Polizei- und Grenzschutzbeamte am internationalen Flughafen Ben Gurion. Foto Meir Partush / Flash90

Die EU will nach den Anschlägen von Brüssel die Sicherheit auf den Flughäfen verbessern. Flughäfen sind seit Jahren Ziele terroristischer Anschläge: Wien, München, Zürich. Warum sind die EU-Behörden nicht schon früher auf die Idee gekommen?

Es gibt ein von Terror besonders betroffenes „westliches“ Land, wo sich viele Massnahmen zum Schutz der Fluggäste längst bewährt haben. Im terrorgefährdeten Israel hat es schon lange keinen erfolgreichen Anschlag etwa auf den Ben-Gurion-Flughafen gegeben. Es wäre ein Leichtes, die israelischen Methoden zu kopieren.

Schon 2001 nach 9/11 in New York, erklärte der Sicherheitschef der EL AL, dass mit seinen Maschinen ein Anschlag auf das WTC „nicht hätte passieren können“. Die Terroristen waren nur mit japanischen Teppichmessern bewaffnet und konnten mühelos in die Pilotenkanzel eindringen. Der Rest ist Geschichte. Mit der EL AL hätte das nicht passieren können, weil allein die Israelis der Überzeugung waren, dass ein Flugzeugentführer nicht unbedingt „sicher landen“ wolle, sondern auch ein Selbstmordattentäter sein könnte. Keine einzige Fluggesellschaft in dem Dachverband IATA konnte sich das vorstellen. Und deshalb wurde lediglich den Israelis eine „Ausnahmegenehmigung“ erteilt, ihre Pilotenkanzeln mit Stahltür und Schleuse (zur Toilette) während des Fluges zu sichern.

Auch bei der Absicherung der Flughäfen haben die Israelis Methoden entwickelt, die jeder Fluggast erleben kann und leicht kopiert werden könnten.

Jede Zufahrt zu einem Flughafen ist eine Art Nadelöhr. Da ist ein erster Kontrollpunkt eingerichtet, eine Strassensperre, an der bewaffnete Sicherheitsleute einen schnellen Blick in Innere der ankommenden Fahrzeuge werfen. Gemäss Kriterien, die natürlich nicht veröffentlicht werden, picken die bewaffneten Männer und Frauen „Verdächtige“ heraus und lassen sie an die Seite fahren. Dort steht eine Durchleuchtungsmaschine. Mir ist es selber schon passiert, dass ich meinen Koffer vollständig auspacken und durchsuchen lassen musste. Warum war ich verdächtig? Weil ich aus Jerusalem mit einem arabischen Taxifahrer zum Flughafen gekommen war. Das gilt als ungewöhnlich und wenn man so tut, als verstünde man kein Wort Hebräisch, erfährt man so einiges aus den Gesprächen der Sicherheitsleute.

Ist so ein Prozedere samt freundlicher Befragung überstanden, geht es weiter zum Empfangsgebäude. Nach einigen hundert Metern der Autobahn steht in einer Seitenstzrasse ein Fahrzeug der Sicherheit, bereit, jederzeit loszufahren. Der Grund: Falls mal ein Auto die Strassensperre durchbricht, kann sich dieses Fahrzeug ihm den Weg stellen und die Weiterfahrt verhindern.

Jedes Empfangsgebäude verfügt nur über eine geringe Zahl von Eingängen. In Israel steht vor den automatischen Glastüren ein drahtiger Sicherheitsmann mit Sonnenbrille und beobachtet jeden ankommenden Passagier. Wer verdächtig ist, wird durch einen bereitstehenden Metalldetektor geschickt.

Und in der Empfangshalle, noch vor den üblichen Sicherheitskontrollen, kann man in Israel mit seinem Pass an Automaten seine Bordkarte ausdrucken lassen. Junge Frauen stehen bereit, hilflosen Passagieren zu helfen. Wer weiterzieht zur Sicherheitskontrolle, aber nur seinen Koffer mitnimmt und das kleine Handwägelchen „vergisst“, löst sofort Grossalarm aus.

Bis zur Sicherheitskontrolle vor dem Einchecken gibt also in Israel gleich mehrere „Kreise“, die ein Durchkommen potentieller Terroristen vielleicht nicht ausschliessen, aber immerhin sehr erschweren.

Nicht nur Methoden kennzeichnen die Israelis, sondern vor allem die Mentalität. Menschenleben hat Priorität vor Menschenrechten und politischer Korrektheit. Sie wissen genau, dass junge Moslems im Alter zwischen 20 und 25 potentiell gefährlicher sind, als andere. Und entsprechend gehen sie vor, auch wenn ihnen das den Ruf einträgt, „Rassisten“ zu sein und die Würde gewisser Bevölkerungsgruppen zu missachten. Aber: Die Sicherheit ihrer Fluggäste ist ihnen mindestens so wichtig wie die Würde eben dieser Bevölkerungsgruppen, die ja schliesslich auch dankbar sind, wenn sie vor Terroristen geschützt werden. 

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Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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  • gitte

    Danke lieber Ulrich Sahm für den Artikel. Sie sprechen mir aus dem Herzen: “Es wäre ein Leichtes, die israelischen Methoden zu kopieren”. Wenn sie es nur tun würden!
    Letztes Jahr in Israel habe ich mich immer wieder bei den Soldaten bewusst bedankt, dass sie da waren, um die allgemeine Sicherheit zu gewährleisten. Und sie haben sich über den Dank gefreut.

    Israel ist so reich an (leider meist schmerzlicher) Erfahrung und sie haben gelernt und umgesetzt. Diese Kopplung von Intelligenz (Methoden) und die von Ihnen, Herr Sahm, erwähnte Mentalität “Menschenleben hat Priorität vor Menschenrechten und politischer Korrektheit” scheint mir schon immens wichtig zu sein und zeichnet Israel als Vorbild aus. Die direkten Feinde Israels lieben nun leider den Tod mehr als das Leben. Auch sie arbeiten methodisch.
    Möge das Gute siegen!