Kein Aufstand gegen die Besatzung. Ein Aufstand gegen Israel

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Hamas-Sprecher Mushir al-Masri fordert mehr Messerangriffe in Jerusalem. Am 9. Oktober 2015, während einer Fernsehansprache in Gaza. Foto Screenshot Youtube
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Sie sagen, es sei kein „organisierter“ oder „koordinierter“ Terrorismus, aber genau das ist es. Tatsächlich ist er viel „koordinierter“ als die Selbstmordattentate der zweiten Intifada.

Von David Horovitz, Times of Israel

Zu Beginn der 2000-er Jahre  bildeten die Hamas- und die Fatah-Terroristen Selbstmordattentäter aus, bewaffneten und verteilten sie, um unsere Busse, Einkaufszentren, Restaurants und mehr anzugreifen – wobei sie mit einem Schlag 10, 20, 30 Menschen töteten. Unser Verteidigungsminister versichert uns, dass es im heutigen Westjordanland keine terroristische „Infrastruktur“ gebe, die diese Anschlagswelle nachahmen könnte. Die Zeit wird zeigen, ob er hiermit Recht hat.

Aber im Augenblick sind wir mit einer unbekannten Zahl möglicher Angreifer konfrontiert, die durch gründlich organisierte Hasskampagnen mit mörderischer Leidenschaft gegen uns aufgehetzt wurden.

Die Nachricht, dass „die Juden sich gegen Al-Aqsa verschwören“ wird seit Monaten von palästinensischen politischen Führern, hohen Geistlichen, den Massenmedien und sozialen Netzwerken vorangetrieben: Mahmoud Abbas in Reden an sein Volk (mit seinen falschen Anschuldigungen in der letzten Woche, dass Israel den jugendlichen Messerstecher von Pisgat Zeev hingerichtet hätte, verliess er schliesslich die politische Mitte), Fatah in Flugblättern und auf Facebook, Hamas in Videos, die islamische Bewegung innerhalb Israels, arabische Knesset-Mitglieder… all diese und andere haben weiter Öl ins Feuer gegossen.

Das Ergebnis ist, genau wie vor 11 – 15 Jahren, dass wir uns jeden Tag in dem Wissen auf den Weg machen, dass die Menschen um uns herum, uns töten wollen. Momentan verwenden Sie in der Regel weniger zerstörerische Methoden als damals. Aber möglicherweise gibt es mehr von ihnen. Und sie sind hier unter uns – auf der „guten“ Seite des Zauns, den wir gebaut haben, um die Attentäter der zweiten Intifada zu stoppen. Es sind Männer, Frauen und sogar Kinder. Die Gehirnwäsche war so effektiv, dass sie bereit sind zu sterben, beim Versuch, den Juden, den bösen Juden zu töten – sie wurden sehr effektiv davon überzeugt, wer kein Recht hat, hier zu leben und wer keine Verbindung zu Jerusalem und diesem Land hat.

Sie sagen, dass die Beziehungen zwischen jüdischen und muslimischen Bürgern Israels danach nie wieder dieselbe sein wird, wann „danach“ auch sein mag. Obwohl dieser Oktober sehr schwarz geworden ist, scheint diese düstere Schlussfolgerung doch etwas verfrüht, zumindest zum Zeitpunkt dieses Schreibens.

Israelische Araber waren kaum an der Zweiten Intifada beteiligt, ihre Beteiligung an der aktuellen Raserei des Terrors ist – trotz der Bemühungen einiger ihrer Knesset Vertreter – relativ gering ausgefallen und signalisiert nicht den Zusammenbruch aller Brücken. Die Frau aus Nazareth, die am 9. Oktober am Busbahnhof Afula ein Messer zog und in den Unterkörper geschossen wurde, hatte offenbar psychische Probleme. Der Terrorist, der in der Nähe von Hadera am 11. Oktober vier Menschen erstach, lebte in Umm al-Fahm, war aber kein israelischer Araber; er wurde im Westjordanland geboren und kam durch eine Familienzusammenführung nach Israel. Die Mutter des beduinischen Terroristen, der einen Soldaten getötet und am Busbahnhof Beersheba das Feuer eröffnet hatte, wurde in Gaza geboren; die Beduinen-Gemeinschaft und Verwandte des Mörders verurteilten seine Taten und beeilten sich, sich von ihm zu distanzieren.

Israels Beziehung zu seiner arabischen Gemeinde ist komplex, um es vorsichtig auszudrücken. Sie sind (überwiegend) keine Zionisten; sie sind (überwiegend) gesetzestreue Bürger. Sie wollen den Konflikt mit den Palästinensern gelöst haben; die Islamische Bewegung benutzt diesen Konflikt, um Hass und Gewalt zu schüren; ihre erfolgreichste Partei Hadash sucht nach Koexistenz. Es besteht die Gefahr einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, wenn man die jüdisch-muslimischen Verbindungen innerhalb Israels einfach abschreibt.

Sie sagen, dass Israel wieder Mauern hochzieht und Jerusalem erneut teilt. Aber das Aufstellen von sechs Betonplatten in Armon Hanatziv – bereits vor der aktuellen Welle von Messerstechereien geplant, um sich vor Benzinbomben und Steinen ​​in einem besonders betroffenen Bereich zu schützen – stellt keine erneute Teilung der Stadt dar.

Dennoch unterstreichen die Strassenblockaden an den Eingängen zu den arabischen Vierteln, dass Jerusalem seit 1967 nie richtig vereint war; die arabischen Stadtteile wurden nie integriert. Die Torheit, die Grenzen der Stadt zu verlagern, um arabische Gemeinden einzuschliessen, ohne sie gleichberechtigt zu regieren, ist niemals sichtbarer gewesen als heutzutage, wenn Israel seine Bürger vor Bewohnern schützen muss, die es selbst in seine Hauptstadt eingegliedert hat. Dies war für die Hasser ein sehr fruchtbarer, nutzbarer Boden.

Sie sagen, dass es sich um den neuesten Aufstand gegen die Besatzung handelt. Da ist es nicht. Es ist der neueste Aufstand gegen Israel.

Die meisten Israelis wollen Palästina nicht beherrschen. Die meisten Israelis wollen eine Trennung von den Palästinensern. Wenn die Palästinenser einen Staat auf der Grundlage der Grenzen von 1967 wollen, müssen sie eine Mehrheit der Israelis davon überzeugen, dass ihre Unabhängigkeit unsere Existenz nicht bedrohen würde. Man könnte meinen, das wäre offensichtlich. Es ist aber nicht offensichtlich.

Diese neueste Phase von Terrorismus und Gewalt – wie konventionelle Kriege, der Ansturm von Selbstmordattentätern und die unerbittliche Kampagne der Falschdarstellung, Dämonisierung und Verleugnung der jüdischen Geschichte im Heiligen Land – sendet eine gegenteilige Botschaft an Israel. Ein Grossteil des Rests der Welt – so kurzsichtig, Israel als den Goliath anzusehen, obwohl es doch nur ein kleiner, verabscheuter Splitter in einer Region ist, die vor islamischem Extremismus kocht – weigert sich, es zu erkennen. Aber in blutigen, unverwechselbaren Grossbuchstaben verkünden die Täter dieser neuen Runde von boshaftem Chaos den Israelis: Wir wollen nicht neben euch leben. Wir wollen euch töten und von hier vertreiben.