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Israel steht unmittelbar davor, eines der bedeutendsten Energieabkommen seiner Geschichte abzuschliessen: den Export von 130 Milliarden Kubikmetern Erdgas aus dem Leviathan-Feld nach Ägypten, im Gesamtwert von 35 Milliarden US-Dollar. Nach intensiven Verhandlungen zwischen den Leviathan-Partnern und dem israelischen Energieministerium wurde der finale Entwurf fertiggestellt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu werde das Abkommen in Kürze unterzeichnen, berichten israelische Medien. 

Eine wesentliche Bedingung für die israelische Zustimmung war die Zusage der Betreiberkonsortien NewMed Energy, Chevron und Ratio Petroleum, den israelischen Markt zu festgelegten Preisen zu beliefern. Damit wird faktisch jenes Gas-Outline-Modell wiederbelebt, das vor rund einem Jahrzehnt die Grundlagen der Inlandsversorgung definierte. Gleichzeitig verpflichten sich die Betreiber, die israelische Versorgung zu priorisieren. Sollte es in anderen Feldern wie Tanin, Karish oder Tamar zu Ausfällen kommen, wird Gas aus Leviathan unmittelbar in die israelische Wirtschaft umgeleitet. Auch diese Verpflichtung sei im Originaltext eindeutig dokumentiert.

Die politische Dimension des Abkommens ist bemerkenswert. Netanjahu drängt auf einen zügigen Abschluss, da er am 29. Dezember mit US-Präsident Donald Trump zusammentrifft. Washington unterstützt den Deal, insbesondere aufgrund der Rolle des US-Energiekonzerns Chevron, der mit 39,66 Prozent den grössten Anteil am Leviathan-Feld hält. Amerikanische Spitzenbeamte, darunter der US-Botschafter in Jerusalem, Mike Huckabee, sowie Energieminister Chris Wright, waren seit Monaten aktiv in die Lösung des Stillstands involviert. Wright sagte sogar kurzfristig seine Teilnahme an einer geplanten Unterzeichnungszeremonie ab, nachdem Israel die Exportgenehmigung nicht rechtzeitig erteilt hatte.

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Der israelische Energieminister Eli Cohen und der US-Botschafter Mike Huckabee beim Besuch der Leviathan-Plattform im Oktober. Foto Israelisches Energieministerium

Das ägyptische Interesse an dem Abkommen hat eine eindeutig strukturelle Ursache. Der ägyptische Energiesektor befindet sich in einer Krise, die sich seit Jahren verschärft. Die Energiereserven des Landes sind infolge jahrelanger Überproduktion instabil geworden. Die Gasproduktion fiel von einem Höchststand von 71 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2021 auf nur noch 45 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2024. Gleichzeitig liegt der ägyptische Jahresverbrauch bei etwa 70 Milliarden Kubikmetern. Das Regime von Präsident Abdel Fattah al-Sisi kämpft mit massiven Engpässen, die Bevölkerung ist seit 1981 von 44 auf über 100 Millionen Menschen gewachsen, und die öffentlichen Dienstleistungen – insbesondere Strom – geraten an ihre Grenzen.

Laut israelischen Medien, versuchte Katar während der Verzögerungen, die sich aus den zusätzlichen israelischen Forderungen ergaben, die Situation zu nutzen und Ägypten zum Kauf von katarischem LNG zu bewegen. Politisch erwies sich dies jedoch als heikel. Präsident al-Sisi wollte angesichts der Muslimbruderschaft und der Nähe des katarischen Emirs Tamim al-Thani zu dieser Organisation nicht auf Doha zugehen. Ägypten wich deshalb auf ein kleineres Übergangsabkommen mit Hartree Partners aus, dessen Umfang jedoch nicht annähernd an die geplanten 130 Milliarden Kubikmeter aus Israel heranreicht.

Mit dem Abschluss des Deals können zwei zentrale Infrastrukturprojekte finanziert werden, die langfristig die Produktions- und Exportkapazitäten des Leviathan-Felds erhöhen. Geplant sind der Bau einer neuen Pipeline vom Feld zur Produktionsplattform sowie der Ausbau der Ashkelon-Ashdod-Leitung, die die Transportkapazität in Richtung El-Arish in Ägypten steigern soll. Kurzfristig erhöht sich dadurch die Jahresproduktion von Leviathan von 12 auf 14 Milliarden Kubikmeter. Perspektivisch sollen 21 bis 23 Milliarden Kubikmeter erreicht werden, was eine Verdoppelung der Leistung gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Insgesamt markiert dieses Abkommen einen Wendepunkt in den Energiebeziehungen zwischen Israel und Ägypten. Für Israel ist es ein finanzieller und geopolitischer Erfolg, der die Rolle des Landes als stabiler Energielieferant im östlichen Mittelmeerraum weiter festigt. Für Ägypten ist es eine Überlebensfrage, denn ohne externe Gaslieferungen würde die ohnehin angeschlagene Wirtschaft an einem kritischen Punkt kollabieren. Dass diese Vereinbarung trotz Kriegssituation, trotz Konkurrenzdruck aus Katar und trotz interner regulatorischer Hürden zustande kommt, unterstreicht ihre strategische Tragweite und die zunehmende Bedeutung der israelischen Gasinfrastruktur für die gesamte Region.

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