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Der Plan zur Auslöschung Israels

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Porträts getöteter Anführer von Terrororganisationen, darunter Hamas-Führer Yahya Sinwar, Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah und der iranische Kommandeur Qasem Soleimani, Teheran 1.Mai 2025. Foto IMAGO / Middle East Images
Porträts getöteter Anführer von Terrororganisationen, darunter Hamas-Führer Yahya Sinwar, Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah und der iranische Kommandeur Qasem Soleimani, Teheran 1.Mai 2025. Foto IMAGO / Middle East Images
Lesezeit: 7 Minuten

Dokumente, die von den israelischen Streitkräften (IDF) im Gazastreifen beschlagnahmt wurden, sollten endlich mit einer der gefährlichsten Illusionen aufräumen: der Vorstellung, dass die Hamas, die Hisbollah und das iranische Regime irgendwie dazu bewegt werden könnten, ihren Dschihad (heiligen Krieg) einzustellen und die Existenz Israels anzuerkennen.

von Khaled Abu Toameh

Am Morgen des 7. Oktober 2023, als die von der Hamas angeführte Invasion Israels begann, sandten drei hochrangige Anführer der Terrororganisation – Yahya Sinwar, Mohammed Deif und Marwan Issa – eine Nachricht an Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah, in der sie um Unterstützung für den begonnenen Angriff baten.

Die Nachricht wurde von IDF-Truppen in einem der zentralen Tunnel gefunden, die von der Führung der Terrororganisation genutzt wurden. In ihrer Nachricht forderten die Hamas-Führer, die alle während des Krieges zwischen der Hamas und Israel getötet wurden, von allen Parteien der von Iran angeführten „Achse des Widerstands“ eine aktive Beteiligung, sei es durch direkte Mitwirkung oder durch Zusammenarbeit, die die Nutzung der grösstmöglichen Kapazitäten ermöglichen würde. Der Text der an Nasrallah gerichteten Nachricht lautete:

„Unser geliebter Bruder, der Preis für jedes Zögern wird hoch und unerträglich sein, sowohl für unseren Plan als auch für dich und die Islamische Republik [Iran]. Die Folgen des Zögerns werden schwerwiegend und unerträglich sein und jede Vorstellungskraft übersteigen.“

Der Wortlaut enthüllte die Überzeugung der Hamas, dass der 7. Oktober eine historische Gelegenheit für einen koordinierten regionalen Krieg gegen Israel darstellte.

Laut der Nachricht, die der israelischen Zeitung Ma’ariv vorliegt, wollten die Hamas-Führer einen Feuerring um Israel entfachen, ausgehend vom Gazastreifen, dem Westjordanland, dem Libanon, Syrien und möglicherweise Jordanien sowie jedem anderen geeigneten Ort.

Die neu aufgedeckte Nachricht zeigt, dass die Invasion vom 7. Oktober niemals als begrenzter oder isolierter Terroranschlag gedacht war. Sie war als Auftaktphase eines viel umfassenderen regionalen Krieges konzipiert, der darauf abzielte, Israel zu zerstören und durch eine islamistische Einheit zu ersetzen, die vom iranischen Regime und dessen Stellvertretern unterstützt wird.

Die Nachricht sowie weitere Dokumente, die die IDF in den letzten zwei Jahren beschlagnahmt hat, belegen eine umfassende strategische Abstimmung zwischen der Hamas, der Hisbollah und dem Iran. Sie zeigen, dass die Hamas-Führung davon ausging, eine gross angelegte strategische Kampagne unter Einbeziehung der gesamten „Achse des Widerstands“ zu starten – der Hisbollah im Libanon, der Houthis im Jemen, der vom Iran unterstützten Milizen im Irak und in Syrien sowie weiterer mit Teheran verbündeter dschihadistischer Organisationen.

Die von der Hamas angeführte Invasion am 7. Oktober war nicht einfach nur eine weitere Runde der Kämpfe zwischen Israel und der Terrororganisation. Sie war Teil eines koordinierten regionalen Projekts, dessen oberstes Ziel die Vernichtung des jüdischen Staates war.

Laut den von der IDF erbeuteten Dokumenten hatten die Hamas-Führer bereits 2022 damit begonnen, Pläne für einen Krieg an mehreren Fronten gegen Israel auszuarbeiten.

Vor dem Massaker vom 7. Oktober 2023 hatten das iranische Regime und seine Stellvertreter im Rahmen der iranischen Doktrin der „Einheit der Fronten” umfangreiche strategische Absprachen getroffen. Laut dem Alma-Forschungs- und Bildungszentrum:

„Diese Koordinierung umfasste hochrangige Treffen, die Genehmigung von Einsatzplänen, die Zuweisung von Ressourcen sowie Vorbereitungen vor Ort in den Hauptschauplätzen im Gazastreifen und im Libanon (sowie in anderen Schauplätzen: Syrien, Irak und Jemen) über viele Monate und sogar Jahre hinweg vor dem Angriff [am 7. Oktober]…

„Die praktischen Vorbereitungen für einen koordinierten Angriff begannen lange vor Oktober 2023. Ab dem Sommer 2022 wurden Schritte unternommen, um die Fronten vom Libanon und vom Gazastreifen aus zu koordinieren. Bereits im Juni 2022 erklärte Khalil al-Hayya, ein hochrangiges Mitglied der Hamas-Führung, in einem Interview mit der libanesischen Zeitung Al-Akhbar (dem wichtigsten Sprachrohr der Hisbollah), dass die Hamas keine defensive Kraft mehr sei, sondern ‚eine offensive Kraft, deren Ziel es ist, das Land zu befreien [das Gebiet des Staates Israel zu erobern]‘. Er fügte hinzu, dass „wir einen Plan für die Befreiung [Palästinas] haben“ und dass „es darauf ankommt, die nächste [militärische] Kampagne ins Herz der Entität [Israel] zu verlagern.“

Laut einem weiteren Dokument, das von der IDF beschlagnahmt wurde, informierte der damalige Hamas-Führer Ismail Haniyeh Sinwar über ein geheimes Treffen, das von Saeed Izadi, dem Leiter der palästinensischen Abteilung der iranischen Quds-Truppe, mit Nasrallah organisiert worden war. Bei diesem Treffen stellten Vertreter der Hamas Szenarien für eine Kampagne gegen Israel vor.

Sinwar plante den Dokumenten zufolge einen koordinierten Angriff der gesamten von Iran angeführten „Achse des Widerstands“, um Israels Verteidigung von allen Seiten zu überwältigen. Im Jahr 2021 schrieben er und andere Hamas-Führer an den Kommandeur der Quds-Truppe, Brigadegeneral Esmail Ghaani, und legten ihr Ziel dar: „Der grosse Sieg und die Beseitigung des Krebsgeschwürs“, womit sie die Auslöschung Israels meinten. „Wir werden niemals die Augen verschliessen oder schweigen, bis wir dieses heilige Ziel erreicht haben.“

In einem weiteren Brief an den damaligen obersten Führer des Iran, Ali Khamenei, schrieben die Hamas-Führer:

„Dieses imaginäre Gebilde [Israel] ist schwächer, als die Menschen glauben. Mit Allahs Hilfe, Ihrer Unterstützung und dem Rückhalt unseres Volkes sind wir in der Lage, es zu entwurzeln und so schnell wie möglich zu beseitigen. Wir vertrauen auf Allah, dass wir kurz davor stehen, dieses göttliche Versprechen zu erfüllen, dem es kein Entkommen gibt.“

Die Pläne sahen vor, Phasen erhöhter Spannungen, insbesondere jüdische Feiertage, auszunutzen, um eine regionale Konfrontation zu entfachen. Die Hamas-Führer baten den Iran zudem um umfangreiche finanzielle und militärische Unterstützung zur Vorbereitung der Kampagne.

Weitere Belege für diese strategische Abstimmung kamen vor zwei Monaten ans Licht, als Details über einen äusserst aggressiven geheimen Brief durchsickerten, den Hamas-Führer Berichten zufolge an den neuen obersten Führer des Iran, Mojtaba Khamenei, geschickt hatten. In dem Brief forderten die Hamas-Führer den Iran auf, gleichzeitig „alle Fronten“ gegen Israel zu „aktivieren“. Sie riefen ausdrücklich zu einer koordinierten militärischen Eskalation aus dem Libanon, dem Jemen, dem Irak und anderen Gebieten auf, die von vom Iran unterstützten Milizen kontrolliert werden.

Die Bedeutung dieser Enthüllungen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Jahrelang beharrten viele westliche Diplomaten und Analysten darauf, dass die Hamas in erster Linie eine lokale palästinensische Bewegung sei, deren Fokus auf dem Gazastreifen und dem Konflikt mit Israel liege. Andere argumentierten, die Hisbollah würde einen grossen Krieg aufgrund des inneren Zusammenbruchs und der wirtschaftlichen Verwüstung im Libanon vermeiden.

Die erbeuteten Dokumente widerlegen diese Annahmen. Die Dokumente zeigen, dass sich die Hamas-Führer als integraler Bestandteil des regionalen Militärbündnisses des Iran betrachteten. Die Beziehung zwischen der Hamas und dem Iran war weder taktischer noch vorübergehender Natur. Sie war ideologischer, finanzieller und militärischer Art. Dasselbe gilt für die Hisbollah. Die Hisbollah, die vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden des Iran gegründet, bewaffnet, ausgebildet und finanziert wurde, ist nicht nur eine libanesische Fraktion. Sie ist der mächtigste ausländische Stellvertreter des Iran und eine zentrale Säule der iranischen Kampagne gegen Israel.

Vor allem aber enthüllen die Dokumente das wahre Ziel hinter dem Massaker vom 7. Oktober: die vollständige Auslöschung Israels. Der Angriff diente nicht nur dazu, Israelis zu ermorden, Geiseln zu entführen oder die politische Stellung der Hamas zu stärken. Die Hamas-Führung war der Überzeugung, dass der Angriff einen regionalen Krieg auslösen könnte, der Israel im Rahmen einer „Endlösung“ vollständig überwältigen würde.

Die Hamas-Dokumente enthalten wichtige Lehren für die Regierungen der USA und des Westens.

Erstens war das Massaker vom 7. Oktober Teil eines umfassenderen regionalen Krieges des Iran gegen Israel.

Zweitens zeigen die Dokumente, dass Waffenstillstände und Verhandlungen mit der Hamas nichts am Kernziel der Gruppe ändern. Selbst während diplomatischer Gespräche koordinierten die Hamas-Führer aktiv mit dem Iran und der Hisbollah Szenarien für die vollständige Zerstörung Israels.

Drittens entlarven die Enthüllungen das Versagen jener im Westen, die weiterhin glauben, dass der Iran und seine Terror-Stellvertreter irgendwie in eine stabile regionale Ordnung integriert werden können, bevor sie ihre Ideologie und ihr Verhalten grundlegend ändern.

Solange die Hamas, die Hisbollah und das iranische Regime in ihrer derzeitigen Form weiterbestehen, bleibt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Massakers wie am 7. Oktober gefährlich hoch. Die Ideologie, die diese Gruppen antreibt, hat sich nicht geändert. Ihre Ziele haben sich nicht geändert. Ihre Führer sprechen weiterhin offen davon, den Dschihad gegen Israel zu führen und es zu vernichten.

Der 7. Oktober 2023 war nicht das Ende des Krieges, den das iranische Regime und seine Terror-Stellvertreter führen. In ihren Augen war es nur der Anfang.

Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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