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SRF am Holocaust-Gedenktag: Kein Grund zur Zurückhaltung

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Foto Screenshot SRF
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Am 14. April 2026 beging Israel den Holocaust-Gedenktag – Jom Hashoah. Für das Schweizer Radio und Fernsehen SRF war das kein Anlass, antiisraelische Berichterstattung zurückzuhalten. Im Gegenteil: Sowohl «Echo der Zeit» als auch «10vor10» sendeten an diesem Tag Beiträge, die das gewohnte Bild zeichneten – Israel als Täter, die Palästinenser als Opfer. Ein Zeichen dafür, mit welcher Selbstsicherheit SRF seine redaktionelle Linie gegen Israel weiterverfolgt.

von Hanspeter Büchi

Die gegen Israel gerichtete Berichterstattung – und das betrifft leider die meisten Schweizer Medien – hat das Bild Israels für viele zum Feindbild gemacht. Online-Kommentare gewisser Zeitungen erinnern an längst vergangene Zeiten. Und gleichzeitig blicken wir auf Konferenzen und Anlässe gegen Antisemitismus zurück, während der Bericht 2025 der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus eine erneute Zunahme antisemitischer Vorfälle dokumentiert. Erstaunlicherweise scheint niemand den Zusammenhang zwischen einseitiger Medienberichterstattung und wachsendem Israelhass wahrnehmen zu wollen. Politiker scheuen die Konfrontation mit den Medien. Zu Unrecht und ein Fehler.

«Echo der Zeit»: Das «besetzte Westjordanland» und seine Auslassungen

In der Sendung «Echo der Zeit» berichtete Anna Trechsel über die Situation der Palästinenser im Westjordanland unter dem Titel «Gefangen im eigenen Land». Das Bild war vertraut: Strassensperren, eingeschränkte Mobilität, 850 Barrieren und Checkpoints gemäss einer UNO-Statistik, grosse Tore vor Dorf- und Stadteingängen. Dazu kamen Berichte über wirtschaftliche Folgen und angebliche Willkür israelischer Soldaten – illustriert durch einen Besuch in der Ortschaft Sinjil. Die IDF-Pressestelle kam zwar kurz zu Wort und erklärte, die Massnahmen basierten auf operativen Erkenntnissen aus dem Massaker vom 7. Oktober, um neue Anschläge zu verhindern. Das war es dann aber auch mit der israelischen Perspektive.

Der Beitrag ist eine Fortsetzung der einseitig antiisraelischen Berichterstattung von SRF. Es wechseln die Umstände, doch die Argumente bleiben dieselben: Einschränkungen, Besatzung, Armee, Siedler. Abgesehen von der IDF-Pressestelle kommen keine israelischen Stimmen zu Wort – und wenn, dann bedient man sich linker, antiisraelischer NGOs, deren Aussagen mehr als fragwürdig sind.

Wo bleiben die Stimmen von Siedlerorganisationen? Wo die Perspektive jener, die sich mit palästinensischen Attacken gegen Juden befassen? Gemäss dem israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet fanden 2024 über 6’800 palästinensische Angriffe gegen Israelis statt – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Eine Zahl, die Angriffe gegen Palästinenser weit in den Schatten stellt. Bei SRF ist das kein Thema.

Die Armeepräsenz im Westjordanland hat einen Grund: Es muss jederzeit mit Terror gerechnet werden. Umfragen zeigen zudem, dass eine massive Mehrheit der Palästinenser den Staat Israel nach wie vor ablehnt und das Massaker 7. Oktober 2023 als legitimen Widerstand betrachte. Wwas nicht überrascht, denn bereits Kinder werden an UNRWA-Schulen gegen Juden und Israel indoktriniert. Die Charta von PLO und Fatah hat die Vernichtung Israels zum Ziel.

Was SRF verschweigt: Völkerrecht und Geschichte

Anna Trechsel spricht durchgehend vom «besetzten Westjordanland» – und ignoriert dabei den völkerrechtlichen Kontext vollständig.

Seit den Oslo-Verträgen von 1993/95 ist das Westjordanland in drei Zonen aufgeteilt: Zone A und B werden von den Palästinensern autonom verwaltet (die Sicherheit in Zone B verblieb bei Israel), Zone C wird allein von Israel verwaltet. Vom «besetzten Westjordanland» zu sprechen ist seit Oslo faktisch falsch.

Völkerrechtlich gehört das Gebiet – bekannt als Judäa und Samaria – ohnehin zu Israel: Das Völkerbundmandat von 1922 bestimmte das gesamte Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer für die jüdische Heimstätte. Jordanien besetzte Judäa und Samaria im arabischen Angriffskrieg von 1948/49 illegal und nannte es neu «Westjordanland». Im Sechstagekrieg von 1967 befreite Israel das Gebiet, einschliesslich Ostjerusalems.

Der Internationale Gerichtshof kam 2024 zwar zu einer anderen Auffassung – doch sein Gutachten basiert auf einer antiisraelischen, rechtlich unverbindlichen UNO-Resolution. Weder die Stichhaltigkeit dieser Resolution noch die völkerrechtlichen Grundlagen Israels wurden im Verfahren geprüft. Es fand kein Fact-Finding-Prozess statt. Der Präsident des Gerichts war der Libanese Nawaf Salam – ein langjähriger Gegner Israels in der UNO. Die ablehnende Begründung der Richterin Julia Sebutinde ist in diesem Zusammenhang äusserst lesenswert: eine Lektion in internationalem Recht.

Siedlergewalt: Die verdrehte Statistik

«Siedlergewalt» ist eines der meistgenutzten Schlagwörter in der Berichterstattung über Israel. Doch die UNO-Statistiken, auf die sich Medien wie SRF stützen, sind methodisch höchst fragwürdig. Kritiker – darunter israelische Stellen und unabhängige Medienbeobachter – weisen darauf hin, dass rund 90% der erfassten «Siedlergewalt»-Vorfälle Ereignisse umfasst, die mit Gewalt nichts zu tun haben: Zusammenstösse zwischen Palästinensern und Armee oder Polizei, gefasste oder getötete palästinensische Attentäter, sogar jüdische Besucher auf dem Tempelberg werden mitgezählt.

Jüdische Siedlungen in Zone C waren in den Oslo-Abkommen kein Thema. Umgekehrt sind palästinensische Bauten in Zone C illegal – und von der EU und auch der Schweiz finanziert. Bei SRF ist das kein Thema.

«10vor10»: Libanon ohne Kontext

Auch der «10vor10»-Beitrag zum Libanon folgte dem bekannten Muster. Gleich zu Beginn wurden israelische Geschütze gezeigt, die die Stadt Tyros beschiessen. Eine Million Vertriebene, über 2’000 Tote, mehr als 6’000 Verletzte – diese Zahlen wurden präsentiert, ohne auch nur ansatzweise zu erklären, wie es dazu kam.

Die Hisbollah griff am 2. März mit Raketen Israel an, um dem Iran beizustehen. Doch bereits seit dem 7. Oktober 2023 beschoss die Hisbollah massiv den Norden Israels zur Unterstützung der Hamas. Rund 80’000 Bewohner Nordisraels mussten ihre Häuser verlassen und in den Süden des Landes flüchten. Das Gebiet wurde durch Beschuss und Brände verwüstet. Israel schlug zurück – und muss dies weiterhin tun, denn die Hisbollah beschiesst trotz Waffenstillstand nach wie vor israelisches Gebiet.

Immer wieder berichtet SRF über israelische Angriffe, ohne auf die vorangegangenen Angriffe der Hisbollah hinzuweisen. Wer Angreifer ist und wer Opfer, bleibt im Dunkeln. Eher wird das Bild Israels als erbarmungslose Zerstörerin gezeichnet – die Hisbollah als eigentliche Ursache des Konflikts kommt kaum vor. Und von «Vertriebenen» zu sprechen ist in diesem Zusammenhang falsch und tendenziös: Israel warnt die Zivilbevölkerung vor bevorstehenden Angriffen, damit sie sich in Sicherheit bringen kann.

Was SRF am 14. April 2026 ausstrahlte, war keine ausgewogene Berichterstattung. Es war das Gewohnte: einseitig, lückenhaft, antiisraelisch. Wie Simone de Beauvoir sagte: Die schlimmste Lüge ist die Auslassung.

SRF hat den Auftrag, die Schweizer Bevölkerung umfassend und ausgewogen zu informieren. Diesem Auftrag wird der öffentlich-rechtliche Sender in seiner Israelberichterstattung seit Jahren nicht gerecht. Dass dies ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag so offenkundig wird, ist mehr als stossend.  

1 Kommentar

  1. Der Artikel ist in vielen Punkten irreführend. Ich beschränke mich auf einen: Das Völkerbundmandat für Palästina von 1922 sah eine jüdische Heimstätte vor und garantierte gleichzeitig explizit die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung. Der UN Teilungsplan von 1947 empfahl zwei Staaten. Judäa und Samaria gehören völkerrechtlich NICHT zu Israel, sondern sind Gebiet, aus dem sich Israel zurückziehen muss (verbindliche Resolution 242 des UN Sicheitsrats).

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