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Byzantinische Kirche im Negev freigelegt

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Ein Teil des Mosaikbodens einer 1.400 Jahre alten Kirche, die von Archäologen im israelischen Negev entdeckt wurde. Foto Assaf Peretz/TPS-IL
Ein Teil des Mosaikbodens einer 1.400 Jahre alten Kirche, die von Archäologen im israelischen Negev entdeckt wurde. Foto Assaf Peretz/TPS-IL
Lesezeit: 3 Minuten

Archäologen haben im Negev die Reste einer rund 1.400 Jahre alten Kirche freigelegt. Die Funde in Nitzana deuten darauf hin, dass die Wüstensiedlung in byzantinischer und frühislamischer Zeit eine wichtige Station für christliche Pilger auf dem Weg zum Sinai war.

Die Freilegung einer byzantinischen Kirche im heutigen Nitzana-Nationalpark liefert neue Hinweise auf die historische Bedeutung der antiken Siedlung Nessana im Negev. Nach Angaben des Berichts wurde die Ausgrabung von Forschern der Ben-Gurion-Universität des Negev geleitet. Im Zentrum des Fundes steht ein rund 1.400 Jahre alter Kirchenbau, von dem vor allem ein aufwendig gestalteter Mosaikboden erhalten geblieben ist.

Wie aus einem Bericht der Ben-Gurion-Universität hervorgeht, weist der Mosaikboden farbige geometrische Muster, florale Motive und dekorative Medaillons auf. Die Forscher leiten aus der Qualität der Ausführung ab, dass das Gebäude Teil eines wohlhabenden religiösen Komplexes gewesen sein dürfte. Dem Bericht zufolge könnte dieser sowohl den Bewohnern der Region als auch Reisenden gedient haben, die die Wüste durchquerten.

Professorin Yana Tchekhanovets von der Ben-Gurion-Universität erklärte, dass der Standort der Kirche und ihr Mosaikboden mithilfe moderner Technologien und Digitalisierung lokalisiert werden konnten. Vom eigentlichen Bau sei nur das Mosaik erhalten geblieben. Der Rest der Kirche wurde mit Beton überdeckt, als die osmanischen Herrscher den Ort im Ersten Weltkrieg als logistischen Knotenpunkt nutzten.

Den Angaben zufolge wurden neben der Kirche auch grössere umliegende Strukturen freigelegt. Dazu gehören ein Hospiz und ein Badehaus mit marmorgefassten Wannen. Dies spricht nach Einschätzung der Ausgräber für eine organisierte Infrastruktur zur Aufnahme von Besuchern. Diese Befunde sind laut der Ben-Gurion-Universität ein weiterer Hinweis darauf, dass Nessana eine wichtige Station für Pilger war.

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Im Nitzana-Nationalpark im Negev wurde eine 1.400 Jahre alte Kirche mit farbenprächtigen Mosaikböden entdeckt. Foto Yaakov Shmidov/Ben-Gurion-Universität

Tchekhanovets bezeichnet Nessana ausdrücklich als Schlüsselfundort für die Erforschung antiker christlicher Pilgerbewegungen. Die Siedlung sei der letzte Ort innerhalb des Heiligen Landes gewesen, bevor die Wüstenroute in Richtung des Sinai begann. Besonders im 6. und 7. Jahrhundert habe der Ort geblüht.

Der Fundort lag an der Hauptverbindung zwischen dem Heiligen Land und dem Katharinenkloster im Sinai, einem der wichtigsten christlichen Pilgerziele der Region. Das Kloster liegt am Fuss dessen, was traditionell mit dem Berg Sinai identifiziert wird. Damit fügt sich die neue Entdeckung in das Bild einer überregionalen Pilgerroute ein, die das Heilige Land mit der Sinai-Halbinsel verband.

Die Ben-Gurion-Universität verweist zudem auf frühere Funde aus Nessana, insbesondere auf die sogenannten Nessana-Papyri, die dort bereits vor etwa einem Jahrhundert entdeckt wurden. In Verbindung mit den neuen archäologischen Befunden sollen diese Quellen helfen, das Leben und Reisen in der Negev-Region vor mehr als tausend Jahren genauer zu rekonstruieren. Hinzu kommen antike Graffiti, die laut Tchekhanovets darauf hindeuten, dass Reisende aus entfernten Regionen wie Georgien und Armenien nach Nessana gelangten.

Zu den bedeutendsten Entdeckungen der jüngsten Grabungssaison zählt eine griechische Inschrift aus der Kirche, die den Bau des Gebäudes auf den Beginn des 7. Jahrhunderts datiert. Nach Angaben der Forscher fällt diese Zeit mit einer Phase besonders intensiver Aktivität in der Siedlung zusammen. Erst politische und wirtschaftliche Veränderungen hätten die Rolle der Region verändert, während die Pilgerbewegung unter muslimischer Herrschaft zurückging.

Der Fund in Nitzana ist somit kein isolierter Einzelfund, sondern ein weiterer Baustein für die historische Einordnung des Negev als Durchgangsraum für religiöse Bewegungen, Versorgung und Infrastruktur. Das Bild von Nessana als abgelegener Wüstenort wird somit korrigiert: Die Siedlung erscheint vielmehr als organisierte Station auf einer Route von internationaler religiöser Bedeutung.

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