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Der ägyptische Präsident Mohammed Morsi sorgt mit seinen antisemitischen Äusserungen für Schlagzeilen. 2010 sagte er „Wir dürfen nicht vergessen, Brüder, unserer Kinder und Enkelkinder mit Hass auf sie zu pflegen: die die Zionisten, auf die Juden.“ Durch einen Sprecher reklamiert Morsi seither, dass seine Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen seien, obwohl das schwer zu erkennen ist.

Das Middle East Media Research Institute (MEMRI) und eine beliebte ägyptische Fernsehsendung sind verantwortlich für die Aufmerksamkeit, die Morsis Aussagen erhalten. Am 3. Januar veröffentlichte MEMRI einen weiteren Video-Clip von antisemitischen Äusserungen Morsis vom September 2010 auf YouTube. In diesem verunglimpft Morsi Zionisten als „Nachfahren von Affen und Schweinen“. Daraufhin zeigte auch eine Politsatire-Sendung im ägyptischen Fernsehen Moris hasserfüllte Kommentare.

Der grosse Gewinner ist die ägyptische TV-Sendung Programm, die von Bassem Youssef moderiert wird und aktuelle Ereignisse in Ägypten kommentiert. In seiner Sendung zeigt Youssef auch Clips aus Nachrichten und anderen beliebten Fernsehprogrammen wie religiösen Kanälen bis hin zur Aufdeckung der Absurditäten und Widersprüche der Medien und Politik in Ägypten.

Die Sendung vom 11. Januar setzte den Schwerpunkt auf die jüngsten Kommentare von Essam El Erian, einer wichtigen Figur der Muslimbruderschaft und seines politischen Flügels, der Freiheit- und Gerechtigkeitspartei, und Berater des Präsidenten. El Erian sagte, dass ägyptische Juden in Israel nach Ägypten zurückkehren sollten, angeblich als Vorbereitung auf das Ende des israelischen Staates, das laut seiner Prognose in den nächsten zehn Jahren geschehen wird.

El Erians Kommentar löste eine Proteststurm in Ägypten los, der die Logik seiner Behauptung in Frage stellte, und Morsis Amt sah sich veranlasst, eine Pressemitteilung herauszugeben, die festhält, dass es nicht für El Erians Aussage verantwortlich sei. Dann zeigte Youssef einen Clip mit Morsis Aussage aus 2010, der die Ägypter dazu anstiftet, ihre Kinder im Hass gegen Juden und Zionisten zu erziehen. Auf sarkastische Weise fordert Youssef seine Zuschauer auf, sicherzustellen, ihre Babyfläschchen mit Hass zu füllen.

„Da wir von Hass sprechen, Menschen erziehen ihre Kinder, viele andere Menschen zu hassen, nicht nur die Juden; Christen, Shiiten, Baha’is und viele andere Muslime, Frauen und die Fans des Zamalek Fussball Clubs [Fussballmannschaft in Kairo]“. Während er die verschiedenen Namen dieser Gruppen nannte, zog Youssef ein Babyfläschchen hervor und stellte sie vor sich hin. Auf die Flasche deutend beendete Youssef diesen Abschnitt der Sendung mit der betrübten Anmerkung, dass Ägypten „bereits mehr als genug Hass hat.“

Ein Teil von Youssefs Beliebtheit kommt daher, dass er keinen auslässt – weder andere Personen aus der Medienwelt, noch Politiker oder religiöse Führer. Seine verbalen Spitzen haben ihn den Respekt und den Hass vieler unterschiedlicher Gruppen in Ägypten eingebracht. (Aber auch eine Gerichtsverhandlung wegen Präsidentenbeleidigung, die gerade abgeschmettert wurde).

Die Sendung Programm begann als selbstproduzierte Unternehmung, die ihre Episoden während der Januar 2011 Aufstände auf YouTube eingestellt hat. Sie ist ein grossartiges Beispiel einer lebendigen Diskussion um Politik, die aus den Aufständen 2011 in Ägypten geboren worden ist. Die Hartnäckigkeit und Kreativität von Youssef – sowie anderer Satiriker- spielen eine wichtige Rolle, Ägyptern die Wichtigkeit verstehen zu helfen, die Meinungs-und Redefreiheit zu schützen, sowie seine Stimme gegen Hasstiraden zu erheben, wenn sie sich zutragen.

Dank gilt meiner Forschungsassistentin Thalia Beaty für die arabischen Übersetzungen.

Originalversion: Morsi, Anti-Semitism, and Free Speech in Egypt by Isobel Coleman © Council on Foreign Relations, January 17, 2013.

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