Jüdische Spuren in der östlichsten Stadt Deutschlands entdecken: Görlitzer Synagoge als Kulturforum wieder eröffnet

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Das Kulturforum Görlitzer Synagoge mit prachtvollem Kuppelsaal. Der Sakralbau in der Neißestadt zählt zu den wenigen Synagogen in Deutschland, die den Nationalsozialismus überstanden haben. Foto Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH
Das Kulturforum Görlitzer Synagoge mit prachtvollem Kuppelsaal. Der Sakralbau in der Neißestadt zählt zu den wenigen Synagogen in Deutschland, die den Nationalsozialismus überstanden haben. Foto Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH
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Nach jahrelanger aufwändiger Sanierung hat Görlitz ein überregional und international beachtetes Kulturdenkmal wieder für Besucher und Veranstaltungen geöffnet. Wer die Synagoge in Görlitz besucht, wird von ihrer architektonischen Schönheit und dem faszinierendes Farbenspiel im Kuppelsaal zweifellos überwältigt sein. Ein vergoldetes Schuppenmuster und majestätisch wirkende Löwen schmücken die Decke. Kostbare Materialien in edler Verarbeitung betonen die Ostwand mit dem Thoraschrein.

1911 geweiht, gleicht es einem Wunder, dass der jüdische Sakralbau nach wie vor erhalten ist. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde das imposante Gebäude zwar in Brand gesteckt, doch die Feuerwehr kam, um die Flammen zu löschen. Der Bau im Stil der Reformarchitektur zählt damit zu den wenigen Synagogen in Deutschland, die den Nationalsozialismus überstanden.

Zu DDR-Zeiten diente das verwaiste Gotteshaus zeitweise als Lager für Theaterkulissen. Es fristete jedoch eher ein Schattendasein und verfiel zunehmend. Nach 1990 begann die Rettung und Sicherung des Gebäudes. Mit Millionenaufwand wurde es schrittweise saniert. Inzwischen erstrahlt das national bedeutsame Kulturdenkmal in neuem Glanz. Der Thoraschrein, das Allerheiligste in einem jüdischen Gotteshaus, steht offen – als Zeichen der Verletzung an zentraler Stelle, wo früher die Thorarollen aufbewahrt wurden.

Die Dresdner Architekten William Lossow und Max Hans Kühne, die auch den Hauptbahnhof in Leipzig entwarfen, verwendeten beim Bau der Görlitzer Synagoge sehr moderne Technologien. Die flache Kuppel aus Eisenbeton, die sich über den Hauptraum wölbt, hat eine Spannweite von 16 Metern. Darüber erhebt sich die Stahlskelettkonstruktion für den 33 Meter hohen Turm, mit dem die Bauherren einst selbstbewusst anzeigen wollten, dass Judentum seinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat.

Eine jüdische Gemeinde bildete sich nach 1945 nicht mehr. Seit 1963 ist das Denkmal in Besitz der Stadt Görlitz. Als heutiges Kulturforum kann die Synagoge ganz unterschiedlich genutzt werden: für Bildung, Konzerte, Vorträge, Festveranstaltungen und Tagungen. Das Haus ist außerdem zur individuellen Besichtigung mit Multimediaguide geöffnet. Ein Gebetsraum in der früheren Wochentagssynagoge steht für Andachten und Gottesdienste zur Verfügung.

Die Synagoge ist das sichtbarste Zeugnis der jüdischen Geschichte in Görlitz. Interessierte können darüber hinaus weitere Orte erkunden, zum Beispiel den jüdischen Friedhof mit imposanten Grabmalen und repräsentativen Familiengrabstätten. Auch die Alte Synagoge, heute ein Literaturhaus, ist einen Besuch wert. Die jüdischen Einwohner von Görlitz waren ein wichtiger und einflussreicher Teil der Bürgerschaft. Viele ihrer Häuser und Stadtvillen sind heute noch erhalten. Eine themenspezifische Stadtführung bringt Interessierte an markante Orte, verweist auf Biografien und gibt Einblick in die jüdische Geschichte von Görlitz.

Hinweise zu Jüdischen Spuren in Görlitz: www.goerlitz.de/Juedische-Spuren.html

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