Start Audiatur Exklusiv Lukas Kundert in Basel: Polizei riet aus Sicherheitsgründen vom Marsch ab

Lukas Kundert in Basel: Polizei riet aus Sicherheitsgründen vom Marsch ab

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Symbolbild. Marsch des Lebens in Chemnitz, Sachsen, Deutschland. Foto IMAGO / imagebroker
Symbolbild. Marsch des Lebens in Chemnitz, Sachsen, Deutschland. Foto IMAGO / imagebroker
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Ansprache von Pfr. Prof. Dr. Lukas Kundert anlässlich des Marsch des Lebens in Basel am 29. April 2025:

Am Wochenende haben die Schweizer Fechter im Final gegen Israel verloren. Bei der Siegerehrung haben sich die vier Fechter bei der Nationalhymne von Sieger Israel demonstrativ nicht in Richtung Flaggen gedreht. Dieses schändliche Verhalten und die damit verbundene Blamage für die Schweiz ist verurteilt worden.

Max Heinzer, der Präsident des Schweizer Fechtverbands, verniedlicht: Die vier jungen Männer seien «am Boden zerstört … wegen des Aufruhrs, den sie verursacht haben.» Die Täter werden als Opfer stilisiert. Heinzer sagte: «Sie dachten wohl, sie täten etwas Gutes. Sie wollten sich ganz sicher nicht antisemitisch äussern. Es ging ihnen nicht um eine Kritik an den Menschen, sondern an der Politik Israels.»

Wenn man der Flagge von Israel den Respekt verweigert, ist das wirklich kein Antisemitismus? Ist das kein Antiisraelismus? Oder ist es einfach dumm?

Wann ist Kritik an der israelischen Regierung und ihrer Politik gerechtfertigt und wann schlägt diese Kritik in Feindschaft um?

Denn nichts anderes ist Antiisraelismus: Feindschaft oder überzogene Kritik gegenüber dem Staat Israel. So, wie Antisemitismus die Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden meint.

Israel versteht sich selbst als jüdischer Staat – gegründet als Schutzraum für Jüdinnen und Juden. Heisst das nun, dass jede Israel-Kritik auch antisemitisch ist?

Das kann es heissen, ja. Es ist auffallend, dass Politiker und Medien im Umgang mit Israel, israelischer Politik und der israelischen Regierung maximal undifferenziert sind. Man kritisiert den amerikanischen Präsidenten oder Emmanuel Macron oder den deutschen Bundeskanzler. Daraus wird aber sehr selten «USA-Kritik», «Frankreich-Kritik» oder eine generelle Ablehnung von Deutschland. Anders ist es bei Israel: Obwohl gerade Israel ein politisch stark zerklüftetes Land ist, werfen Medienschaffende und Politiker das Land Israel, die israelische Regierung und ihren Ministerpräsidenten meistens in einen Topf und sprechen nur von «Israel». So entsteht aus Kritik an der israelischen Regierung eine pauschale Israel-Kritik, ja ein Antiisraelismus. Und weil Israel sich selbst als jüdischen Staat versteht, ist dieser Antiisraelismus auch antisemitisch – bzw. umgekehrt: weil sich diese Haltung aus Antisemitismus speist, wird daraus ein genereller Antiisraelismus.

Natan Sharansky hat für das Erkennen von antisemitischem Antiisraelismus die Drei-D-Formel geprägt.

Das ist ein Test zur Prüfung, ob Kritik am Staat Israel antisemitisch sei. Die drei D sind: Dämonisierung: Israel wird als einziger Staat ständig mit «absolutem Bösen» verglichen, etwa in Form von Nazi-Vergleichen. Delegitimierung: Das Existenzrecht Israels wird bestritten. Doppelte Standards: Von Israel wird verlangt, was man von keinem anderen Staat verlangt.

Natan Sharansky warnte: Der moderne Antisemitismus ziele nicht mehr nur auf einzelne Jüdinnen und Juden, sondern auf den Staat Israel selbst. Israel werde als «kollektiver Jude» dämonisiert, delegitimiert und mit doppelten Standards bewertet. Er forderte deshalb eine klare Unterscheidung zwischen legitimer Kritik an der Politik Israels und antisemitischer Agitation gegen Israels Existenzrecht.

Dämonisierung, Delegitimierung und Doppelte Standards – diesen drei D begegnen wir heute auf Schritt und Tritt. Und zwar mit beiderlei Vorzeichen: Israel wird dämonisiert und mit doppelten Standards gemessen, umgekehrt werden antisemitische Aktivitäten vieler Muslime und Araber auch hier bei uns entdämonisiert, kulturell legitimiert und nicht an westlichen Standards gemessen. Das gilt auch und gerade für Palästinenser.

Wie ist es vor diesem Hintergrund zu bewerten, dass die vier jungen Schweizer Fechter der Israelischen Flagge den Respekt verweigert haben … war das Antiisraelismus? Antisemitismus? Oder einfach Dummheit?

Ich glaube, es war vor allem dumm. Das Problem ist, dass auch Dummheit antiisraelisch und antisemitisch sein kann. Es ist das vierte D.

Doch mir bleiben dabei einige Fragen offen:

Wie kommt es, dass 20 Jahre Raketenangriffe aus Gaza und Libanon gegen Israel keine Demonstrationen auf den Europäischen Strassen auslöst?

Wie kommt es, dass man sich nicht empört, dass die palästinensischen Raketen gänzlich ungesteuert an allen möglichen Orten in Israel niedergehen, auf Schulen und Krankenhäuser, auf Juden, Christen, Muslime, Bahaiis und auf Drusen ebenso wie auf Atheisten, also Raketen, die reiner Terror sind und keinerlei militärischer Logik folgen?

Wie kommt es, dass 20jähriger Beschuss als palästinensische Folklore verniedlicht wird, dann aber, wenn sich die Israelis gegen ihre Abschlachtung zu wehren beginnen, sich die Strasse empört?

Wir erinnern mit dem Marsch des Lebens oder dem „Marsch der Lebenden“ daran, dass es den Nazis nicht gelungen ist, auf den Todesmärschen alle KZ-Inhaftierten zu ermorden, und wir erinnern daran, dass es der muslimischen Hamas nicht gelungen ist, jüdische, muslimische, christliche und viele andere Israelis auszurotten.

Wir hätten heute wie jedes Jahr marschieren wollen. Davon hat uns die Polizei dringend abgeraten. Man könne für unsere Sicherheit nur garantieren, wenn wir stationär auf dem Marktplatz bleiben.

Wie kommt es, dass es gefährlich ist an die Opfer, an die IGB und an ihr Überleben zu erinnern? Wie kommt es, dass der Staat denjenigen, die für Juden einstehen, keinen sicheren Bewegungsraum bieten kann?

Vor einigen Jahren hatte ich hier gesprochen und geunkt, dass der nächste Massenmord vorbereitet wird. Dann kam der 7. Oktober. Heute sehen wir es alle: Ja, er wird weiter vorbereitet, nicht nur in Nahost. Und unsere Politik ist entweder nicht Willens oder nicht mehr fähig, das zu verhindern.

Die Schusslinie der internationalen Empörung und auch von mehr und mehr europäischen Regierungen ist leider eindeutig. Legitimierung des Terrors gegen Israel und Jüdinnen und Juden als niedliche Folklore, Delegitimierung der Selbstverteidigung von Juden.

Europa liebt die toten Juden, für die es Museen baut. Die Lebenden liebt man nicht, und so kann man sie im öffentlichen Raum nicht mehr uneingeschränkt schützen, weil sich die Bevölkerung gegen lebende Juden radikalisiert.
Gerade darum gehen wir jedes Jahr den Marsch der Lebenden. Wir gehen ihn gemeinsam mit der IGB, der IRG und Migwan und bezeugen, dass wir uns freuen, dass das Volk Israel lebt:

Am Jisrael Chaj.

Lukas Kundert ist ein Schweizer Theologe und Pfarrer. Er ist Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, Münsterpfarrer in Basel und Professor an der Universität Basel und Mitglied im Stiftungsrat der Audiatur-Stiftung.

6 Kommentare

  1. Die Polizei hat aus Sicherheitsgründen abgeraten….? Wofür ist die Polizei denn da? Nur für Parkbussen?

  2. Hallo Herr Zandstra, das war kein Polizist, sondern ein Teilnehmer der Kundgebung. Er hatte zufälligerweise seinen Hund dabei. Zu zweit haben wir dann die 3 Nordafrikaner vertrieben, da niemand von der Polizei anwesend war.

  3. Wie schön, dass es in der Schweiz einen Pfarrer wie Herrn Kundert gibt. Bei uns fällt die etablierte Kirche den Juden und Israel in den Rücken.

  4. Ich war auch Teilnehmer an den Marsch Für Den Lebenden mit eine Israel Fahne die ich an meine Rucksack gesteckt hatte. Am ende der vortrage habe ich meine Rucksack mit den Fahne am Boden gestellt und mich im kurzer Distanz davon entfernt und mich mit einige Geschwister zu unterhalten, da wurde plötzlich der Fahne von meiner Rucksack abgerissen von einer Palästinenser und geschrien er werde ihm verbrennen die uns auch wahrend der rede angeschrien hatten eine Polizist in Burger Kleidung konnte im wieder aus der hand der Palästinenser reisen und hat diese Frauen gegeben die bei meiner Rucksack standen.

    Wir Beten auch für denen den sie sind so erzogen worden, wir beten für unsere Regierungen in Europa das sie sich entschuldigen Bei Israel, ja wir Beten für alle Menschen Der Welt das sie zu Erkenntnis Der Wahrheit kommen, den das Heil is aus den Juden Joh.4,22! und so hat Gott die Welt Geliebt Joh.3,16; Mk.1,15; 1 Joh.1,9,

  5. Vor vielen Jahren waren an der Geburts- und an der Grabeskirche riesige Transparente mit der Aufschrift „Am Samstag töten wir die Juden und am Sonntag die Christen“ zu sehen. In Basel ist man noch nicht soweit. Hier rät die Polizei vorerst nur dringend von einem „Marsch des Lebens“ ab, weil sie die Sicherheit der Teilnehmenden nicht garantieren kann. Also bleiben die Leute brav auf dem Marktplatz stehen.
    Vor wenigen Jahren hatte der Bus vom Flughafen zum HB Verspätung, so dass ich meinen Anschluss ins Oberland verpasst habe. Grund: Die Judenhasser – viele davon offensichtlich keine Urschweizer – blockierten mit ihrem Umzug den Verkehr. Basel quo vadis?

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