Clan-Politik unter Palästinensern. Hamas Führer Khaled Mashal und Ismail Haniyeh. Foto Facebook
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Clan-Politik unter Palästinensern kann Bürgerkrieg auslösen und verhindert jede friedliche Vereinbarung mit Israel.

In den vergangenen Wochen verhaftete die palästinensische Behörde mehrere Terroristen im Balata-„Flüchtlingslager“ ausserhalb von Schechem. Die Kämpfe dort sind unter Mitgliedern einer Fraktion der Fatah, Mahmoud Abbas eigener Regierungspartei, ausgebrochen.

Es wird selten in den Medien gemeldet, welche internen Streitigkeiten unter Palästinensern existieren, insbesondere innerhalb verschiedener Parteien, aber es ist ein wichtiges Element der hiesigen soziopolitischen Dynamik. „Ich sage immer wieder, dass die Fassade der Einheit innerhalb der PLO sehr oberflächlich und zerbrechlich ist. Das zeigt sich im Lauf der Zeit in verschiedenen Erscheinungsformen“, sagt etwa Professor Mordechai Keddar von der Bar Ilan-Universität und dem Begin-Sadat- Zentrum für Strategische Studien. „Das ist das Problem beim nationalen palästinensischen Projekt einer Nationsgründung. Es ist ihm nie gelungen, die Differenzen zwischen Clans, Fraktionen und lokalen Loyalitäten – Führer und Scheichs, die die palästinensische Behörde als illegitim betrachten – zu überbrücken. Wenn es einen Streit zwischen zwei Clans über irgendetwas gibt, ist die PA die letzte Autorität, an die sie sich wenden würden.“

Paramilitärische Gruppen
Kedar befindet sich damit nicht allein. Professor Dror Zeevi von der Universität Ben-Gurion schreibt: „In manchen Westbank- Dörfern und Flüchtlingslagern – und im Gazastreifen, wo das eigentliche Überleben oft auf dem Spiel steht – sind einige der Clans zu paramilitärischen Gruppen geworden. Sie patrouillieren in ihren Quartieren und nehmen manchmal an Razzien gegen ihre Feinde teil.“

„In den palästinensischen Gebieten und im Libanon wendet sich die Lagerbevölkerung bei Streitigkeiten oder Problemen an Imams, an lokale Prominente und Dorfälteste und an lokale Sicherheitsführer, bevor sie zur Polizei geht“, schreibt Dr. Sari Hanafi an der Amerikanischen Universität von Beirut. Hanafi fährt fort: „In den palästinensischen Gebieten sind die Prominenten sehr wichtig für die Konfliktlösung und werden von der UNWRA und anderen Behörden, die in den Lagern arbeiten, konsultiert.“

Professor Mordechai Keddar sagt, dass oft nicht bemerkt werde, wie sehr das soziopolitische Gewebe der Palästinenser dadurch verwoben ist. Die Clan- Führer sind oft wichtiger für gewisse Aspekte der palästinensischen Gesellschaft und das politische Leben als politische Parteien oder Terrororganisationen, die sich für Milizen halten.

Khalil Shikaki vom Zentrum für palästinensische Forschung und Studien sagte in einer Rede 1996 während einer parlamentarischen Kampagne der PA: „Die wichtigste Angelegenheit für die Wähler ist die Familie und der Clan. Leute werden für Familienmitglieder stimmen, auch wenn sie mit ihnen in politischen Fragen gänzlich uneinig sind.“ Noch entscheidender ist, dass dieses Stammessystem sich als Diskriminierung in der palästinensischen Gesellschaft abspielt. „Sie werden zu jedem gehen, der vermitteln kann, weil die PA als die „Regierung“ betrachtet wird und jede Regierung in der arabischen Welt traditionsgemäss als „der Feind“ angesehen wird“, sagte Kedar.

Mit der Zeit wird die Regierung zum Feind der lokalen Machthaber, also der Clan-Führer. Sogar Mahmoud Abbas‘ Legitimation werde wegen seinem Hintergrund in Frage gestellt, da er ausserhalb Jehudas und Schomrons geboren wurde, nämlich im Galil, und dann über Tunesien in das Gebiet kam. Deshalb werden er und seine PLO-Kohorten als Aussenstehende betrachtet.

Clan-Loyalitäten sind für politische Parteien nicht dauerhaft. Sie könnten sich sehr leicht ändern. Das macht das Konzept einer Demokratie in einem palästinensischen Staat auch sehr prekär, weil es zu einer Situation führen würde, in der nicht nur die Zugehörigkeit zu einem Clan wichtiger ist als politische Positionen, sondern auch wegen der verbreiteten arabischen Tendenz, die regierende Partei zu bekämpfen. „Es ändert sich gemäss möglichen Unbekannten wie Positionen, wer auf wessen Zehen getreten ist, oder wer was zu wem gesagt hat. Solche Dinge können die Wahl eines ganzen Clans verändern, und auch des Geldes, das die Leute erhalten.“

„Einige Fraktionen der Fatah könnten die Grenze überschreiten und sich der Hamas anschliessen“, sagt Kedar. „Manchmal ergreifen sie Partei, weil sie sich von der anderen Seite distanzieren wollen – es ist eher eine Stimme „dagegen“ als eine Stimme „dafür“. Unter deshalb würde die Hamas eine viel grössere Chance haben, eine Wahl zu gewinnen.

Kedar betonte, dass diese Situation sogar bei einer Wahl zu einer fast unmittelbaren Hamas-Machtübernahme eines palästinensischen Staates in Jehuda und Schomron führen würde. Laut seiner Meinung ist der beste Weg, um das zu vermeiden, den traditionellen, soziopolitischen Clans zu erlauben, die Zügel der Macht zu übernehmen. Er weist auf seine Idee hin, mehrere palästinensische „Emirate“ in Jehuda und Schomron zu gründen, die der Herrschaft des dominierenden Clans anvertraut werden, in ungefähr gleicher Weise, wie gewisse Clans die entsprechenden Spaltungen der Vereinigten Arabischen Emirate im Golf dominieren.

Obwohl andere Akademiker nicht dieselben Schlussfolgerungen ziehen, wie den Clans in der palästinensischen Politik entgegengekommen werden kann, ist es für viele klar, dass sie eine Rolle spielen, die oft übersehen wird. Wie Professor Dror Zeevi auch schreibt: „Die blosse Tatsache, dass jede Regierung, die die Westbank oder Gaza unter sich hat, Wege anstrebt, um den Widerstand der Clans zu begrenzen, bedeutet, dass Clans einen wichtigen Einfluss auf die Politik haben. Jedes Hamas- oder Fatahmitglied ist in erster Linie ein Mitglied seiner oder ihrer Familie.“

Originalbeitrag von Gedalyah Reback via Arutz Sheva. Zusammenfassung und Übersetzung: Die Jüdische Zeitung