Laut einer aktuellen Auswertung kam es nach der Veröffentlichung der Epstein-Akten zu einer massiven Welle antisemitischer Hetze in den sozialen Medien. Die Analyse zeigt, wie sogenannte algorithmische Dynamiken die Verherrlichung des Nationalsozialismus verstärken und extremistische Narrative in den Mainstream tragen.
Die Veröffentlichung von mehr als drei Millionen Dokumenten zum Fall Jeffrey Epstein durch das US-Justizministerium am 30. Januar 2026 löste ein enormes mediales Echo weltweit aus. Neben der journalistischen Aufarbeitung und politischen Debatten entwickelte sich innerhalb weniger Tage jedoch ein paralleles Phänomen: eine explosionsartige Verbreitung antisemitischer Verschwörungsnarrative in den sozialen Netzwerken.
Eine Untersuchung des Vereins Democ e. V. analysierte zwischen dem 30. Januar und dem 9. Februar Inhalte auf den Plattformen Instagram, YouTube und X. Der Bericht beschreibt erstmals systematisch den Umfang, die Funktionsweise und die Dynamik dieser digitalen Radikalisierungswelle.
Schon die quantitativen Ergebnisse verdeutlichen die Dimension. So erzielten 55 untersuchte antisemitische Instagram-Reels innerhalb von zehn Tagen über 114 Millionen Aufrufe sowie rund 6,7 Millionen Likes. Dabei handelte es sich nicht um Randinhalte in abgeschotteten extremistischen Communities, sondern um Beiträge, die durch die Algorithmen breit ausgespielt wurden.
Democ e.V. zufolge war besonders die Interaktionsstruktur auffällig. Obwohl antisemitische Kommentare nur etwa acht Prozent der untersuchten Stichprobe ausmachten, erhielten sie mehr als ein Drittel aller Likes. Der am häufigsten gelikte Kommentar – eine codierte Hitler-Referenz in Form der bekannten Formulierung über den „österreichischen Maler“ – wurde über 126.000-mal positiv bewertet. Unter einem einzigen Video generierten fünf solcher codierten Botschaften zusammen 333.000 Likes.

Das zeige ein wiederkehrendes Muster moderner Online-Radikalisierung: Nicht die Menge extremistischer Beiträge entscheidet über deren Sichtbarkeit, sondern ihre Interaktionsdynamik, so Democ. Die Algorithmen bevorzugen Engagement – unabhängig vom ideologischen Gehalt.
Offene NS-Symbolik bleibt sichtbar
Die untersuchten Inhalte beschränkten sich nicht auf Andeutungen oder doppeldeutige Codes. Dokumentiert wurden offene Hitler-Verherrlichung, Zitate aus „Mein Kampf“, SS-Symbolik sowie explizite Gewalt- und Vernichtungsfantasien gegen Juden. Dennoch blieb der überwiegende Teil der Beiträge online. Von den 55 dokumentierten Videos wurden lediglich zwei entfernt.
Besonders problematisch ist laut democ eine technische Besonderheit der Plattform Instagram. So steht eine Audioaufnahme einer Hitler-Rede aus dem Jahr 1933 als frei nutzbares Sound-Snippet bereit und wurde bereits in über 500 Videos verwendet. Dadurch wird historische NS-Propaganda zu einem faktisch integrierten Kreativwerkzeug der Plattformkultur.

Die Kombination aus Algorithmen zur Priorisierung und technischer Infrastruktur führe dabei zu einem Effekt, der über gewöhnliche Moderationsversäumnisse hinausgeht: Extremistische Inhalte würden nicht nur toleriert, sondern strukturell begünstigt.
Vom Skandal zur Verschwörungsideologie
Inhaltlich folgten viele Beiträge einem klaren Muster. Ausgehend von den realen Verbrechen Epsteins wurden antisemitische Weltdeutungen konstruiert. Einflussreiche Akteure in den sozialen Medien verknüpften die Dokumente mit jahrhundertealten Mythen über angeblich geheime jüdische Machtstrukturen und satanische Netzwerke.
Gemäss der Analyse von democ e.V. fungieren diese Narrative als ideologischer Übergangsraum. Zunächst erscheinen sie als vermeintliche Kritik an Eliten oder Machtmissbrauch. Schrittweise verschiebt sich der Rahmen jedoch hin zu expliziten antisemitischen Weltbildern, die schliesslich offen nationalsozialistische Positionen legitimieren. Die Untersuchung beschreibt diesen Prozess als Brückenmechanismus vom populistischen Misstrauen zur extremistischen Ideologie.

Der digitale Resonanzraum
Der Bericht unterstreicht, dass die Wirkung nicht allein aus einzelnen Hasspostings entsteht, sondern aus ihrer systematischen Verstärkung. Sichtbarkeit erzeuge Normalisierung. Was häufig erscheint, wirkt akzeptabel. Was akzeptabel wirkt, wird weiterverbreitet.
Grischa Stanjek, Co-Geschäftsführer von democ und Autor der Studie, beschreibt die Dynamik so:
„Unser Bericht zeigt, dass Instagrams Algorithmen antisemitische Hetze nicht nur dulden, sondern aktiv belohnen. Wenn codierte Hitler-Verehrung hunderte tausendfach gelikt wird und an oberster Stelle der Kommentarspalten erscheint, versagt der digitale Diskursraum. Es ist erschreckend, wie mühelos eine technokratische Infrastruktur – von bereitgestellten Audio-Snippets bis hin zur Kommentar-Sortierung – zum Distributionskanal für NS-Propaganda wird. Rechtsterroristische Anschläge der letzten Jahre zeigen die gefährliche Wirkung dieser Radikalisierungsräume.”
Historisch bekannte Muster in neuer Form
Die Untersuchung legt nahe, dass es sich nicht um spontane Entgleisungen einzelner Nutzer handelt. Vielmehr zeigt sich ein bekanntes historisches Muster in technologisch neuer Umgebung: Ein spektakulärer Kriminalfall dient als Projektionsfläche für antisemitische Welterklärungen. Diese werden zunächst chiffriert formuliert, anschliessend normalisiert und schliesslich offen ausgesprochen.
Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung markiert den entscheidenden Unterschied zur Vergangenheit. Während antisemitische Propaganda früher Jahre oder Jahrzehnte brauchte, um gesellschaftliche Breitenwirkung zu entfalten, geschieht die ideologische Eskalation heute innerhalb weniger Tage.
Der Epstein-Komplex wurde so binnen kürzester Zeit vom Gegenstand strafrechtlicher Aufarbeitung zu einem globalen Vehikel für antisemitische Radikalisierung im digitalen Raum.
Der vollständige Bericht ist unter folgendem Link abrufbar: https://democ.de/documents/45/The_Painter_Was_Right_Monitoring_Report_democ.pdf
























@Mark Nu: Hast du den Artikel nicht gelesen? Genau um solche Texte wie deinen geht es.
So wurde vor 100 Jahren der Boden für den Nationalsozialismus bereitet: Den gemäßigten Parteien wurde erst Unfähigkeit vorgeworfen, dann Böswilligkeit unterstellt, schließlich entstanden Verschwörungserzählungen. Das wurde immer wiederholt. Bis es die Massen erfasste und geglaubt wurde. Hitler musste den Zorn der Massen nur noch auf die Juden lenken und das Schicksal nahm seinen Lauf…
Der Hass und das Großkapital
… als hätten die beiden nichts miteinander zu tun
– doch, haben sie!
Judenhass in Form von Erzählungen, eher Mythen, kenne ich noch aus meiner
Kinderzeit.
Juden hätten „die Deutschen“ unterdrückt …
Dieser Judenhass war also immer vorhanden in der Gesellschaft,
„der Jude“ als Bedrohung wirtschaftlichen Wohlergehens.
Dann, in den 90er Jahren, wollte das Großkapital in D immer mehr Ausländer,
wer etwas gegen Ausländer sagte, riskierte seinen Arbeitsplatz.
Letztlich platzten dann im Dezember 2015 mit der Aufnahme der ISIS-Terroristen
aus der Türkei alle Dämme.
(Im Oktober 2015 hatte Russland mit überlegener Luftwaffe/Raketen in den Syrienkrieg
eingegriffen, im November trafen sich Merkel und Obama, Mitte Dezember nahm
Merkel dann die geflüchteten Terroristen auf)
Ja, diese „Neuankömmlinge“ waren keine ausgesprochenen Freunde der Juden!
Aber seien wir ehrlich:
das Ganze war eine konzertierte Aktion und involviert waren NGOs des Großkapitals,
massivST unterstützt von den Massenmedien
– diese Massenmedien sind NICHT in der Hand der kleinen Leute in D
und auch nicht in der Hand der AfD!
Letztlich fehlte es also nur noch an der Unterstützung der öffentlichen Verwaltung,
die sich fest in der Hand der Altparteien befindet,
die sich wiederum fest in der Hand des US-Großkapitals befinden
– Atlantikbrücke und Council on foreign Relations lassen grüßen!
Ob der Zentralrat der Juden in D nun wirklich ein Sprachrohr der jüdischen Gemeinden
in D ist oder doch eher ein elitärer Club des Großkapitals,
das lasse ich hier mal unbeantwortet.
Auf jeden Fall gibt es in Ungarn einen „Verband der Jüdischen Gemeinden in Ungarn“,
der ungleich wirkungsvoller agiert als in D!
In Ungarns Hauptstadt kann jeder Jude erkennbar als Jude herumlaufen,
die Gedenktafeln an den Häusern der Stadt bleiben unbeschädigt!
Halten wir also mal fest:
der Zentralrat der Juden in D vertritt die Interessen der jüdischen Gemeinden nicht wirksam,
ist eindeutig eher auf die Koordination wirtschaftlicher Interessen ausgerichtet.
Und im Zuge der Vernichtung des „alten Europa“ (s. hierzu auch Erasmus-Plus-Projekt)
kommen als unerwünschte Nebenwirkung ebenfalls Aktionen in Judenhass auf.
Bekannt als das alte Dilemma:
„Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“