Studie: Fast ein Drittel der Briten kennt kein NS-Lager

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Das erste Kontingent polnischer Flüchtlingskinder von der polnisch-deutschen Grenze verlässt die SS Warszawa in Mark Brown's Wharf, Tooley Street, London. Die Flüchtlingskinder erhalten bei ihrer Ankunft Anweisungen von einem Beamten. 29. August 1939, London Vereinigtes Königreich England Copyright: Topfoto / Foto IMAGO / United Archives International
Das erste Kontingent polnischer Flüchtlingskinder von der polnisch-deutschen Grenze verlässt die SS Warszawa in Mark Brown's Wharf, Tooley Street, London. Die Flüchtlingskinder erhalten bei ihrer Ankunft Anweisungen von einem Beamten. 29. August 1939, London Vereinigtes Königreich England Copyright: Topfoto / Foto IMAGO / United Archives International
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Eine grosse Mehrheit der Briten weiss einer Studie zufolge über den Holocaust Bescheid – hat aber zugleich Wissenslücken zu zentralen Aspekten der systematischen Vernichtung der europäischen Juden. So war 52 Prozent der Befragten nicht bekannt, dass rund sechs Millionen Juden getötet wurden: 22 Prozent gingen von zwei Millionen oder weniger aus, wie es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie der jüdischen Claims Conference heisst. Demnach konnte zudem fast ein Drittel der Befragten (32 Prozent) keines der NS-Lager oder Ghettos nennen, und wenn, dann meist Auschwitz mit 63 Prozent.

Insgesamt 57 Prozent der Befragten waren laut Studie der Meinung, dass sich heute weniger Menschen für den Holocaust interessierten als früher. Fast ebenso viele (56 Prozent) denken, dass sich so etwas wie der Holocaust heute wiederholen könnte. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass einige wenige Menschen in Grossbritannien glaubten, dass der Holocaust gar nicht stattgefunden habe; 22 Prozent, dass „sehr viele“ oder „viele“ Menschen dies glaubten. 65 Prozent machen in Grossbritannien selbst Antisemitismus aus.

Der Studie zufolge überschätzen viele Briten die Reaktion ihres Landes auf die Vernichtung der Juden. So dachten 67 Prozent fälschlicherweise, dass die Regierung jüdische Einwanderung während des Zweiten Weltkriegs ganz oder teilweise zugelassen habe. 76 Prozent war nicht bekannt, dass mit der Aktion der Kindertransporte versucht wurde, jüdische Kinder aus Deutschland zu retten.

„Wir sind sehr besorgt über die grossen Wissenslücken über den Holocaust in dieser und in früheren Studien; auch über Ereignisse, die mit Grossbritannien in Verbindung stehen“, erklärte Gideon Taylor, Präsident der Conference on Jewish Material Claims Against Germany (Claims Conference). Es sei jedoch „auch ermutigend, dass eine überwältigende Mehrheit der befragten Briten bekräftigt, dass der Holocaust in Schulen vermittelt werden soll“. So seien 88 Prozent der Meinung, es sei wichtig, den Holocaust im Unterricht zu behandeln. „Darauf müssen wir unsere Energie konzentrieren.“

Den Angaben zufolge wurden für die repräsentative Studie 2.000 Interviews mit Erwachsenen ab 18 Jahren zwischen dem 29. September und dem 17. Oktober 2021 im Vereinigten Königreich geführt. Die 1951 gegründete Claims Conference mit Büros in New York, Israel und Deutschland kümmert sich um materielle Entschädigung von Holocaust-Überlebenden weltweit.

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