ich in ein solche Situation. Meine eigene Meinung zu äussern, ist dann ein Bekenntnis, das einem Gang barfuss auf heissen Kohlen gleichkommt.

Es will nicht in meinen Kopf hinein, dass die Menschen hier in der Schweiz und anderswo so leichtgläubig alles aufsaugen, was Ihnen die Medien auf perfide Art suggerieren, ohne den ganzen Sachverhalt in objektiver Weise darzulegen. Es kommt mir aus aktuellem Anlass die Galle hoch, wenn linke und grüne Kreise und Nationalräte zum Boykott gegen israelische Produkte aufrufen, während israelische Menschen in Angst und Schrecken wohnen müssen, da sie von angeblichen „Spielzeugraketen“ der menschenverachtenden Hamas beschossen werden. Die pauschale Verniedlichung der Situation hat ein besorgniserregendes Ausmass angenommen. Man rechtfertigt sich mit der „Operation Cast Lead“ und dem Monster Israel, das kindermordend und brandschatzend zivile Ziele angreift, ohne Rücksicht auf Verluste. Dass sich dabei eine Armee aus Menschen wie du und ich die grösste Mühe machte, in nie dagewesener Weise die Zivilbevölkerung zu warnen und sie eindringlich bat, sich in Sicherheit zu bringen, davon spricht niemand. Dass hier die Tatsachen verdreht werden und die Hamas kaum erwähnt wird, hinterlässt bei mir einen solch bitteren Nachgeschmack, dass mir übel wird. Dann muss ich mich vor allem bei meinen Kolleginnen und Kollegen sehr in Acht nehmen, nicht emotionell  zu reagieren. Ansonsten würde nur zu leicht der Eindruck entstehen, dass ich mich persönlich angegriffen fühle. – Moment, wieso sollte ich mich nicht angegriffen fühlen? Es geht um meine jüdische Heimat und ich denke, das ist sehr wohl was Persönliches.

Ich fühle Wut und Ohnmacht darüber, dass sich Menschen anhand von Hörensagen anmassen, ein Urteil zu bilden. Schweizer und Jude zu sein ist nicht immer einfach. Als Jude wirst Du automatisch mit dem Staate Israel gleichgesetzt. Man kann über gewisse politische Entscheidungen geteilter Meinung sein, doch ich empfinde es klar als Nestbeschmutzung, wenn auch kritische Juden in den Grundtenor einstimmen, der meiner Ansicht nach meist den Deckmantel eines latenten Antisemitismus in sich birgt. Israel kritisieren? Ja! So, wie man jeden anderen Staat kritisieren darf. Was dabei aber auffällt, ist die Einseitigkeit und dass es in über 80% der Fälle Israel ist, das von der Welt verurteilt wird, während andere Länder kaum erwähnt werden, obwohl dort Gräueltaten an der Tagesordnung sind.

Ich bin Schweizer und gehöre gleichzeitig zum jüdischen Volk und ich bete für meine Brüder und Schwestern, die sich im Heiligen Land jeden Tag aufs Neue einen gerechten und dauerhaften Frieden ersehnen und sich auch dafür einsetzen.

Ob die Welt dies jemals anerkennen wird?

Alexander Hoffmann