Foto Naomi Zeveloff

Als Jessica Zimet im April ihre Tochter Aviah zur Welt brachte, war das Hospital in Tel Aviv so überfüllt, dass sie – wie sie sagte -aus dem Kreisssaal hinausgejagt wurde, um Platz für die nächste werdende Mutter zu machen.

Von Naomi Zeveloff, Forward.com

Die neun Monate nach dem Beginn der Operation Protective Edge geborene Aviah ist Teil des Phänomens, das von einigen als Nachkriegs-Babyboom in Israel bezeichnet wird. „Der Stress des Kampfes bedeutet mehr Entbindungen nach dem Krieg“, sagte Avivit Karni, Leitende Hebamme im Kaplan Medical Center in Rehovot.

Das israelische Gesundheitsministerium hat bisher noch keine Daten zu den Geburtsraten der vergangenen Monate zusammengestellt. Aber nach anekdotischen Berichten wurden in einigen israelischen Kreisssälen im April, Juni und Juli Überstunden gemacht. Karnis Mitarbeiter im Kaplan halfen bei zusätzlichen 100 Geburten pro Monat (ungefähr 650 gegenüber normalerweise 550).

Karni vermutet, dass viele der Geburten in ihrem Krankenhaus auf Paare zurückzuführen sind, bei denen der Mann während des Krieges auf Heimaturlaub vom Reservedienst war. Heimkehrende Soldaten hätten „ihre Frauen vermisst“, sagte Karni.

Aber Leanne Kaye, ein Consultant, der neuen Einwanderern und anderen hilft, sich im israelischen Geburtensystem zurechtzufinden, hatte eine andere Erklärung für den Baby-Boom: Langeweile. Als Hamas auf grössere israelische Städte Raketen abfeuerte – von denen viele vom israelischen Iron Dome-System abgefangen wurden – kam das berühmte aktive Nachtleben von Tel Aviv zum Erliegen. In den eigenen vier Wänden festgehalten wurden die gelangweilten Israelis „tätig“.

„Das Leben der Menschen erlag bis zum Punkt, wo sie nur noch zuhause waren“, sagte Kaye. „Diese Ausflüge an den Strand tagsüber oder abends fanden während eines beträchtlichen Teil des Sommers nicht mehr statt.“ Neun Monate später, so Kaye, hätten viele ihrer Kunden manische Szenarien im Kreisssaal erlebt.
„Sie kommen zur Entbindungsstation und alle Stationen sind belegt. Jemand verlässt ein Zimmer und Sie gehen in dieses Zimmer. Es war ein richtiges Förderband „, sagte sie.

Anrufe bei anderen Entbindungsstationen ergaben unterschiedliche Informationen zur Verbreitung des Aufwärtstrends von Geburten neun Monate nach dem Krieg im letzten Jahr. Einige berichteten keinen Anstieg, während andere die Erfahrungen im Kaplan Medical Center bestätigten.

Aber falls dies ein kleiner Nachkriegsboom war, so wäre er sicherlich nicht der erste Israels. Laut Karni sah Kaplans Kreisssaal ähnliche Aufwärtstrends der Geburten nach Israels vorangegangenen zwei Operationen in Gaza: Operation Cast Lead in den Jahren 2008 bis 2009 und Operation Pillar of Defense im Jahr 2012. Es gab auch einen Baby-Boom neun Monate nach dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah, der 2006 an der libanesischen Grenze geführt wurde. Und Israel hatte längere Zeiten mit erhöhten Geburtenraten nach dem Yom Kippur Krieg 1973 und dem Sechstagekrieg 1967.

Zimet, die in Marketing arbeitet, wurde zu Beginn der Operation Protective Edge, kurz nach der ersten Sirenenwarnung in Tel Aviv, schwanger. Sie sagte, dass sie ein Kind wollte, aber darauf bestanden hätte, noch damit zu warten. „Ich wollte nicht während des Krieges schwanger werden, weil ich dachte, es wäre zu viel Stress und schlecht für die Schwangerschaft“, sagte sie. Als Zimet erfuhr, dass sie mit einer Tochter schwanger war, war der Krieg bereits beendet. „Ich glaube, wenn ich gewusst hätte, dass ich schwanger war, wäre es viel mehr Stress gewesen“, sagte sie.

Sandy Heffez Milrad wurde wenige Monate vor Kriegsbeginn schwanger, aber ihr 6 Monate alter Sohn ist in gewissem Sinne Teil des Babybooms. Weil nämlich sein Name Eitan ist, ein beliebter israelischer Name, der „mächtig“ oder „stark“ bedeutet. Auf Hebräisch hiess die Operation Protective Edge MivtzaTzuk Eitan oder Operation Strong Cliff. Als Milrad ihren Sohn nach seiner Geburt im Innenministerium registrierte, erfuhr sie von den Beamten, dass viele Eltern den Namen Eitan gerade wegen ihrer Schwangerschaften während des Krieges ausgesucht hatten. Dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf Israels jüngsten Krieg. Ein beliebter Name für israelische Frauen, die Mitte der 70er Jahre geboren wurden, ist Maya, ein Akronym von Milhemet Yom Hakippurim, dem Jom Kippur Krieg.

Aber Milrad sagte, dass sie und ihr Mann den Namen Eitan lange vor der Gaza-Operation im letzten Sommer ausgesucht hatten. Sie sträubt sich gegen die Vorstellung, dass sie ihren Sohnes nach dem Krieg nannte, von dem sie glaubt, dass Israel ihn verloren hat. „Für mich ist es ein Gedenken an tote Soldaten“, sagte sie.
Sie hat sich damit abgefunden, dass ihr Sohn einer von vielen Eitans sein wird, wenn er in einigen Jahren die Schule besucht: „Es wird dann Eitan A, Eitan B und Eitan C heissen.“

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