Hisbollah Flagge, Libanon, Foto yeowatzup, Katlenburg-Lindau. Lizenziert unter CC BY 2.0 via Wikimedia Commons.
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Die Hisbollah unterstützt den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in seinem Bestreben, die 17 Monate anhaltende Rebellion, die versucht, sein Regime zu stürzen, niederzuschlagen. Deshalb hat das US-Finanzdepartement Mitte August die Sanktionen gegen die Hisbollah angepasst. Im Prinzip hat diese letzte Sanktionsrunde nur wenig Einfluss auf die libanesische Miliz, weil die Hisbollah bereits als ausländische Terrororganisation eingestuft wird. Ein amerikanischer Regierungsbeamter begründete  gegenüber Hanin Ghaddar, dem Chefredaktor von NOW Lebanon, dass sie „die wahre Natur dieser Organisation hervorheben soll, die bereit ist, den brutalen Massregelungen eines illegitimen Regimes gegen sein Volk Beihilfe zu leisten.“

Mit anderen Worten sollen die Sanktionen das von der Hisbollah sorgsam aufgebaute Selbstbild einer Widerstandsbewegung, deren heilige Waffen nur zur Verteidigung des Libanons gegen Israel eingesetzt werden, untergraben. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Nebst dem Gebrauch der Waffen des Widerstandes, um Assad bei seinem Massaker zu helfen,  setzte die schiitische Miliz, die jetzt die libanesische Regierung kontrolliert, diese Waffen im Mai 2008 gegen ihre Nachbarn ein. Hisbollah-Mitglieder werden für die Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri 2005 beschuldigt, und die Partei trägt ebenfalls mutmasslich die Verantwortung für eine Reihe von Ermordungen und versuchten Attentaten, die über einen Zeitraum von mindestens 2004 bis zum heutigen Tag reichen. Berichten zufolge stand beispielsweise der Chef der Sprengstoffeinheit der Hisbollah im vergangenen Monat hinter einem Attentatsversuch gegen den libanesischen Parlamentsabgeordneten Butros Harb.

Das bedeutet, dass einige Libanesen den Widerstand als eine „Bürde“ wahrnehmen. Oder wie es jüngst in einem Leitartikel in NOW Lebanon  hiess: „Im modernen Libanon gibt es keinen Platz für eine politische Partei, die stärker ist als viele der nationalen Streitkräfte in der Region. Der Libanon möchte auf seinen demokratischen Bestrebungen aufbauen, starke staatliche Einrichtungen schaffen – und darunter fällt auch die Armee – und internationale Beziehungen durch die Behörden seines Staates knüpfen.“

Noch beachtenswerter ist die Beschreibung Israels und seiner Wahrnehmung des Libanons in einem seiner Leitartikel. Das könnte möglicherweise eine der klarsten und zutreffendsten Aussagen bezüglich der israelischen Politik gegenüber einem arabischen Staat sein, die es je in die arabische Presse geschafft hat:

„Ist Israel wirklich eine Bedrohung? Will es wirklich den Libanon angreifen? In der Vergangenheit ist Israel in den Libanon einmarschiert, vor allem 1978, 1982 und 2006. Ebenso hat es Teile des Süd-Libanons fast zwei Jahrzehnte besetzt gehalten, bevor es 2000 abgezogen ist. In allen Fällen hat Israel entweder die Palästinensische Befreiungsorganisation oder die Hisbollah gejagt, beides Organisationen, die Israel an seiner Nord-Grenze nicht tolerieren würde.

Es gibt keine Beweise, die aufzeigen, dass Israel territoriale Pläne für den Libanon hegt, noch würde die internationale Gemeinschaft dieses zulassen. Die Protokolle der Weisen von Zion, ein Traktat, das von vielen verschwörungsbesessenen Arabern als Beweis für Israels Expansionsambitionen aufrechterhalten wird, wurde längst als Müll entlarvt. Es existieren Dispute über Wasser und vielleicht sogar Öl und Gas, aber es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass diese in einem richtigen Krieg münden könnte.

Folglich ist der Widerstand eine Bürde. Solange die Partei ihr hochentwickeltes Waffenarsenal an Langstreckenraketen beibehält und sogar noch aufstockt – was sie als Abschreckung bezeichnet – wird Israel immer nervös und in erhöhter Alarmbereitschaft bleiben. Es betrachtet die Partei als einen nicht-staatlichen Akteur, dessen ultimative Loyalität dem Iran gilt, und es ist wahrscheinlicher, dass die Aktivitäten der Hisbollah in der Grenzregion zu einem Krieg führen würden, als wenn sie erst gar nicht dort wäre. Das wurde am eindeutigsten 2006  aufgezeigt, als ein verpfuschter Entführungsversuch von israelischen Soldaten eine massive Reaktion zur Folge hatte, die mehr als 1000 Menschen das Leben kostete, mehr als eine Million Vertriebene und Schäden in der Höhe von mehreren Milliarden Dollar verursachte.“

Der Hisbollah läuft die Zeit davon. Während ihr syrischer Alliierter mit dem Rücken zur Wand kämpft, wird die Partei Gottes letztendlich einen ebenso hohen Preis wie Assad zahlen. „Ich sah die Geburt der Hisbollah“, sagte mir der schiitische Anti-Hisbollah-Aktivist Lokman Slim im Frühjahr. „Ich werde auch ihr Ende sehen.“

Originalversion: Time Is Running Out for Hezbollah by Lee Smith © The Weekly Standard. August 15. 2012.