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Irans vergessene Rolle bei Israels Entstehung

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Nasrollah Entezam, als fünfter Präsident der UN-Vollversammlung (1950/1951). Foto UN Photo/PCD
Nasrollah Entezam, als fünfter Präsident der UN-Vollversammlung (1950/1951). Foto UN Photo/PCD
Lesezeit: 8 Minuten

Das heutige Iran definiert sich durch seinen Hass auf Israel. Die Islamische Republik finanziert, bewaffnet und verherrlicht Kräfte, die sich der Zerstörung des jüdischen Staates verschrieben haben. Das macht es leicht zu vergessen, dass Iran vor 1979 in der Geschichte von Israels Entstehung einst eine weitaus komplexere Rolle spielte.

Im Februar 1947 übergab ein erschöpftes Grossbritannien, das die arabischen und jüdischen Forderungen in Palästina unter britischem Mandat nicht in Einklang bringen konnte, das Problem an die Vereinten Nationen. Die UNO reagierte mit der Einsetzung des Sonderausschusses für Palästina (UNSCOP), der sich aus Vertretern von elf Staaten (Australien, Guatemala, Indien, Iran, Jugoslawien, Kanada, die Niederlande, Peru, Schweden, die Tschechoslowakei und Uruguay.) zusammensetzte, darunter Iran. Seine Aufgabe bestand nicht nur darin zu beobachten, sondern die Lage vor Ort zu untersuchen und Empfehlungen für die Zukunft Palästinas vorzulegen. Nach Wochen von Anhörungen und Reisen spaltete sich der Ausschuss. Eine Mehrheit empfahl die Teilung in zwei unabhängige Staaten, einen jüdischen und einen arabischen, mit Jerusalem unter internationaler Verwaltung. Eine Minderheit – Iran, Indien und Jugoslawien – sprach sich stattdessen für eine föderale Lösung aus.

Die Generalversammlung übernahm später in Resolution 181 vom 29. November 1947 eine modifizierte Form der Mehrheitsempfehlung. Iran stimmte dagegen. Doch der iranische Diplomat in diesem Ausschuss, Nasrollah Entezam, gewann im britischen Mandatsgebiet Palästina Eindrücke, die die offizielle iranische Position weit weniger eindeutig erscheinen liessen, als sie später wirkte.

UNSCOP war weder ein manipuliertes prozionistisches Instrument noch ein vollkommen neutrales, unbeschriebenes Blatt. Es war ein heterogenes und oft gespaltenes Gremium, dessen Mitglieder mit unterschiedlichen Annahmen, Loyalitäten und Graden an Unabhängigkeit an ihre Aufgabe herangingen. Einige wurden eng von ihren Regierungen geführt; andere, allen voran der schwedische Vorsitzende Emil Sandström, handelten mit bemerkenswerter Eigenständigkeit. Dass sich der Ausschuss am Ende in Richtung Teilung bewegte, war weniger das Ergebnis eines vorab festgelegten Plans als vielmehr der Realität, auf die er in Palästina traf. Auch Irans offizielle Linie war zugleich von Prinzipien und Druck geprägt. Teheran argumentierte, die Teilung würde den Konflikt vertiefen und nur ein föderaler Rahmen könne Blutvergiessen verhindern. Zugleich setzten arabische Regierungen, vor allem der Irak, Iran unter Druck, nicht von der gemeinsamen arabischen Linie abzuweichen. Unter diesen Umständen konnte es sich das offizielle Iran kaum leisten, weich zu erscheinen.

Und doch war der Mann, der für Iran sprach, kein Ideologe. Entezam war einer der kultiviertesten und erfahrensten Diplomaten im iranischen Dienst, ein Produkt der alten kosmopolitischen iranischen Elite. Er hatte in Paris, Warschau, Bern und London gedient, Iran 1945 auf der Konferenz von San Francisco vertreten, auf der die Vereinten Nationen gegründet wurden, und wurde 1947 ständiger Vertreter seines Landes bei der Organisation. Von feinem Auftreten und liberalem Temperament, gelangte er in manchen formalen Fragen zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie sein indischer Kollege Sir Abdur Rahman – doch tat er dies, wie die Quellen nahelegen, gegen seine eigenen Instinkte. Kurz nachdem UNSCOP seine Arbeit in Jerusalem aufgenommen hatte, soll er dem iranischen Konsul vertraulich gesagt haben: „Wir werden mit den Juden zu einer Verständigung kommen müssen.“

Entezam scheint mit einer grundsätzlich proarabischen Haltung nach Palästina gekommen zu sein. Doch der Aufenthalt begann, auf ihn zu wirken. Während des Aufenthalts von UNSCOP im Sommer 1947 im Mandatsgebiet boykottierte die arabische Führung den Ausschuss und verweigerte ihm anhaltende formelle palästinensisch-arabische Aussagen. Die zionistische Bewegung sorgte dagegen dafür, dass die Delegierten ein funktionierendes nationales Projekt zu sehen bekamen: Kibbutzim, Moschawim, Schulen, Spitäler, administrative Ordnung und eine Gemeinschaft, die bereit für die Staatlichkeit schien. Entezam reagierte besonders stark auf diese Art von Evidenz. Er liess sich nicht allein durch Rhetorik beeindrucken.

Die zionistische Führung verstand zudem, dass Einfluss nicht nur in Anhörungssälen gewonnen wurde. Während die Delegierten durch das Land reisten, wurde darauf geachtet, dass sie Menschen trafen, die ihre eigenen Sprachen sprachen – in Entezams Fall Persisch, bei anderen Niederländisch, Spanisch, Tschechisch oder Schwedisch. Im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem kam es für ihn zu einem emotionalen Wiedersehen mit einem Chirurgen, der ihn einst am Ohr operiert hatte. Solche Episoden halfen dabei, den Jischuw nicht als Abstraktion, sondern als lebendige und hoch organisierte Gesellschaft erscheinen zu lassen.

Einmal, ohne zu wissen, dass sich in der Nähe ein Haganah-Mann befand – also ein Mitglied der wichtigsten jüdischen Miliz im britischen Mandatsgebiet Palästina und Vorläufer der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte –, der Persisch verstand, soll Entezam seinem Stellvertreter Ali Ardalan zugemurmelt haben: „Was für Esel die Araber sind. Das Land ist so schön, und man könnte es entwickeln; wenn man es ganz den Juden gäbe, würden sie Europa daraus machen.“ Es war eine bezeichnende Bemerkung. Nicht, weil sie ihn zu einem Zionisten gemacht hätte, sondern weil sie die Richtung seiner privaten Eindrücke erkennen liess. Das offizielle Iran lehnte die Teilung weiterhin ab.

Seine Begegnung mit David Ben-Gurion macht diese Spannung besonders deutlich. Ben-Gurions Aussage vor UNSCOP war kraftvoll und kämpferisch, doch eine Passage sprach Entezam offenkundig besonders an: Ben-Gurions Darstellung von Kyros dem Grossen, der 538 v. Chr. den Juden die Rückkehr aus dem babylonischen Exil erlaubte, als Vorläufer moderner zionistischer Diplomatie, und der Balfour-Deklaration von 1917 als deren modernem Gegenstück. Entezam erwiderte, er sei von dieser Anspielung „sehr berührt“ gewesen, und bemerkte, dass Persien dem Volk Israel einst einen Dienst erwiesen habe. Doch er ging rasch von der Sentimentalität zur Sache über und fragte, ob der eigentliche Unterschied zwischen Juden und Arabern nicht vor allem im Zeitpunkt liege: Die Araber wollten sofort einen unabhängigen demokratischen Staat unter den bestehenden demographischen Verhältnissen, während die Juden die Unabhängigkeit erst wollten, wenn sie die Mehrheit geworden wären. Ben-Gurion wies diese Sichtweise zurück und beharrte darauf, dass es im Kern nicht nur um den Zeitpunkt gehe, sondern darum, ob eine künftige Ordnung die Juden als gleichberechtigte nationale Partner mit einem Recht auf Einwanderung und Rückkehr anerkennen würde. Entezams Betonung der Demokratie war in einer Region bemerkenswert, in der repräsentative Regierungsformen häufiger beschworen als tatsächlich praktiziert wurden. Die Geschichte sollte diesem Austausch eine zusätzliche Ironie verleihen: Israel sollte zur einzigen dauerhaften Demokratie des Nahen Ostens werden und ist in den aktuellen Bewertungen von Freedom House bis heute der einzige Staat der Region, der als „frei“ eingestuft wird.

Wenn Ben-Gurion Entezams historische Vorstellungskraft ansprach, so lag Chaim Weizmann dem Temperament von Diplomaten natürlicher. Der berühmte Wissenschaftler und elder statesman des Zionismus trat vor UNSCOP nicht als offizieller Vertreter der Jewish Agency auf – des wichtigsten politischen Organs der zionistischen Bewegung und des Jischuw unter dem britischen Mandat –, sondern als Privatperson, was ihm ungewöhnliche Freiheit verlieh. Das Abendessen, das er später in seinem Haus in Rehovot gab, hinterliess bei den Mitgliedern des Ausschusses einen besonders starken Eindruck. Haganah-Geheimdienstberichte mögen seinen persönlichen Einfluss überzeichnet haben, doch Weizmann trug zweifellos dazu bei, den Boden für die Teilungsempfehlung zu bereiten, die UNSCOP am Ende übernehmen sollte.

Entezams Differenzen mit dem indischen Vertreter Sir Abdur Rahman traten am klarsten im Zusammenhang mit dem arabischen Boykott zutage. Die beiden muslimischen Delegierten in UNSCOP waren nie wirklich auf einer Linie. Rahman stand der Position des Arabischen Hohen Komitees, des wichtigsten politischen Organs der palästinensischen Araber, deutlich näher, während Entezam moderater war und sich sichtlich unwohl fühlte angesichts kompromissloser Verweigerung. Als die palästinensisch-arabische Führung sich weigerte, mit dem Ausschuss zu kooperieren, wandte sich UNSCOP schliesslich, wenn auch widerwillig, den arabischen Staaten zu.

Rahman versuchte, den Prozess nach Ägypten zu verlagern, wo er hoffte, der Kontakt mit Hajj Amin al-Husseini, dem im Exil lebenden Mufti von Jerusalem, könnte den Boykott doch noch brechen. Entezam vertrat eine andere Linie. Er wehrte sich dagegen, dem Mufti – dessen fanatischer Antisemitismus und Zusammenarbeit mit Nazi-Deutschland ihn zu einer toxischen Figur machten – eine solche Stellung einzuräumen, und drängte stattdessen darauf, die arabischen Staaten im Libanon anzuhören. Am Ende setzte er sich durch.

Die Anhörungen im Libanon zeigten sowohl, warum Entezam Abstand zum Mufti wollte, als auch, wie begrenzt die arabischen Alternativen weiterhin waren. Die Vertreter der Arabischen Liga waren im Ton moderater als al-Husseini, blieben jedoch entschieden zionismusfeindlich. Ihr gemeinsames Memorandum lehnte nicht nur einen jüdischen Staat ab, sondern selbst jüdische Autonomie auf dem, was sie als „arabisches Land“ betrachteten, warnte, ein solcher Ausgang werde Krieg in die Region bringen, und verlangte einen unabhängigen arabischen Staat. Als man sie darauf drängte, ob selbst ein unter der Schirmherrschaft der UNO geschaffener jüdischer Staat als „durch Gewalt errichteter“ Staat gelten würde, verweigerten sie eine klare Antwort. Die Bedeutung war dennoch unmissverständlich: Wenn ein jüdischer Staat entstünde, würde er auf Gewalt stossen. Schon damals waren die Risse in der angeblich geeinten arabischen Front deutlich sichtbar. König Abdullah von Transjordanien verfolgte seine eigene Agenda, zeigte im Privaten Flexibilität und sogar Unterstützung für die Teilung – vor allem, weil er die Chance sah, arabische Gebiete zu annektieren, die nicht in einen jüdischen Staat fallen würden.

Am Ende unterzeichnete Iran den Minderheitenbericht zugunsten eines föderalen Staates und stimmte gegen die Teilung. Doch Entezams private Entwicklung weist in eine andere Richtung. Er war beeindruckt von der Entwicklung und organisatorischen Stärke der jüdischen Gemeinschaft in Palästina, interessierte sich für einen Kompromiss über Jerusalem, zeigte sich zeitweise offen für die Teilung und stand britischen Berichten zufolge sogar einer gross angelegten jüdischen Einwanderung privat wohlwollend gegenüber. Er drängte seine Kollegen auch, keinen Bericht ohne Empfehlungen vorzulegen. Mit anderen Worten: Öffentlich hielt er an der offiziellen iranischen Linie fest, auch wenn seine privaten Eindrücke ihn zunehmend in eine andere Richtung zogen.

Genau das macht Irans Rolle in UNSCOP so aufschlussreich. 1947 war Iran noch nicht der ideologische Feind Israels, zu dem es nach 1979 werden sollte. Es war eine vorsichtige Monarchie, eingeengt durch arabischen Druck und vertreten durch einen Diplomaten, der mehr verstand, als er öffentlich sagen konnte. Der spätere Verlauf der iranischen Politik unter dem Schah unterstreicht das nur: Iran erkannte Israel 1950 de facto an, und die beiden Staaten unterhielten später eine stille, aber folgenschwere Beziehung.

Entezams eigenes Leben endete in bitterer Ironie: Nach der Islamischen Revolution kehrte er von einer medizinischen Behandlung in der Schweiz zurück, obwohl seine Familie ihn gebeten hatte, fernzubleiben; bei seiner Ankunft in Teheran wurde er verhaftet, im Evin-Gefängnis eingesperrt und gefoltert, erlitt einen Schlaganfall und starb am 19. Dezember 1980. Sich an Irans vergessene Rolle bei der Geburt Israels zu erinnern, heisst auch, eine harte Wahrheit zu erkennen: Solange das Mullah-Regime fortbesteht, wird jede echte Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen Iran und Israel ausser Reichweite bleiben.

1 Kommentar

  1. Äusserst informativer Bericht. Was Entezam sicher auch wusste ist, dass wenn Islam dabei ist eine Demokratie niemals entstehen kann. Kein Land der ca. 53 Islamstaaten kann auch nur im Enferntesten als „demokratisch“ oder Demokratie angesehen werden! Es ist auch nirgends vorgesehen, dass Islam und Demokratie nebeneinander funktionieren! Für den Islam zählt nur Dominanz!

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