"Baseball für Alle" bringt 15 israelische Araber und 15 israelische jüdische Kinder zusammen zum Baseball spielen. Foto Yossi Zamir / JNF
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Eine Gruppe von 30 Jugendlichen mit Baseballschlägern kann viel Schaden anrichten. Die Gründer von „Baseball für Alle“ (Baseball Le’Kulam) wollen jedoch das Gegenteil bewirken: Mithilfe des grossen amerikanischen Volkssports wollen sie die Freundschaft zwischen jungen jüdischen und arabischen Israelis stärken.

Von Abigail Klein Leichman

Gerade ging das erste Jahr von Baseball für Alle zu Ende, in dessen Verlauf sich 15 jüdische Jugendliche im Alter von 11 bis 13 aus Modi’in mit ihren 15 arabischen Pendants aus Ramla (Ramle) dreimal zu einem kostenlosen Baseball-Camp samt Übernachtung im Baptistendorf in der Nähe von Petach Tikwa trafen. Sie und ihre Familien trafen sich zudem zweimal zu einem gemeinsamen Dialog. In der Zwischenzeit arbeiteten Trainer mit jeder Gruppe vor Ort.

„Es war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg – athletisch, pädagogisch und logistisch gesehen“, sagt Nate Fish aus Jaffa, Cheftrainer der Nationalmannschaft des Israelischen Baseballverbands [Israel Association of Baseball (IAB)] und Leiter von Baseball für Alle. „Sogar die Eltern sind wirklich begeistert und wollen in Kontakt bleiben und sich engagieren.“

Der IAB ist der Hauptsponsor des Programms, das sich zudem durch Spenden von Unternehmen und Privatpersonen finanziert. Die US-amerikanische gemeinnützige Organisation Play Global, die Baseball in Konfliktgebieten auf der ganzen Welt aufbaut, arbeitete gemeinsam mit Fish an der Entwicklung von Baseball für Alle und organisierte einen professionellen Trainer für die Übernachtungscamps.

„Man konnte sehen, wie sich die Kinder beim Baseball und auch physisch immer weiter entwickelten. Man konnte sehen, wie die Kinder mit jedem der drei Camps immer freundlicher zueinander wurden“, sagt Peter Kurz, Präsident des IAB und Manager von JNF Project Baseball.

Die 2015-Gruppe an ihrem dritten und letzten Treffen im Dezember. Foto Yossi Zamir / JNF.
Die 2015-Gruppe an ihrem dritten und letzten Treffen im Dezember. Foto Yossi Zamir / JNF.

„Wir haben darauf geachtet, dass alle Zimmer und Teams vollständig integriert waren, und sie hatten einfach eine wundervolle Zeit zusammen. Es gab keinerlei Spannungen, obwohl man das hätte erwarten können“, berichtet Kurz. „Ich denke das lag hauptsächlich an der Erkenntnis, dass alle Menschen gleich sind. Und wir haben hiermit zu dieser Erkenntnis beigetragen.“

Der Baseball-Trainer Ophir Katz aus Tel Aviv erzählt, dass er schon seit Langem in gemeinsame Aktivitäten von jüdischen und arabischen Kindern in Tel Aviv-Jaffa involviert ist. In diesem Jahr startete er beispielsweise ein IAB-Programm für Fünft- und Sechstklässler an der Bialik-Rogozin-Schule im Süden Tel Avivs, wo die meisten Schüler Kinder von Migranten aus einer Vielzahl von Ländern sind.

„Sie für 24 Stunden zusammenzubringen bewirkt eine enorme Entwicklung”, so Ophir Katz über Baseball für Alle.

„Als wir darauf warteten, dass sie – widerwillig – zu Bett gingen, sprachen wir darüber, dass sie während des ersten Camps im letzten Februar nicht wirklich miteinander auskamen oder redeten. Doch dieses Mal sprachen die Kinder miteinander“, so Katz. „Die Mädchen aus Ramla führten ihren traditionellen Tanz auf und alle sassen zusammen in den Zimmern und redeten miteinander. Ich glaube, sie haben sich einfach aneinander gewöhnt.“

Katz sagt, dass Baseball Lektionen über Not, Teamwork und Geduld lehren kann. „Aber ich glaube, es war am wichtigsten, dass das Spiel die Aufregung bot, etwas Neues und Spassiges zu lernen. Keines der Kinder hatte zuvor Baseball gespielt.“

„Ich nenne es ‚schmerzlose Erziehung.“

„Ich nenne es ‚schmerzlose Erziehung“, so David Leichman, Vorstandsmitglied des IAB und aktiver Befürworter von Baseball für Alle. „Wie eine mit uns befreundete Nonne sagte – das Schöne daran ist, dass sie alle lernen, ein neues Spiel nach den gleichen Regeln zu spielen.“

Leichman, der im Kibbuz Gezer in der Nähe von Ramla im Zentrum Israels lebt, war ein enger Freund von Samir Dabit, einem christlich-arabischen Bewohner Ramlas, der vor Kurzem verstarb. Er berichtete Dabits Enkel, dem 19-jährigen Sami Salman, von Baseball für Alle, und dieser war sofort bereit, Kinder aus seiner Heimatstadt dafür zu rekrutieren.

Nach dem Abschluss von der Orthodoxen Arabischen Schule im vergangenen Jahr verbrachte Salman Zeit bei einer Familie in Kansas City – Ramlas Partnerstadt durch ein Städtepartnerschaftsprogramm der jüdischen Vereinigung – und sah die Kansas City Royals in zwei Spielen der Baseball-World-Series.

„Ich hatte eine wirklich tolle Zeit dort, und der Sport war einfach nur unglaublich”, berichtet er. „Als David mich darum bat, bei Baseball Le’Kulam zu helfen, hielt ich das für eine sehr gute Idee. Ich will es hier besser machen, und vielleicht schaffen die jüdischen und arabischen Kids das durch Baseball.“

Der Leiter der Orthodoxen Arabischen Schule begrüsste Salman, Leichman und Fish dabei, Teilnehmer zu rekrutieren. Obwohl dies eine private christliche Schule ist, sind viele Schüler Muslime und fast die Hälfte derer, die sich anmeldeten, sind ebenfalls Muslime.

Sami Salman und David Leichman. Foto Yossi Zamir
Sami Salman und David Leichman. Foto Yossi Zamir

„Wir erzählten den Kindern, dass sie mit Kindern aus einer anderen Stadt zusammen sein, Englisch üben und eine neue Sportart lernen würden. Diese Kinder kennen nun das Spiel und wollen es in der Zukunft weiterspielen. Das finde ich richtig cool“, so Salman.

Der Rotary Club in Leewood, Kansas, und der Rotary Club von Ramla haben beide ihr Interesse daran bekundet, das Programm zu unterstützen, so Leichman.

„Wir arbeiten nun mit dem Bürgermeister von Ramla zusammen, um einen Platz zu finden, auf dem Baseball gespielt werden kann. Wir wollen Baseball Le’Kulam in ganz Israel ausbauen“, sagt Leichman, der darauf hofft, dass einige Teilnehmer später in der israelischen Nationalmannschaft spielen werden.

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Via ISRAEL21c