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Es ist an der Zeit, sich einer der gefährlichsten Illusionen unserer Zeit zu stellen: dem Glauben, dass eine internationale Stabilisierungstruppe für Gaza Ordnung, Wiederaufbau oder Frieden bringen kann, ohne dass die Hamas beseitigt wird. Eine Friedenstruppe, die in Gaza einmarschiert, während die Hamas weiterhin bewaffnet ist, wird lediglich die Hamas selbst stabilisieren. Sie wird in der Praxis zu einer internationalen Stabilisierungstruppe für die Hamas werden, zu einem Schutzschild für genau die Organisation, die Gaza in die Tragödie gestürzt hat.

von Ahmed Charai

Kein ernsthafter Stratege kann so tun, als sei Abrüstung optional. Eine Stabilisierungstruppe, die den Terroristen, die den Gazastreifen beherrschen, nicht entgegenzutreten vermag, ist kein Friedenssicherungsmechanismus, sondern ein politisches Betäubungsmittel. Sie verschafft der Hamas Zeit, sich auszuruhen, ihre Bataillone neu aufzustellen, ihre Tunnel wieder aufzubauen und sich auf den nächsten Krieg vorzubereiten. Sie ermöglicht es der Organisation, ihren Einfluss auf die Bevölkerung zu festigen und die Geschichtsschreibung so umzuschreiben, dass ihre katastrophalen Entscheidungen als heldenhafter Widerstand erscheinen.

Man kann eine Stadt nicht wiederaufbauen, indem man diejenigen stärkt, die sie zerstört haben. Man kann nicht von Wiederaufbau sprechen, während man gleichzeitig das Überleben einer bewaffneten Organisation garantiert, die offen verkündet, den Angriff vom 7. Oktober zu wiederholen, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet.

Einige Regierungen versuchen nun, die Hamas vor den Folgen ihrer Handlungen zu schützen. Sie sprechen von „Stabilität“, verfolgen jedoch ein ganz anderes Ziel: die Hamas als Instrument ihrer Einflussnahme zu erhalten. Um diese Doppelzüngigkeit zu rechtfertigen, verbreiten sie die Fiktion, dass die Hamas nicht zerschlagen werden könne, da ihre Ideologie angeblich in jedem Haushalt im Gazastreifen verankert sei. Das ist falsch. Die Bewohner des Gazastreifens wurden nicht in die Hamas hineingeboren, sondern von ihr unterworfen. Sie hat sich durch Angst, Zwang und die Zerstörung aller Alternativen durchgesetzt.

Wir müssen es klar sagen: Es gibt Staaten, die wollen, dass die Hamas überlebt, gerade weil sie ihren regionalen Einfluss vergrössert. Sie verteidigen die Hamas nicht aus Solidarität mit den Palästinensern, sondern aus kühler strategischer Berechnung, um ihren Einfluss zu bewahren. Präsident Donald Trump, der einen Waffenstillstand erzwungen und viele dieser Machenschaften aufgedeckt hat, sollte genau erkennen, was hier vor sich geht.

Trumps 20-Punkte-Plan war keine rhetorische Angelegenheit, sondern ein Versuch, Ordnung in das politische Chaos zu bringen. Er handelte mit derselben Klarheit und Entschlossenheit, die auch hinter den Abraham-Abkommen stand, und durchbrach damit jahrzehntelange Lähmung mit der Überzeugung, dass Fortschritt nur möglich ist, wenn man Illusionen ablehnt. Trump gab sich keinen Fantasien über die Hamas hin. Er entwickelte einen Plan, der auf der Erkenntnis beruhte, dass Frieden nur möglich ist, wenn man sich denen entgegenstellt, die den Frieden ablehnen. Seine Arbeit war eine Erinnerung daran, dass Führungsstärke wichtig ist.

Die Führung der Hamas selbst hat sich mit erstaunlicher Klarheit geäussert. Am 6. Dezember 2025 erklärte der Chef des Politbüros der Hamas, Khaled Mashaal, in einer Rede in der Türkei, dass die Hamas niemals ihre Waffen abgeben, niemals auf ihre Waffen verzichten, niemals eine externe Kontrolle über den Gazastreifen akzeptieren und niemals zulassen werde, dass irgendeine internationale oder andere Macht ihre militärischen Operationen einschränke. Er prahlte damit, dass das Waffenarsenal der Hamas „die Ehre und der Stolz der Nation“ sei. Dies ist keine Verhandlungsposition, sondern eine Erklärung des ewigen Krieges. Wenn der Führer der Hamas öffentlich erklärt, dass die Gruppe keiner internationalen Streitmacht die Kontrolle über den Gazastreifen gestatten werde, kann man nicht mehr so tun, als könne eine internationale Schutztruppe operieren, ohne die Autorität der Hamas zu akzeptieren.

Viel zu lange wurden arabische Völker von ideologischen Strömungen als Geiseln gehalten, die ihnen aufgezwungen wurden, anstatt von ihnen selbst gewählt zu sein. Die Erzählung der Muslimbruderschaft vom „Widerstand“, die von fortwährenden Konflikten lebt, und das Imperium des Grolls des iranischen Regimes haben das Potenzial der Region erstickt. Diese Kräfte verteidigen die Araber nicht, sie untergraben ihre Zukunft. Sie ehren den Islam nicht, sie verzerren ihn zu einer Rechtfertigung für Gewalt. Und das iranische Volk – eine der kultiviertesten und brillantesten Zivilisationen der Erde – verdient Besseres als Herrscher, die das Feuer in arabische Länder exportieren und gleichzeitig die Hoffnung im eigenen Land auslöschen.

Der Weg nach vorne ist nichts Geheimnisvolles. Trump hat ihn eingeleitet. Aber er kann nur fortgesetzt werden, wenn wir uns der Realität stellen, anstatt uns hinter diplomatischen Formeln zu verstecken. Die Hamas muss zerschlagen werden – sie darf nicht toleriert, neu interpretiert oder „verwaltet“ werden. Jede Einsatztruppe, die nach Gaza einmarschiert, muss ein klares Mandat haben: die vollständige Entwaffnung und Entmilitarisierung der Hamas. Ohne dieses Mandat wird eine internationale Schutztruppe nur eine Maske für Ohnmacht sein, eine neue Tragödie auf einer alten, ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte von Illusionen, die sich als Lösungen ausgeben.

Es ist an der Zeit, Klartext zu reden: Gaza kann nicht wieder aufgebaut werden, solange die Hamas existiert. Frieden kann nicht geschaffen werden, solange die Hamas regiert. Und eine internationale Stabilisierungstruppe, die dies nicht versteht, stabilisiert nicht die Region – sie stabilisiert ihre Albträume.

Ahmed Charai, Verleger, ist Vorsitzender und CEO der World Herald Tribune, Inc. sowie Herausgeber der Jerusalem Strategic Tribune, von TV Abraham und Radio Abraham. Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Jerusalem Strategic Tribune und wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors auf Gatestone Institute veröffentlicht. Übersetzung Audiatur-Online.

1 Kommentar

  1. Ein guter Artikel,
    vielleicht ein wenig zuviele Kirschen auf Trump´s Nachtisch, aber sonst …

    Ja, es wird kein Gaza 2.0 geben – wird es NICHT!

    Nicht einmal die Türkei würde derzeit die … äh,
    … (meine Tastatur möchte ein anderes Wort schreiben, aber ich zügele sie!)
    „Risikobereitschaft“
    (nennen wir es so, aber andere Worte wären zutreffender)
    aufbringen, Gaza wieder aufzubauen.
    Sehr glücklicherweise ist die Türkei dazu finanziell auch gar nicht in der Lage.

    Ja, es stünden wohl Investoren für einen tourismus- und wirtschaftsorientierten
    Aufbau des Gazastreifens zur Verfügung,
    aber nicht wenn so vermummte wie schwerbewaffnete Hamas-Terroristen
    und iranische Mullahs die Türen zur Begrüßung offenhalten.

    Gut für Israel:
    Israel hatte den Staatsvertrag Oslo II erfüllt,
    die Pali-Araber aber nicht, überhaupt nicht, ganz das Gegenteil!
    Und DAS bezieht sich auf mehr als nur Gaza
    – ich meine damit auch Judäa und Samaria.

    Nachdem die Pali-Araber (ohne israelische Staatsangehörigkeit) ihren Status
    aus den Oslo II – Verträgen verwirkt haben:
    welchen Status haben diese Menschen denn jetzt noch …?!
    Eine Frage, die wie ein rosa Elefant im Raume steht!
    Eines ist mehr als deutlich: den Staat Israel wollen sie NICHT.

    Derzeit kann Israel an der Situation der doch wieder
    hamas-geführten Pali-Araber in Gaza nichts ändern
    – wenden wir uns also drängenderen Themen zu:
    Quo vadis, Europa …?!
    Europa verkommt derzeit zur offenen Nervenheilanstalt für alles,
    was bildungsmäßig schlecht geklont ist.
    Dieser unselige Mix aus den Desperados aller Herren Länder plus den
    2015 Richtung Deutschland geretteten ISIS-Terroristen wird absehbar
    den Begriff „Heimat“ für Juden zerstören!
    Sind Shitholes wie Germany überhaupt noch „Heimat“ für Juden …?!
    Ich denke: nicht!

    Ja, wir sind noch bei Gaza, Judäa und Samaria und Israel überhaupt
    – Israel wird Platz benötigen, viel Platz!
    Aus Europa wird noch einiges nach Israel streben.

    Zudem sollte mal die Frage ernsthaft erörtert werden,
    wie die arabischen Kolonialisten von Marokko´s Atlantikstränden
    bis hin nach Ägypten den Status von „Urvölkern“ erfolgreich
    an bildungsunwillige Jung-Europäer verkaufen konnten!
    Hingegen Juden, völlig im Recht!,
    die aus ihren angestammten Gebieten im Nahen Osten
    mit Zwangsentrechtung, mit Mord und Totschlag rausgeekelt wurden,
    plötzlich das Label „Landräuber“ angehängt bekommen haben!

    Welchen Trend hat Israel verschlafen?

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