Start Meinung & Analyse Der Angriff, der ausblieb: Wie knapp Israels Norden einer Katastrophe entging

Der Angriff, der ausblieb: Wie knapp Israels Norden einer Katastrophe entging

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Militärübung der Hisbollah in der Nähe der israelischen Grenze in der Provinz Nabatieh, Libanon, am 21. Mai 2023. Foto IMAGO / Anadolu Agency
Militärübung der Hisbollah in der Nähe der israelischen Grenze in der Provinz Nabatieh, Libanon, am 21. Mai 2023. Foto IMAGO / Anadolu Agency
Lesezeit: 3 Minuten

In einem aktuellen Bericht von Ynetnews vom 18. Januar 2026 beschreibt der israelische Journalist und Kriegsberichterstatter Yair Kraus, wie knapp Israel im Norden einer militärischen Katastrophe entging. Darin legt er dar, dass die Hisbollah seit Jahren einen gross angelegten Angriff auf Galiläa geplant hatte und Israels Sicherheitsapparat auf dieses Szenario nur unzureichend vorbereitet war.

Der Plan der Hisbollah sah vor, innerhalb weniger Stunden mehrere israelische Grenzorte zu überrennen und das gesamte nördliche Grenzgebiet faktisch vom Rest des Landes abzuschneiden. In der ersten Angriffswelle sollten nach den vorliegenden Erkenntnissen rund 3.000 Kämpfer der Eliteeinheit Radwan zum Einsatz kommen. Diese waren in etwa 15 reduzierten Bataillonen organisiert. Laut Recherchen von Kraus verfügten viele von ihnen über Kampferfahrung aus dem Bürgerkrieg in Syrien.

Die Vorbereitungen gingen weit über improvisierte Gefechtspläne hinaus. In unmittelbarer Nähe der israelischen Grenze wurden sogenannte „Proximity-Tunnel” angelegt, die knapp vor der Grenzbefestigung endeten. Sprengladungen sollten diese Barrieren gezielt aufreissen. Zeitgleich war ein massiver Raketenbeschuss vorgesehen, um Sensoren, Überwachungskameras und die militärische Infrastruktur entlang der Grenze auszuschalten.

Mehrere Angriffsachsen, ein klares Ziel

Der operative Kern des Plans bestand aus fünf Angriffsachsen. Eine Brigade sollte schnell in die nur wenige Kilometer von der Grenze entfernte Küstenstadt Nahariya vorrücken. Parallel dazu war ein amphibischer Einsatz geplant. Rund 150 Spezialkräfte der Marine sollten anlanden, um Zivilisten zu entführen.

Weitere Verbände sollten die Kleinstadt Shlomi besetzen, den strategisch wichtigen Acre–Safed-Korridor unterbrechen und in Richtung Karmiel vorstossen. Schlüsselpositionen wie der Hügelzug Ramim waren vorgesehen, um israelisches Artilleriefeuer in Richtung Libanon zu unterbinden. Eine fünfte Einheit sollte als Reserve fungieren und auf direkte Befehle aus dem Iran warten.

Zivile Verteidigung praktisch handlungsunfähig

Besonders gravierend war laut der Analyse von Kraus die Lage in den betroffenen Gemeinden selbst. Die lokalen Bereitschafts- und Verteidigungseinheiten, die im Ernstfall die ersten Minuten bis zum Eintreffen regulärer Truppen überbrücken sollten, waren im Norden grösstenteils entwaffnet. Ihre Waffen wurden zentral bei regionalen Militärstützpunkten gelagert, die teils mehrere Kilometer entfernt waren.

Das zugrunde liegende Sicherheitskonzept ging davon aus, dass im Krisenfall ausreichend Vorwarnzeit zur Verfügung stünde. Mitglieder der zivilen Einsatztrupps hätten sich demnach zunächst bewaffnen und anschliessend in ihre Ortschaften zurückkehren sollen. Der Bericht zeigt jedoch auf, dass dieses Konzept unter realen Angriffsbedingungen faktisch nicht umsetzbar gewesen wäre.

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Eine Karte des Nordens Israels. Foto IDF

Zu wenige Soldaten an einer langen Front

Auch die regulären Streitkräfte entlang der libanesischen Grenze waren deutlich unterdimensioniert. Am 7. Oktober standen lediglich vier Bataillone zur Verfügung, verteilt auf eine rund 130 Kilometer lange, topografisch anspruchsvolle Front. Feiertagsurlaub und der Überraschungseffekt hätten die Einsatzfähigkeit zusätzlich eingeschränkt.

Mehrere Offiziere hatten intern wiederholt vor dieser Situation gewarnt. Die Annahme, die Hisbollah sei grundsätzlich abgeschreckt und werde keinen grossangelegten Angriff riskieren, dominierte über Jahre hinweg die strategische Einschätzung.

Warum der Angriff nicht erfolgte

Dass der Angriff letztlich ausblieb, lag nach Einschätzung mehrerer im Bericht zitierter Sicherheitsexperten nicht an einer kurzfristigen israelischen Abschreckungsmassnahme. Vielmehr sei eine politische Entscheidung in Teheran der entscheidende Faktor gewesen. Die iranische Führung habe kein grünes Licht für die Umsetzung des vollständigen Invasionsplans gegeben – möglicherweise aus Rücksicht auf übergeordnete strategische Interessen.

Zwar betont die israelische Armee inzwischen, die Sicherheitslage im Norden grundlegend verbessert zu haben. So wurden die Truppenstärken erhöht, neue Einheiten aufgestellt, zivile Verteidigungsstrukturen wieder bewaffnet und die Einsatzregeln angepasst. Eine umfassende Untersuchung der Versäumnisse im Norden hat jedoch bislang nicht stattgefunden.

Der Bericht macht deutlich, dass die Bedrohung nicht hypothetisch, sondern konkret vorbereitet war. Dass Galiläa verschont blieb, war demnach weniger das Ergebnis einer ausreichend funktionierenden Abschreckung als vielmehr einer Entscheidung ausserhalb Israels und damit einer Art göttlicher Vorsehung.

2 Kommentare

  1. Sollte Israel durch eine Tripleangriff Iran, Hizbollah und HAMAS vernichtet werden, so ist das gründlich „schiefgelaufen“. So erklärt sich wohl jetzt die Frustration u. Wut der Israelhasser u. Antisemiten aller Welt, die sich mit 24/7 Hass- und Hetz-„Berichterstattung mit ständigen u. absurden Vorwürfen des „Völkerrechtsbruchs“ oder gar „Genozids“ abreagieren.

  2. Gott sei großer Dank für sein großes Eingreifen !! Das wäre alles noch viel schlimmer gekommen. ISRAEL verlasst euch auf Gott, das Militär habt ihr nun erlebt. WO währt ihr jetzt OHNE Gottes eingreifen???

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