
Nachdem sie den Bewohnern des Gazastreifens Tod und Zerstörung gebracht hat, versucht die vom Iran unterstützte Terrororganisation Hamas nun, arabische Israelis und Palästinenser in Ostjerusalem und im Westjordanland in eine gewaltsame Konfrontation mit Israel zu ziehen.
von Khaled Abu Toameh
Die Hamas und die Mullahs im Iran werden nicht ruhen, bis sie Blutvergiessen und Gewalt auch ausserhalb des Gazastreifens sehen. Für sie ist dies ein Mittel, um von der Katastrophe abzulenken, die sie über die Palästinenser im Gazastreifen in den letzten 18 Monaten gebracht haben. Sie wollen, dass sich die Aufmerksamkeit der Welt von Gaza auf das Westjordanland, Jerusalem und die zwei Millionen arabischen Bürger innerhalb Israels verlagert.
Die gute Nachricht ist, dass die Bemühungen der Hamas und des Iran, das Blutvergiessen und die Gewalt auf die arabische Gemeinschaft Israels und die Palästinenser im Westjordanland und in Jerusalem auszuweiten, bislang erfolglos geblieben sind. Die arabischen Israelis und die Palästinenser im Westjordanland und in Jerusalem sehen den Tod und die Zerstörung im Gazastreifen und wollen nicht das gleiche Schicksal erleiden.
Die Hamas und ihre Förderer in Teheran sind zweifellos enttäuscht, dass sich die arabischen Bürger Israels und die Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem nach dem von der Hamas angeführten Angriff auf israelische Gemeinden nahe der Grenze zum Gazastreifen am 7. Oktober 2023 nicht ihrem Dschihad (heiligen Krieg) angeschlossen haben.
An diesem Tag wurden mindestens 1.200 Israelis ermordet und Tausende verletzt. Weitere 251 Israelis wurden in den Gazastreifen entführt, wo 59 – lebend oder tot – noch immer von der Hamas und anderen Terrorgruppen als Geiseln festgehalten werden.
Im Rahmen ihrer Bemühungen, ihren Dschihad gegen Israel auf andere Gebiete auszuweiten, veröffentlichte die Hamas am 16. April eine Erklärung, in der sie das «Volk im Westjordanland, in Jerusalem und in den besetzten palästinensischen Gebieten [Israel]» dazu aufrief, den Aufstand gegen die Besatzung und «ihre Siedler fortzusetzen». Die Hamas versprach, dass «das reine Blut zum Sieg und zur Vertreibung dieses Besatzers [Israel] aus unserem Land und unseren heiligen Stätten führen wird».
Seit dem Massaker vom 7. Oktober hat sich die überwiegende Mehrheit der arabischen Israelis und Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem geweigert, den Aufrufen der Hamas zum Kampf gegen Israel zu folgen. Viele arabische Bürger Israels haben sich sogar öffentlich gegen den von der Hamas angeführten Angriff ausgesprochen.
Eine Umfrage unter arabischen Israelis in der ersten Woche nach dem 7. Oktober ergab, dass 77 % der Befragten den Terroranschlag ablehnten und 85 % die Entführung von Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, verurteilten. Etwa 53 % der Befragten gaben an, dass der Terroranschlag die Chancen auf eine Einigung zwischen Israel und den Palästinensern beeinträchtigt habe.
Eine weitere Umfrage, die Ende 2023 vom Center for Democratic Values and Institutions in Zusammenarbeit mit dem Viterbi Family Center for Public Opinion and Policy Research am Israel Democracy Institute durchgeführt wurde, ergab, dass 56 % der arabischen Israelis der Meinung sind, dass der Angriff der Hamas nicht die arabische Gesellschaft und islamische Werte widerspiegelt. Weitere 86,5 % unterstützen laut der Umfrage die Hilfe für Zivilisten, die sich während des Krieges zwischen Israel und der Hamas freiwillig engagieren.
Es ist erwähnenswert, dass am 7. Oktober 2023 auch 20 arabische Bürger Israels von Hamas-Terroristen ermordet wurden oder in den folgenden Tagen durch Raketenangriffe der Hamas ums Leben kamen. Die meisten Opfer waren Beduinen, die im Süden Israels leben.
Mehrere prominente arabische Israelis haben das Massaker vom 7. Oktober scharf verurteilt. Louis Haj, ein arabischer Einwohner der Stadt Akko, politischer Aktivist und ehemaliger Manager in der Technologiebranche, schrieb an seine jüdischen Mitbürger:
«Während das Ausmass dieser unvorstellbaren sadistischen Gräueltaten ans Licht kommt, bitte ich Sie, mir zu glauben, wenn ich sage, dass ich Ihnen und der ganzen Welt klar machen möchte, dass wir als Ihre Brüder, als Menschen und als Bürger dieses Landes an Ihrer Seite stehen. Es ist unsere einfache und unverzichtbare moralische und menschliche Pflicht, unsere Abscheu zum Ausdruck zu bringen und laut gegen diese unvorstellbaren Verbrechen zu protestieren. Unsere Stimme ist klar und deutlich, ohne Entschuldigungen, ohne zu zögern, ohne zu wanken, ohne Verhältnismässigkeit, ohne Wenn und Aber. Angesichts solcher Gräueltaten gibt es keine Kompromisse!»
Im Westjordanland und in Jerusalem haben die meisten Palästinenser die wiederholten Aufrufe der Hamas zu Gewalt gegen Israel ignoriert. Während des letzten islamischen Fastenmonats Ramadan nahmen Hunderttausende Palästinenser friedlich an Gebetsversammlungen in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem teil. Während des gesamten Monats wurden keine Zusammenstösse mit israelischen Sicherheitskräften gemeldet, sehr zum Leidwesen der Hamas und der iranischen Mullahs.
Die Hamas hatte zweifellos gehofft, dass die Palästinenser im Westjordanland und in Jerusalem aus Solidarität mit der Terrororganisation und den Bewohnern des Gazastreifens eine neue Intifada (Aufstand) gegen Israel starten würden. Dazu kam es jedoch nicht. Im Westjordanland und in Jerusalem, wo die meisten Palästinenser offenbar mehr daran interessiert sind, Arbeit in Israel zu finden, als auf die Strasse zu gehen und sich mit israelischen Soldaten anzulegen, gab es keine Massendemonstrationen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass die Hamas und die Mullahs im Iran ihre Bemühungen um die Anstiftung zu Gewalt ausserhalb des Gazastreifens einstellen werden. Für sie ist es von entscheidender Bedeutung, eine weitere Front gegen Israel zu eröffnen: insbesondere aus der arabischen Gemeinschaft Israels und dem Westjordanland, zusätzlich zu Gaza, dem Libanon, dem Jemen, Syrien und dem Irak.
Angesichts direkter Verhandlungen der Trump-Regierung mit dem Iran muss sie von den regierenden Mullahs unverzüglich verlangen, dass sie die Versuche der Hamas, eine neue Welle terroristischer Anschläge gegen Israel aus dem Inneren Israels und aus dem Westjordanland zu starten, sofort einstellen.
Die Verhandlungen sollten sich nicht nur auf die nuklearen Ambitionen und Pläne des Iran konzentrieren, sondern auch auf dessen finanzielle und militärische Unterstützung für dschihadistische Terrororganisationen wie der Hamas, dem Palästinensischen Islamischen Dschihad, der Hisbollah und den Houthis. Es ist an der Zeit, dass die Trump-Regierung erkennt, dass neben Katar auch der Iran einen enormen Einfluss auf die Hamas hat. Warum sollte man diesen nicht nutzen?
Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter israelisch-arabischer Journalist, Dozent und Dokumentarfilmer, der sich auf palästinensische Angelegenheiten spezialisiert hat. Auf Englisch zuerst erschienen beim Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.























