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Wenn Terror zum Alltag wird: Wie islamistische Gewalt in den europäischen Medien normalisiert wird

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Menschen versammeln sich am Bondi Beach vor dem Bondi Pavilion, um der Opfer des Anschlags in Sydney zu gedenken, 15. Dezember 2025. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
Menschen versammeln sich am Bondi Beach vor dem Bondi Pavilion, um der Opfer des Anschlags in Sydney zu gedenken, 15. Dezember 2025. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
Lesezeit: 6 Minuten

Ich war kürzlich in England und sass mit britischen Juden im Alter von etwa vierzig Jahren zusammen, von denen die meisten kleine Kinder hatten. Das Gespräch kreiste immer wieder um dasselbe Thema, selbst dann, wenn es niemand ausdrücklich benannte. Immer mehr ihrer jüdischen Freunde, erzählten sie mir, verlassen das Vereinigte Königreich. Nicht Richtung Israel, sondern nach Dubai – ein Ort, den sich keiner von ihnen jemals zuvor als Zuflucht vorgestellt hatte, der sich nun aber einfacher, ruhiger und weniger belastend anfühlte. Die Ironie entging ihnen nicht, aber auch nicht die nüchterne Abwägung.

Was sie tatsächlich beschrieben, war kein einzelnes Ereignis und keine plötzliche Panik, sondern ein leises, stetiges Gefühl, dass sich etwas Grundlegendes verschoben hatte. Dass sich das Land, in dem sie aufgewachsen sind, nicht mehr berechenbar anfühlt. Oder nicht mehr vollständig sicher. Dass sich die Sprache verändert hat, mit der Gewalt beschrieben wird. Und dass mit jedem neuen Angriff auf Juden – ob auf eine Einzelperson, eine Synagoge, eine Schule oder einen jüdischen Ort – die Erklärung für den Angriff heute schneller geliefert wird als die Auseinandersetzung mit dem, was geschehen ist und wem es widerfahren ist. Jüdische Opfer stehen dadurch nicht mehr im Mittelpunkt der Berichterstattung, sondern sind zum Hintergrund des Lärms drumherum geworden.

Jemand erwähnte Bondi, eher beiläufig. Nicht, weil es in der Nähe lag, sondern weil es vertraut klang. Jeder wusste, wofür es stand – dafür, wie etwas, das als isolierte Tat beginnt, rasch in ein bekanntes Narrativ von Leid und Unterdrückung eingebettet wird, bis das eigentliche Ziel fast nebensächlich erscheint. Die Gewalt wird zur Kenntnis genommen, aber nur kurz, bevor sich der Fokus auf etwas anderes verschiebt. So verbreitet sich Angst heute – nicht nur durch Schlagzeilen, sondern auch durch Gespräche wie diese, in Wohnzimmern und Küchen, unter Menschen, die still darüber nachdenken, wie die Zukunft aussehen könnte.

Was sie beschrieben, war keine Hysterie und kein Vorurteil, sondern das Erkennen von Mustern, etwas das jüdische Gemeinschaften in Europa früh lernen. Es beginnt, wenn die Berichterstattung innerhalb von Stunden von dem, was geschehen ist, zu der Frage übergeht, warum es geschehen ist, und die Opfer rasch durch umfassendere Erklärungen verdrängt werden: Ausgrenzung, Entfremdung, Radikalisierung, Migrationsdruck oder die Behauptung, der Täter habe sich „nicht zugehörig gefühlt“. Wut wird als Reaktion auf soziale Marginalisierung oder aussenpolitische Missstände dargestellt, und Gewalt wird zu einem Symptom gesellschaftlicher Spannungen und nicht zu einer Handlung, die sich gegen bestimmte Menschen richtet.

Wenn Gewalt immer wieder auf diese Weise erklärt wird, statt ihr klar zu begegnen; wenn Ideologie zu Kränkung abgeschwächt wird; und wenn jeder Angriff als isolierter Ausdruck sozialer Spannungen behandelt wird statt als Teil eines Musters, dann werden Angst und Unsicherheit nicht mehr nur nach konkreten Ereignissen empfunden, sondern Teil des Alltags. Die Menschen warten nicht mehr auf den nächsten Vorfall, um sich unsicher zu fühlen. Sie fühlen sich ständig unsicher.

Gleichzeitig hören Menschen auf, auf Anerkennung, Verantwortlichkeit und Handeln von Regierungen und Institutionen zu warten. Stattdessen beginnen sie, private Kalkulationen anzustellen: Welche Schulen sollen ihre Kinder besuchen? Wie sichtbar wollen sie sein? Welche Viertel gelten als sicher oder unsicher? Und ergibt es überhaupt noch Sinn, im Land zu bleiben?

Es gab eine Zeit, in der Angriffe auf jüdische Ziele in Europa klar benannt wurden. Ideologie wurde genannt. Motive waren relevant. Verantwortung war eindeutig. Mit der Zeit jedoch veränderte sich die Sprache. Täter wurden zu „problematischen Einzelpersonen“. Gewalttaten wurden zu „Vorfällen“ reduziert. Ziele verwandelten sich in Symbole. Jüdische Gemeinschaften, einst klar als Opfer identifiziert, wurden zu Fussnoten in einer viel grösseren Erzählung über Europas eigene Ängste – vor Migration und Integration, Schuldgefühle wegen Kolonialgeschichte und Rassismus, die Furcht, als intolerant oder islamophob zu gelten, sowie Lähmung in Fragen von Grenzen, Identität und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Nach Jahrzehnten, die vom Holocaust, der Nachkriegs-Menschenrechtskultur und kolonialer Schuld geprägt waren, entwickelten europäische Institutionen und Medien eine grosse Angst davor, Probleme falsch zu benennen. Am stärksten ist diese Angst dort, wo Minderheitenschutz, Migration und Religion aufeinandertreffen, beispielsweise bei Gewalt mit muslimischem Hintergrund. Entsprechende Gewalt wird daher mit äusserster Vorsicht behandelt, da man befürchtet, die Benennung der Ideologie könnte als kollektive Schuldzuweisung verstanden werden.

Paradoxerweise glaubt Europa, bereits zu wissen, wie man sensibel mit Juden umgeht – und genau dieser Glaube ist Teil des Problems geworden. Der Holocaust wurde institutionalisiert, Memorials wurden errichtet und er wird gelehrt. Jüdisches Leiden gilt als moralisch abgeschlossene Angelegenheit. Wenn Juden heute angegriffen werden, ist der erste Impuls daher nicht verstärkter Schutz, sondern Interpretation. Antisemitismus muss über jeden Zweifel hinaus bewiesen werden, bevor er benannt werden darf – selbst dann, wenn Juden eindeutig die Zielscheibe sind.

Zudem werden Juden allgemein als etabliert, integriert und erfolgreich wahrgenommen. Häufig werden sie auch mit Israel und Macht in Verbindung gebracht. Diese Wahrnehmung beseitigt die Verwundbarkeit zwar nicht, verändert jedoch die Wahrnehmung von Verwundbarkeit. Angriffe auf Juden werden oft als politisch motiviert, als Protest oder als importierter Konflikt umgedeutet. Von Juden wird erwartet, den Kontext zu verstehen. Während Muslime oft vor kollektiver Schuldzuweisung geschützt werden, wird bei Juden darüber hinweggegangen.

Europa hat nicht aufgehört, sensibel gegenüber Juden zu sein. Es hat diese Sensibilität lediglich in der Vergangenheit eingefroren. Damit hat es versäumt zu erkennen, wie sich Antisemitismus verändert hat – und wer heute die Kosten trägt.

Ich habe diese Verschiebung aus nächster Nähe in Redaktionen erlebt, nicht durch dramatische redaktionelle Entscheidungen oder formelle Richtlinien, sondern durch kleine, schrittweise Entscheidungen. Ein Wort hier abgeschwächt. Ein Motiv dort vertagt. Ein Satz „bis zur Bestätigung“ gestrichen, selbst wenn diese Bestätigung bereits durch Polizeiangaben oder durch die eigenen Aussagen des Täters vorlag. Niemand widersprach. Niemand musste es.

Im Laufe der Zeit wurde Gewalt gegen Juden nicht mehr als etwas dargestellt, das Juden in Europa widerfuhr, sondern als etwas, das Europa insgesamt erlebte. Das ist entscheidend, denn Ideologie hat Konsequenzen, während kulturelle Erklärungen Verantwortung auflösen. Wenn islamistische Gewalt primär als kulturelle Kränkung oder sozialer Protest dargestellt wird, wird die Tat nicht mehr in ihren eigenen Kategorien untersucht. Die Frage lautet nicht mehr, welche Weltanschauung den Angriff gerechtfertigt hat, sondern welcher Druck den Einzelnen dazu gebracht hat. Die Verantwortung verschiebt sich vom Täter weg und hin zum Abstrakten.

Jüdische Gemeinschaften spüren diese Folgen zuerst. Sicherheitskräfte tauchen an Schulen auf. Veranstaltungen werden stillschweigend abgesagt. Sichtbarkeit wird reduziert. Routen werden geändert. Das geschieht nicht, weil Juden besonders ängstlich wären, sondern weil sie gelernt haben, wie schnell Besorgnis in Erklärung und Erklärung in Untätigkeit übergeht.

Das hat nicht erst vor kurzem begonnen. Es hat sich in Frankreich über zwei Jahrzehnte hinweg entwickelt, in Grossbritannien seit mehr als einem Jahrzehnt und in Teilen Skandinaviens sogar noch länger. Neu ist heute, dass viele Juden nicht mehr darauf warten, dass sich die Lage verbessert, sondern ihr Leben um die Annahme herum planen, dass das derzeitige Mass an Bedrohung und Unsicherheit von Dauer ist.

Moderne Medien, getrieben von Geschwindigkeit und Vereinfachung, verstärken diese Entwicklung. Es ist einfacher, Gewalt über soziale Kränkungen und historischen Kontext zu erklären, als sich mit religiöser Ideologie, Antisemitismus oder Radikalisierung auseinanderzusetzen, die nicht in klare politische Kategorien passen. Mit der Zeit werden diese Muster zur Norm. Keine Verschwörung. Nur Wiederholung.

Die Gefahr eines solchen Denkens besteht nicht nur darin, dass sie Mitgefühl für Täter erzeugt. Es mindert auch die Dringlichkeit, darauf zu reagieren. Wenn Gewalt in erster Linie als soziales Symptom verstanden wird, lässt der politische Druck nach, die Strafverfolgung zögert und der Schutz wird nur noch provisorisch gewährleistet. Damit wird nicht nur die Realität verzerrt, sondern auch die jüdischen Gemeinden aktiv gefährdet und Europa in seiner Fähigkeit eingeschränkt, Extremismus ehrlich zu benennen und zu bekämpfen.

Wenn Terror zur Kultur wird, wird er dauerhaft. Und europäische Juden zahlen dafür bereits den Preis.

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