Syrischer Botschafter zeigt „gefälschtes“ Bild in der UNO. Foto Screenshot Youtube
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Der syrische UNO-Botschafter Bashar Jaafri zeigte im UNO-Sicherheitsrat ein Foto vermeintlicher humanitärer Hilfe der syrischen Regierungstruppen in Aleppo. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Bild, das seit Juni in iranischen Medien verbreitet wird und schiitische Milizen in der irakischen Stadt Falludscha zeigt, die Christen helfen.

In der Vergangenheit haben israelische Journalisten immer wieder Bilder aus Irak entdeckt, die von der palästinensischen Propaganda benutzt wurden, um israelische Soldaten wegen Grausamkeiten und Menschenrechtsverletzungen zu überführen.

In der UNO gab es einen Schlagabtausch zur Lage in Aleppo, wo angeblich syrische Regierungstruppen Massaker an der eigenen Bevölkerung anrichten.

Die amerikanische Botschafterin Samantha Power fragte den syrischen Botschafter: „Können sie wirklich keine Scham fühlen? Gibt es wirklich nichts, was sie beschämt?“, fragte Power. „Gibt es keinen barbarischen Akt, keine Hinrichtung eines Kindes, die unter Ihre Haut geht, die Sie auch nur ein bisschen gruselt? Gibt es nichts, worüber Sie nicht lügen oder das sie nicht rechtfertigen?“

Nachdem Syriens Vertreter Bashar Jaafari den Vereinten Nationen vorgeworfen hatte, die Vorwürfe gegen sein Land basierten auf falschen Informationen, legte er seinerseits vermeintlich „richtige Informationen“ über die aktuellen Geschehnisse vor Ort vor. Das Bild eines Regimesoldaten etwa, der einer Frau seinen Rücken als Treppenstufe anbietet. „Ich habe noch eine Menge anderer Fotos dieser Art, aber ich weiss, dass die Zeit eilt.“ Was die syrische Armee in Aleppo mache, sei letztlich nichts anderes als das, was die Sicherheitskräfte nach den Terroranschlägen von Paris, London oder in Boston getan hätten, schlussfolgerte Jaafari. So der Bericht bei der Online-Ausgabe des Berliner Tagesspiegels.

Eine Nachfrage beim Tagesspiegel ergab, dass es sich um einen Youtube Screenshot der UNO-Debatte handle. Das ist tatsächlich bei 48:27 der Botschafter zu sehen, wie er dieses Bild hoch hält.

Auf dem Foto ist eine ältere Frau zu sehen, die von einem Lastwagen herabsteigt. Ein Mann in Tarnuniform kniet auf dem Boden und bietet der Frau seinen Rücken als „Stufe“ an, während andere Zivilisten und ein uniformierter Soldat mit aufgenähter irakischer Flagge an seinem Arm der Frau die Hand reicht.

Das Foto wie es im Juni 2016 von der alrafidayn.ir Website veröffentlicht wurde.

Das Bild lässt sich leicht auf seine Ursprünge prüfen. Während der Botschafter in der UNO behauptete, dass es sich hier um ein Foto hilfreicher syrischer Regierungstruppen in Aleppo handle, erbringt eine Suche im Web, dass das Bild im Juni 2016 in der irakischen Stadt Falludscha aufgenommen worden ist und nicht in Aleppo. Die „Helfer“ sind Iraker und nicht Syrer.

Gemäss der Nachrichten-Seite „France24.com“ handelt es sich auf dem Bild um Mitglieder der schiitisch-irakischen Armee, die Christen in Falludscha helfen und dort auch Kirchen reparieren. Das Bild wurde im Juni auch schon von Tnews im Iran verbreitet und zeige helfende schiitische Milizen im Irak.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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2 KOMMENTARE

  1. Mannn, Sahm………………
    Wenn jemand die Realität im nahen Osten kennt, dann doch Sie…….

    Ich kann ja verstehen das man als Israeli allergisch auf Assad reagiert, aber derlei ist Realitätsfremd.

    Natürlich ist es vermutlich ein „Fake-Foto“, so wie es halt fast lauter „Fake-Nachrichten“ aus Syrien gibt. Eben die Wahrheit die im Krieg das erste Opfer wird.
    Aber sie Herr Sahm, sie sollten sich solch läppischer Dinge enthalten.

    Als Israeli sollten sie wissen das es in Islamischen Ländern nie Demokratie geben wird.
    Die Alternative einen Hussein als Nachbarn zu haben also besser ist ….wie einen Islamischen Gottesstaat.

    Ein Machtkalkül …….die Islamisten besser kontrollieren zu können, also davon lässt Israel besser seine Finger.

    Ich für mich, der ich sehr Israelfreundlich gesinnt bin, ich hoffe Assad gewinnt. Zu Gunsten der Christen und vieler anderer Gruppen in Syrien.
    Natürlich ist Assad nicht das was ich mir wünschte, aber er ist das was dort maximal zu haben ist. Besser einen echten Feind, wie einen Islamisten der…..

    Dieses Fake-Foto ist ein Peanuts, vergleicht man das mit Dingen wie den sogenannten „Weisshelmen“ von denen die aus Aleppo geflüchteten Syrer sagen ……das die nur denjenigen retten der bezahlen kann oder den sie ausrauben konnten und eventuell hernach retteten.

    Ich persönlich kann Assads Problem mit dem Bewohnern von Aleppo durchaus nachvollziehen.
    Es ist das was man in Afghanistan auch erlebte.
    Solange die Waffen und Munition haben und glauben zu gewinnen, sind sie alle Kämpfer.
    Wenn sie verlieren oder nicht mehr kämpfen können, werden sie flugs zu Zivilisten und armen Opfern des Krieges. Wie aber Unterscheiden….???
    Es wäre Sache dieser Terroristen ihre Formationen in Uniformen zu stecken um sie von Zivilisten unterscheidbar zu machen. Aber wollen die das den überhaupt….?

    Syrien kann es sich nicht leisten solchen „Zivilisten“ die Bewegungsfreiheit im Land zuzugestehen.
    Nein, sie müssen alle Männer von 12 bis 80 Verhaften und klären was sie waren, …..wenn das überhaupt möglich ist.
    Tut man das nicht, exportiert man diese Halsabschneider ins ganze Land und sitzt auch nach einem Kriegsende immer noch auf einem Pulverfass.
    Es ist ein ungeheures Problem, etwas was halt auch hier wieder so gelöst wird wie es Islamisch geprägte Gesellschaften immer machen…….. Nun ja, so funktiopniert das bei denen.

    Muss ich dazu noch mehr schreiben ?

  2. Der Tagesspiegel liest wohl auch Audiatur : „Dem ehemaligen Tagesspiegel-Korrespondenten Ulrich Sahm ist das „falsche“ Bild ebenfalls aufgefallen. Nach seiner Recherche wurde das Bild der schiitischen Milizen in Falludscha unter anderem bereits im Juni von „Tnews“ aus dem Iran verbreitet. Auch auf Twitter kursiert das Bild schon seit längerem mit dem Verweis auf schiitische Milizen im Irak.“ http://www.tagesspiegel.de/politik/un-sicherheitskonferenz-syrischer-botschafter-zeigt-zu-aleppo-falsche-fotos/14982536.html

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